Guten Morgen Bodensee!

Kolummne – Aus der Flachwasserzone

Heute morgen steht es also in großen schwarzen Lettern in der Zeitung:Vassilis Christopoulos, Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, deute seinen Abschied an. Den Musikern und der Stadt Konstanz wünsche der Dirigent, in den kommenden Jahren einen schönen Konzertsaal zu bekommen, heißt es weiter. Vassilis Christopoulos ist Grieche…

Ein Konzertsaal wäre schön. Das sagen selbst Konzertfreunde unter den Nein-Sagern, die am Sonntag ein Konzert- und Kongresshaus mit 20.800 Nein-Stimmen ins Aus befördert haben. Das Wort „Katerstimmung“ und auch „Frust“ lesen wir heute in der Tageszeitung. Ein Konzerthaus koste auch 20 oder 25 Millionen sagte am Tag danach Oberbürgermeister Horst Frank. Aha. Aber 20 Millionen Euro sind halt keine 65 Millionen Euro.

Vassilis Christopoulos, der Chefdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie,  ist, wie bereits erwähnt, Grieche. Nein, wir wollen heute nicht schon wieder mit der SPD unken, die sagt, dass die Stadt Konstanz, hätte sie ja zu einem Konzert- und Kongresshaus gesagt, in drei Jahren einen schwindelerregend hohen Schuldenberg von 143 Millionen Euro angehäuft hätte. Wir bleiben lieber bei realen Zahlen. In diesem Jahr verdoppelt sich die Neuverschuldung des Bundes auf 80 Milliarden Euro. Die deutschen – nicht die griechischen – Städte rechnen zusätzlich mit einem Rekorddefizit von zwölf Milliarden Euro.

Nach Berechnungen des Freiburger Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen klafft in den öffentlichen Haushalten angeblich sogar eine Nachhaltigkeitslücke, wie er es ausdrückt, von 6,2 Billionen Euro. Um diese Schulden abzutragen müsste jeder Deutsche vom Baby bis zum Rentner angeblich sein Leben lang monatlich 279 Euro an den Staat zahlen – zusätzlich zu den Steuern und Sozialabgaben. So wie es aussieht, sind wir alle ein bisschen Grieche.

Aber wir wohnen ja am Bodensee. Und da sieht es so aus: Friedrichshafen muss allein in diesem und im kommenden Jahr jeweils fünf Millionen Euro einsparen. Das sagte Oberbürgermeister Andreas Brand bei einer Bürgerinformationen zum Doppelhaushalt 2010/2011. Der Sparhaushalt in Friedrichshafen soll am kommenden Donnerstag verabschiedet werden. Die Einsparungen sind nötig, weil die Gewerbesteuern in Friedrichshafen in diesem Jahr auf fast 20 Millionen Euro einbricht. Sparen will Friedrichshafen unter anderem im Bereich Sport.

Hoffentlich bekommen wir angesichts solcher Aussichten, wenn schon keinen schönen Konzertsaal, wenigstens einen schönen Sommer mit griechischen Temperaturen.

Kommen Sie gut durch den Dienstag! Es wird ziemlich sonnig und bis zu 17 Grad warm.

Waltraud Kässer

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    23. März 2010 at 10:49 #

    Online-Artikel:
    „Generationenbilanz Die Finanzkrise als Vorwand“

    „Der Freiburger Rentenexperte Bernd Raffelüschen stellt seine Generationenbilanz für 2009 vor. Ergebnis: Wir leben immer stärker auf Kosten unserer Kinder und Enkel. Und daran ist nicht nur die Finanzkrise Schuld….“

    http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/die-finanzkrise-als-vorwand-402424/

  2. Fenedig
    23. März 2010 at 11:01 #

    Die Schar elektronischer Leserbriefschreiber im Südkurier zeigt auf, um was es sonntags eben auch gegangen ist – zumindest „gefühlt“: Die so genannte „Hochkultur“ gegen das – für einmal begrifflich umgekehrt gedacht – „Establishment“ der „Subkultur“. Nur damit sind die böswilligen Bemerkungen zum Dirigenten Christopoulos und die Philharmonie verständlich. Derart ist auf jeden Fall keine (Kultur-) Stadt zu machen. Es erstaunt übrigens, wie freizügig die Zeitungsmacher mit persönlichen Beleidigungen dieser Schreiberlinge umgehen. Manchmal ist es allerdings auch gut so, um den Kern einer kulturellen Diskrepanz sichtbar zu machen. Wer diese ignoriert, dem fehlen Bewertungsmassstäbe, die später eventuell für neue Kulturprojekte heran zu ziehen sind. An der Fähigkeit, in allgemeiner politischer Gemeinsamkeit die Förderung unterschiedlicher Kulturbranchen in Intervallen anzupacken, darf seit Sonntag in Konstanz allerdings gezweifelt werden.

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