Guten Morgen Bodensee!

Kolummne – Aus der Flachwasserzone

Wenige Wochen vor dem Saisonstart an Ostern wundern sich die Überlinger. Wie seit eh und je quält sich der motorisierte Verkehr durch die engen Altstadtstraßen. Ungläubig reiben sich die Überlinger die Augen. War da nicht einmal etwas? Angeblich sollte die Zeit des Vertröstens doch bald vorbei sein. Doch jetzt hoppelt der Osterhase mit seiner Schubkarre schon wieder stop-and-go durch die Altstadt…

Mindestens 50 Überlinger hatten Anfang des Jahres einen Brief unterzeichnet und an Oberbürgermeisterin Sabine Becker und die Mitglieder des Gemeinderats geschickt. Initiator war Josef Fuchs, Besitzer der Überlinger Stadtapotheke. Fuchs und seine Mitstreiter forderten eine „Entschleunigung des Verkehrs“ in der Überlinger Innenstadt. Offiziell zurück gemeldet hat sich bei den Bürgern bisher aber nur die SPD, die die Forderung der Innenstadtbewohner, unter ihnen sind auch Gewerbetreibende, unterstützt. Von der Oberbürgermeisterin dagegen hat Fuchs bis heute keine Rückmeldung bekommen, was in etwas grämt. So wie es aussieht würde er ihr dafür am liebsten die Hasenohren lang ziehen.

Verärgert sind viele Überlinger darüber, dass die Stadt nun noch einmal bei null anfangen will. Einige Überlinger, die fast alle schon wesentlich länger in der Stadt leben als sich der neue Bürgermeister und die Oberbürgermeisterin zusammengerechnet in ihr aufhalten, haben für weitere Verzögerungen kein Verständnis. Für sie ist das, was jetzt passieren soll, ein Déjà-Vue. Ungläubig nehmen sie zur Kenntnis, dass wieder einmal ein externer Dienstleister beauftragt werden soll, der den Prozess moderiert. In Zeiten knapper Finanzen empfinden es immer mehr Überlingern offenbar als höchst überflüssig, ein Büro zu beauftragen, das das Bürgerbetiligungsverfahren moderieren soll.  Déjà-Vue.

Lieber heute als morgen möchten die Überlinger eine Entschleunigung ihrer Altstadt. Dass voraussichtlich 2010 eine Entscheidung fallen soll, ist den Überlingern endeutig zu spät. So viel Zeit haben die Betroffenen nicht mehr. Zuerst kommt Ostern, dann Pfingsten und mit dem Osterhasen der Verkehr. Am liebsten würden Sie sofort damit anfangen, Plätze umzugestalten und Busse auszusperren.

Eine Begegungszone – so wie ihn die Stadt Konstanz auf dem Bahnhofsplatz plant – könnte eine Lösung für die Stadt sein. Alle Verkehrsteilnehmer teilen sich in einer Begegnungszone eine große Verkehrsfläche. Kein Fußgänger müsste sich mehr auf schmalen Gehwegen an Hauswänden entlang drücken. Fußgänger hätten Vorfahrt und für Autofahrer würde Tempo 20 gelten. Ausgesperrt wären sie aber nicht. Kurzzeitparkplätze wären in Begegnungszonen möglich. Shared Spaces in der Franziskaner-, Christoph-,Johann Kessenring- und Hafenstraße würden die Aufenthaltsqualität erhöhen. Dafür, dass Sabine Becker die Osterhäsin gibt und den Überlingern schöne bunte Verkehrsberuhigungseier ins Nest legt, ist es leider schon wieder zur spät. Auch deswegen hat eine über 80 Jahre alte Dame auf der Hafenstraße kürzlich wohl Josef Fuchs, dem Unterschriftensammler,  einen Strauß roter Rosen vorbeigebracht und die Rosen nicht für Bürgermeister und Gemeinderat im Rathaus abgegeben.  Einziger Trost, für alle die unter dem Verkehr leiden,  auch 2011, 2012 und 2013 wird es wieder Ostern werden.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

Waltraud Kässer

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