Guten Morgen Bodensee!

Kolumne aus der Flachwasserzone

Montage sind mies. Die Aussicht auf Badewetter und Temperaturen bis knapp 30 Grad machen nichts besser. Wochenenden dagegen bereiten viel mehr Spaß, egal ob man lieber zum Burgfest auf den Hohentwiel gewandert ist, um Toto zu hören, ob man grillen und chillen bevorzugte oder möglicherweise sogar den ergiebigen Gewitterregen am Samstag genossen und sämtliche Fenster und Türen zum Durchlüften aufgerissen hat…

Wochenenden eröffnen ferner die Möglichkeit, sehr ausgiebig Zeitung zu lesen. Da haben wir zum Beispiel erfahren, dass der Suchbegriff „Hipster“ seit Mitte der Nullerjahre bis jetzt immer öfter bei Google eingegeben worden ist. „Hipster“ fragen wir uns? Nun ja, ist wohl eher eine postmoderne großstädtische Figur mit Umhängetasche, engen Hosen und großer Plastikbrille. Vor kommt er in diesem Sommer – so wie früher das Ungeheuer von Loch Ness – außer in großen Städten auch in den Medien, die sich ja immer wieder originelle Themen einfallen lassen müssen.

Ein zweiter populärer Typ soll der „Nerd“ sein. Den kennen wir schon, den einen oder anderen „Nerd“ sogar persönlich. Der „Nerd“, ein gesellschaftlicher Stereotyp, der sich besonders für Computer interessiert, scheint dem „Hipster“, wie wir seit unserer Wochenendlektüre wissen, den Rang abgelaufen zu haben. Er habe den „Hipster“ links überholt, wohne in den hipperen Wohnungen und verdiene mehr Geld. Und was machen wir, wo stehen wir selbst? Ein bisschen irritiert schauten wir am Wochenende auf unser verwaschenes T-Shirt und die abgerissenen Short. „Hipster“ sind wir nicht, Konstanz ist keine Großstadt und programmieren können wir leider auch nicht, weshalb wir sicher keine „Nerds“ sind und öfter mal aufgeschmissen. So viel ist gewiss. Aber wir haben wenigstens den Bodensee und das ist für einen Montag doch auch nicht schlecht.

Apropos Montag. Heute Abend gibt das Überlinger Sommertheater „Ein Inspektor kommt“. Morgen erwartet die Theaterfans nach dem Hauptstück noch ein Nachgespräch und wer mag, kann im Foyer des Kursaals dem „Ollen Bukowski“ begegnen. Eine Freundin sagte, Bukowski sei die passende Literatur in der Jugend gewesen. Ein bisschen pubertär. Sie wissen schon, sehr drastisch, anzüglich und Schwaden von Alkohol waberten aus seinen Texten. Egal, ein großer amerikanischer Erzähler war Charles Bukowski auf jeden Fall. Mal sehen, was Wolfram Mucha so vorliest.

Aber, wie gesagt, wir mögen Montage nicht und außerdem sind wir ein bisschen enttäuscht heute Morgen. Auf der Seite „Wissen“ unserer Lieblingszeitung aus München, mit der wir uns am liebsten täglich fortbilden, haben wir gelesen, dass uns, also den digitalen Medien, Leser nur kurze Aufmerksamkeitsphasen schenken (anders als beim Bücher lesen). Wer nur ein paar Infos wolle, nutze wahrscheinlich nur 50 Prozent der vorhandenen Hirnkapazität, so die Botschaft. Fürs kritische Denken brauchen wir das ganze Hirn, heißt es. Also, liebe Leser, ein bisschen mehr Engagement Ihrer grauen Zellen hätten wir uns schon gewünscht. Obwohl heute, wie mehrfach erwähnt, Montag ist, haben wir schließlich diesen Text auch mit unserem ganzen Hirn geschrieben.

Starten Sie gut in die neue Woche!

Waltraud Kässer

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. KOPP press
    19. Juli 2010 at 08:57 #

    Guten Morgen Waltraud,

    falls es Dich beruhigt:

    Der erste Montag in der Woche ist immer der Schlimmste!

    Gruss Alexander

    PS: Schon Garfield hasste Montage und liebte dafür Lasagne.

  2. Fenedig
    19. Juli 2010 at 09:49 #

    Ich habe heute Montag meine „grauen Zellen“ engagiert aktiviert. Sie melden mir, dass „Wahrscheinlich“ zu den meist gebräuchlichsten Wörtern besonders auch in der Hirnforschung zählt, was man täglich -auch digital – lesen kann. „Infos“ – z.B. auch solche über see-online verteilte – wollen schliesslich kritische hinterfragt und verarbeitet werden. Dazu braucht es in der Regel mehr als „50 Prozent der vorhandenen Hirnkapazität“ – allerdings je nach Thema und Inhalt! Nicht anders beim Lesen der SZ. Beim „Boulevard“ – den gibt es auch digital! – stellt sich schliesslich die Frage anders: Dort muss die Münchner Prozentrechnung dann wohl gegen 0 korrigiert werden.

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