Guten Morgen Bodensee!

Kolumne aus der Flachwasserzone

Heute möchten wir uns vier Themen widmen: Der Akzeptanz von Outdoorbekleidung abseits des Hochgebirges, dem Leser, dem unbekannten Wesen, Tätowierungen und der Nacktheit am Strand…

Es ist so, dass die Messe Friedrichshafen darauf aufmerksam gemacht hat, dass Funktionsbekleidung auf dem Weg sei, fester Bestandteil des Alltags zu werden. Vom „Megatrend“ und „Lebensgefühl“ spricht angeblich die Outdoor-Branche. Entsprechend optimistisch sehe die Outdoor-Industrie der Internationalen Leitmesse OutDoor vom 15. bis 18. Juli, geöffnet leider nur für den Fachhandel, in Friedrichshafen, entgegen. Drei große Bekleidungsthemen stehen dort in diesem Jahr im Fokus: Vielseitigkeit, Lightweight und Nachhaltigkeit. So steht es in einer Pressemitteilung. „Outdoor ist ein anhaltender Trend“, sagt Bernd Wodarz, Verkaufsleiter Deutschland von Mammut.  Warum erläutert Peter Schöffel, Geschäftsführer des Familienunternehmens Schöffel: „Freizeit, Wandern und Reisen sind für weite Teile der Bevölkerung emotionale Sehnsuchtsthemen“ und Salewa-Geschäftsführer Stefan Rosenkranz ergänzt: „Man zeigt sich heutzutage auch im Alltag gerne sportlich und identifiziert sich mit der Outdoorbekleidung, die zunehmend Funktion und Lifestyle kombiniert.“ Die Möglichkeit, Funktionsbekleidung für Outdoor-Aktivitäten wie auch im Alltag einsetzen zu können, sei ein bedeutendes Kriterium für den Verbraucher. Mit Funktionsbekleidung ist es also wahrscheinlich so ähnlich wie mit dem durch Innenstädte Cruisen mit Geländewagen…Brauchen wir unbedingt für unser persönliches Survival.

Täglich fragen wir uns, was möchten unsere Leser auf unserer Website von uns erfahren. Öfter mal setzen wir, weil so das Internet funktioniert, Links. Unsere Statistik („Deine Besucher klickten auf diese Links in deinem Blog“) zeigt uns, wohin unsere Leser von unserer Seite aus so gehen. Am Samstag war es zum Beispiel so, dass ein Fünftel der Leser des Beitrags „Ein Brief von Martin Walser und Jogis Jungs in der Konstanzer Strandbar“ zur Süddeutschen Zeitung klickten, die am Samstag einen offenen Brief des in Nussdorf wohnenden Autors Martin Walser an Bastian Schweinsteiger über „Schweinsteigers Kniefall“ veröffentlichte. Nicht in die Top Ten schafften es am Wochenende dagegen die Links zu Blogs, die wir im selben Beitrag angeboten haben.

Moderne Zeiten scheinen jetzt auch im Schloss Bellevue anzubrechen, in das kürzlich die Generation Golf, jene Generation, die in den 1980-er Jahren in der Bundesrepublik aufwuchs und erwachsen geworden ist, teilweise eingezogen ist. Der Bundespräsident hat eine Patchworkfamilie mitgebracht und die First Lady hat eine Tätowierung am Oberarm. Der „Stern“ hat sich ein lustiges Cartoon einfallen lassen: Vor einem Tattoo Studio hängen die deutsche Flagge und ein Schild mit der Aufschrift „Offizieller Ausstatter des Bundespräsidialamtes“. Tätowierungen sind also gesellschaftsfähig geworden. Das aber alle, die eine Tätowierung haben, eine besonders spannende Biografie hätten und unkonventioneller als andere sind, glauben wir nicht.

Apropos moderne Zeiten: Unsere Lieblingszeitung aus München hatte sich am Wochenende dem Umgang mit Nacktheit am Strand gewidmet. Offenbar sind Schamgefühle weiterhin recht groß. So haben wir erfahren, dass es nicht problemlos sei, am Strand das Bikini-Oberteil auszuziehen (macht sowieso fast keine Frau mehr). Es gebe vielmehr diverse Verhaltensregeln. Wir ahnten es. Kürzlich hat es auch ein französischer Soziologe festgestellt. Wir lernten beim Lesen des Artikels  zum Beispiel: Während der liegende nackte Busen weitgehend akzeptiert sei, sei es mit dem Gang ins Wasser schon schwieriger und besonders kritisch sei es, wenn „ein besonders großer oder hängender Busen in Bewegung gerate, etwa beim Strandvolleyball“. Männer kamen in dem Beitrag übrigens gar nicht weiter vor. Sagen wir es jetzt vielleicht so: Segelboote sind zwar mords unbequem und bei Flaute ist ein Tag in der Hitze eine Qual. Aber für ein bisschen unbeschwertes Nacktbaden im Bodensee – abseits aller Verhaltensregeln – braucht es Badeboote halt doch manchmal…

Starten Sie gut in die neuen Woche!

Waltraud Kässer

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Fenedig
    12. Juli 2010 at 09:29 #

    Nackheit – zumeist feminin dargeboten – wird nicht nur in allen einschlägigen Gazetten als potentielles Leser-Lustmittel vermarktet, sondern auch so genannte „seriöse Blätter“ können sich gerade in einer Sommer-Hitzeperiode diesem Genre nicht ganz entziehen. Soweit ist alles Standard und man hat sich entsprechend abgehärtet oder frohlockt ab und zu beim Frühstück visuell zwei Sekunden lang. Wenn man jedoch als harmloser Spaziergänger das Glück hat, gerade in dem Moment durch den FKK-Bereich im Konstanzer Schwimmbad Hörnle Lust zu wandeln, wo gerade ein männliches Glied unserer Gesellschaft in seiner ganzen Montur – Bauch eingeschlossen – aus den Schutzhecken tritt, um sich, den Seewanderweg überschreitend, zum Wasser hinunter zu bewegen, fühlt man sich schon auf einem anderen Planeten. Es kann natürlich auch sein, dass man als Voyeur geoutet und auf den Umweg über den harmlosen Wald im Hintergrund verwiesen wird. Aber da könnten einem ja Exhibitionisten auflauern…….

  2. dk
    12. Juli 2010 at 10:27 #

    ### Kniefall + Nacktheit

    Das Leserinteresse beim Kniefall dürfte in der Nachbarschaft von Hr. Walser zum Hr. Lenk begründet sein: der Kniefall ist auch ein religiöses Thema und der Papst dürfte ein Buch schreiben können, dass die Bibel-Dicke übersteigt.

    Als „einfacher Mensch“ ist mir bei obiger Kolumne eher bewusst geworden, dass man sich auch „bis auf die Knochen nackt fühlen“ kann und aus plötzlicher intensiver „nervlicher und seelischer Überforderung“ in den „virtuellen Kniefall“ sinkt.

    Bei regelmässiger Belastung dürfte sich auch die eigene Seele vergrössern und dieser Effekt sich mindern.
    Leider geschieht es am Bodensee bisher eher selten: es müsste so etwas wie ein „Kreislauf-Notfall-Spray“ für die Seele geben (Tip für Nycomed).
    Zum Glück kann man dieses Phänomen (noch) nicht bildhauerisch darstellen.

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