Guten Morgen Bodensee!

Kolumne aus der Flachwasserzone

Heute trennt uns noch ein Tag vom Wochenende und nur noch wenige Minuten müssen wir am Laptop ausharren, bevor wir zu einer kleinen Kreuzfahrt aufbrechen dürfen. Unsere ToDo-Liste von gestern ist auch heute noch nicht ganz abgearbeitet. Macht aber nichts. Heute ist zum Glück ja wieder ein neuer Tag. Bevor wir uns also ausgeschlafen ausnahmsweise ausführlich mit der Schreibweise des Wortes „Stier“, der neuen deutschen Rechtschreibung und der Notwendigkeit, einen „Duden“ zu besitzen, beschäftigen, machen wir Sie zu allererst noch ein bisschen neidisch

Sieben Tage vor der Taufe des neuen Fahrgastschiffes der Bodensee-Schiffsbetriebe, das mutmaßlich „Überlingen“ heißen wird, zumindest aber am kommenden Samstag in Überlingen getauft wird, dürfen heute schon Journalistinnen und Journalisten an Bord. Die kleine Kreuzfahrt auf dem Bodensee soll eineinhalb Stunden dauern. Von einem Frühstück ist die Rede aber auch von einem „Mann über Bord“ Manöver, was uns etwas beunruhigt. Die Mannschaft ist offenbar noch am Üben. Ob die Crew Rettungsringe oder aber Gäste über Bord wirft, um sie probehalber wieder aus dem See zu ziehen, ging aus der Einladung leider nicht hervor. Zudem wissen wir von unseren eigenen „Mann über Bord“ Manövern auf dem Segelschiff, dass es mit dem Manöver gelegentlich nicht gleich beim ersten Mal klappt…

Apropos Segelschiff. Ursprünglich wollten wir gestern noch der Piratenpartei einen Besuch in der Wollmatinger Halle abstatten, um ein bisschen zu recherchieren wie sich die Politik-Neulinge auf ihren Landesparteitag vorbereiten. Da die Sonnenschirme und somit ein mögliches Fotomotiv aber gestern sowieso noch nicht da waren, ist es nicht wirklich schlimm, dass wir es nicht nach Wollmatingen schafften…

Jetzt aber zu unserem heutigen Lieblinsgthema. Es geht, wie angedeutet, um die Schreibweise des Wortes „Stier“. Es ist so, dass ein Achtjähriger, genauer gesagt der Sohn einer Freundin, felsenfest davon überzeugt war, dass man „Stier“ ohne „e“ schreibt. Während es mit der Rechtschreibung beim Zweitklässler offenbar also noch ein bisschen hapert, ist seine Medienkompetenz hingegen unbestritten. Vom Vorschlag, die Schreibweise zu googeln – ein Duden war nicht im Hause – hielt er nicht viel. Im Internet stünden auch falsche Sachen, sagte er. Wie „Stier“ mit „ e“,  meinte er wahrscheinlich.

Großzügig haben wir angeboten, dem 2001 geborenen Achtjährigen einen Duden zu überlassen, da wir zwei besitzen und das Korrekturprogramm des  Open Office Writer für unsere Texte für absolut ausreichend halten. Was für ein „Duden“?, fragte die Freundin schon leicht beunruhigt. „Neue deutsche Rechtschreibung, sagten wir. Von wann der „Duden“ denn sei, wollte sie wissen. Wir schlugen ihn spontan auf. Von 1998 sagten wir. Er sei ja fast doppelt so alt wie das Kind, empörte sich die Freundin und lachte und lachte und lacht wahrscheinlich immer noch…

Die Gebrüder Grimm, die mit ihrem Deutschen Wörterbuch von 1838 einen Meilenstein setzten, praktizierten übrigens noch eine gemäßigte Kleinschreibung mit extrem sparsamen Gebrauch großer Anfangsbuchstaben. Auf der II. Orthographischen Konferenz von 1901 wurde die deutsche Schriftsprache erstmals einheitlich geregelt. Konrad Dudens Buchdruckerduden erschien 1903 in Leipzig und Wien. Nötig war ein Wörterbuch, weil sich die Deutschen gegenseitig immer schlechter verstanden haben. Zu viel  Hin und Her und kleinliche Diskussionen über Rechtschreibung oder gar angeblich falsche Schreibweisen halten wir im 21. Jahrhundert aber für eher überflüssig. Die letzte große Reform im deutschen Sprachraum gab es mit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996. Wir sind da aber insgesamt sehr tolerant. Obwohl wir zugeben müssen, dass wir gelegentlich nach unserem literatur- und sprachwissenschaftlichen Studium doch leicht geschockt sind, wenn uns zum Beispiel ausgerechnet eine Informatikerin auf einen oder mehrere Fehler aufmerksam macht. Schmunzeln müssten wir, wenn der Achtjährige beim Lesen dieses Blogs exakt in diesem Moment feststellen würde, dass wir „Stier“ wieder falsch geschrieben haben und dass erneut falsche Sachen im Web…

Kommen Sie bitte gut durch den Freitag und noch besser ins Wochenende!

Waltraud Kässer

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