Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute Morgen von Säuen, die in diesem Sommer durchs Dorf Überlingen getrieben worden sind, über die politische Kultur und die miese Presse. 

Schauen wir also über den See nach  Überlingen, wo die Stadtverwaltung der Presse anscheinend nichts mehr Recht machen kann.  Am Mittwochabend sah sich die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker genötigt, in der Gemeinderatssitzung eine persönliche Erklärung abzugeben. Sie sagte unter anderem wörtlich, dass im Sommerloch zwei Säue durchs Dorf getrieben worden seien.

Die OB hätte auch sagen können, dass die Lokalzeitung zwei Säue durchs Dorf getrieben hat.

Zu Beginn ihrer Amtszeit, habe sie gedacht, dass das Schlimmste, was ihr passieren könnte, wäre, dass sie etwas richtig „versauen“ würde und dann öffentlich dafür hinstehen müsste. Gleich zu Beginn habe es tatsächlich etwas gegeben. Sie habe das Amt erst ein paar Monate später als geplant angetreten, sagte die OB. Das habe sie aber von Anfang an offen gesagt und überhaupt trage sie ihr Herz auf der Zunge. Zu ihren Bürgern und dem Gemeinderat sei sie immer offen gewesen. Das ist der Oberbürgermeisterin wichtig.

Am Mittwochabend sagte Sabine Becker dann aber, dass es noch etwas Schlimmeres gebe, als einen Fehler zu machen und sich öffentlich hinstellen zu müssen. Das sei nämlich, keinen Fehler zu machen und trotzdem öffentlich Prügel zu kriegen.

Die Prügel bekommt die Oberbürgermeisterin regelmäßig von der so genannten veröffentlichten Meinung, also der Redaktion der Überlinger Heimatzeitung.

Die Redaktion suhlte sich in diesem Sommer mit zwei Säuen im Dreck. Einmal ging es um den Verkauf einer städtischen Immobilie (Sau Nummer 1) und einmal um die Kündigung des Vertrags mit dem Amtsblattverlag (Sau Nummer 2). Die Oberbürgermeisterin schilderte beide Fälle.

Die üblen Gerüch(t)e, die durch die Stadt ziehen, kommen weder aus einem Saustall noch aus dem Rathaus, sondern wohl eher aus einer Redaktionsstube.  Das und dass es sich um eine echte Schweinerei handelt, merken mittlerweile auch immer mehr Überlinger.

Bernhard Bueb, Pädagoge und FDP-Stadtrat, verlas in der selben Gemeinderatssitzung am Mittwochabend im Namen seiner Fraktion eine Erklärung. Er sagte, die Demokratie nehme Schaden, wenn Gemeinderäte so wie in Überlingen öffentlich Stellung nehmen (sprich der Lokalzeitung vorschnell Interviews geben).

Bueb sprach von einem Recht auf Fairness, auf das auch die Oberbürgermeisterin Anspruch habe. Die Presse, so Bueb, verhalte sich wie es dem Zeitgeist entspreche. Ein Kompliment war das nicht.

Wer, so fragte Bueb zu Recht, wolle da noch OB werden.

Marga Lenski von der LBU erklärte, dass sich Überlingen nicht mit Pseudo-Problemen beschäftigen sollte. Bei so viel destruktiver Kritik könne nichts Gutes mehr entstehen, so die Stadträtin.

Bernhard Bueb sprach uns gestern Abend aus dem Herzen und Marga Lenski hat wohl erkannt, dass ständige Herabwürdigungen und das dauernde Herunterschreiben das Image der ganzen Stadt zu beschädigen beginnen. Ungehalten reagierte hingegen auf Buebs Erklärung Günter Hornstein, einer derer, der sich anscheinend gern von der Lokalzeitung zitieren lässt und auch Schweinefutter liefert.

Wir selbst schämen uns sogar ein bisschen für unseren Berufsstand. Die Kollegen von der Printzeitung haben es bei ihrem Krieg mit der OB weit getrieben, wenn ein liberaler Rat an seine Kollegen sinngemäß appelliert, nicht mehr wie bisher mit der Presse zu sprechen, sondern die Angelegenheiten zunächst besser im Rat zu verhandeln.

Wir selbst wollen heute Morgen aus unserem Herzen keine Mördergrube machen.

Den Damen und Herren von der Lokalzeitung sei vorsorglich versichert: Dieser Blogbeitrag ist selbstverständlich weder gekauft, noch mit der Überlinger Oberbürgermeisterin abgesprochen oder gar von ihr initiiert. Falls jemand dies behaupten sollte, wäre das einfach nur die nächste Sau, die durchs Dorf…

Starten Sie gut in den Donnerstag und ziehen Sie sich warm an.

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. eikju
    13. September 2012 at 10:49 #

    die sache mit den säuen, die durch überlingen getrieben werden, ist
    bildlich zwar sehr eindrucksvoll, stimmt so aber nicht. säue haben bekanntlich ein sehr dickes fell, hier muß es sich also um eine sehr dünnhäutige neuzüchtung der redaktion handeln.

  2. Wilfried Hoffmann
    13. September 2012 at 11:24 #

    Bei der Diskussion über diese zwei Themen wird schnell übersehen,daß es für die Bürger nur ein
    vorrangiges Thema gibt: die aktuelle Verkehrs-belastung,leider wird diesem Thema vom
    Südkurier nicht die erforderliche Priorität eingeräumt.

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