Guten Morgen Bodensee!

Kolumne aus der Flachwasserzone

Heute, das hat der Meteo versprochen, immer häufiger Sonne! Das klingt nach Sommerfrische. Aber Achtung,  Betonung auf frisch! Die Wassertemperatur im Rheinstrandbad beträgt aktuell nur noch 18 Grad. Am Hörnle sind es noch 19 Grad. Also unbedingt ein Handtuch zum trocken rubbeln mitnehmen. Wir selbst müssen uns heute zudem leider erst einmal eher Unerfeulichem annehmen…

Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen, welches besonders mitarbeiterunfreundliche Konstanzer Unternehmen heute den Konstanzer „Maultaschenpreis“ überreicht bekommen soll. Übergeben wird er von Gewerkschaftern, Journalisten und Kommunalpolitikern. Den Anstoss einen so genannten „Maultaschenpreis“ zu stiften, hatte die Kündigung einer Konstanzer Altenpflegerin gegeben, die in einem Pflegeheim zu unrecht Maultaschen mitgehen lassen wollte. Vorm Landesarbeitsgericht wurde übrigens der Arbeitgeber und nicht die Altenpflegerin abgewatscht.

Ungern möchten wir uns freilich anlässlich der Berichterstattung über den „Maultaschenpreis“ vorwerfen lassen, wir würden nur über Negatives berichten. So ist es wahrlich nicht. Deswegen weisen wir heute explizit auf einen ganz anderen Wettbewerb hin. Zum 19. Mal schon sucht und prämiert die Wirtschaftsinitiative „Top 100″ die innovativsten deutschen Mittelständler. Das finden wir sexy. Die 100 besten der mittelständischen Unternehmen aller Branchen, die sich beteiligen, werden ausgezeichnet. Sie erhalten das Gütesiegel „Top 100″. Organisiert werden das Benchmarkingprojekt und die jährliche Verleihung von der compamedia GmbH in Überlingen. Mit im Boot ist auch Lothar „Cleverle“ Späth. Wer den Hauptpreis und damit den Titel „Innovator des Jahres 2011″ erhält, ermittelt eine hochkarätig besetzte Jury. Einen der früheren Innovateure kennen wir übrigens persönlich.

Aufbruchstimmung herrscht zudem nicht nur in der Wirtschaft, sondern gelegentlich auch wieder in der SPD, was der besonderen Erwähnung bedarf. Die Jusos im Kreis Konstanz haben den Landtagskandidaten in Singen und Konstanz schon einmal ihre volle Unterstützung zugesagt. Das ist auch gut so. Vor allem Erstwähler wollen die Jusos bei der Landtagswahl 2011 mit jungen Themen für die SPD gewinnen, teilte gestern Juso Fabian Parsch mit. Außerdem gibt es vor Wahlen ja bekanntlich auch sonst sehr viel zu tun. Plakate müssen geklebt und an Laternen oder ähnlichem von sportlichen Kletterern aufgehängt werden….

Am liebsten würden wir Sie heute morgen ansonsten auch gleich noch mit ein bisschen Heimatkunde unterhalten. Noch ganz fasziniert sind wir nämlich von einer großartigen Führung im Konstanzer Rosgartenmuseum, bei der wir so allerhand über die Stadt, über unser Konstanz, erfahren haben. Gigantische Projekte haben die Konstanzer in früheren Zeiten geplant. Zum Glück, könnte man sagen, sind dann doch nicht alle realisiert worden. Verdutzt reiben wir uns die Augen, wenn wir hören, welche Zukunftsvisionen der eine oder andere Oberbürgermeister oder Unternehmer so hatte. Während Alt-OB Horst Eickemeyer in früheren Jahren offenbar davon träumte, dass immer mehr Konstanzer mit dem Privatflugzeug abheben und Staus auf Straßen überfliegen, wollte ein anderer am See einen Turm in den Himmel bauen. Ein gewisser Nikolaus Westphal pante 1972 ein riesiges Hochhaus direkt am Ufer, auf dem Areal auf dem heute die Schmieder Klinik steht. Der 60 bis 70 Meter hohe Tower sollte einen „Akzent am Ufer“ setzen und unter anderem ein Wellenbad, zwei Restaurants, ein Hotel, Cafés, Spielbank und eine drehbaren Panoramaterrasse beherbergen sowie Platz für 1500 Bewohner bieten. Dass es dem einen oder anderen bei solchen Geschichten sogar im Museum und nicht nur auf drehbaren Plattformen schwindlig wird, ist wohl nicht weiter verwunderlich.

Dem allerletzten Thema, dem wir uns heute morgen zuwenden möchten, ist die Frage, ob ISDN- Telefone Gefühle haben. Seit gestern glauben wir, die Frage mit ja beantworten zu können. Den ganzen langen Arbeitstag über telefonierten wir – um ein paar Beispiele zu nennen – mit dem Landgericht, diversen Anwaltskanzleien, einem Konzertbüro und dem Webmaster. Gegen Abend hatten wir dann noch eine kleine Rückfrage oder auch Anmerkung bezüglich einer Pressemitteilung, die uns erreichte. Sagen wir es einmal vorsichtig so, wir wurden so brutal abgewürgt, dass sich das Mobilteil unseres ISDN-Telefons aufhängte. Das passierte zum ersten Mal. Nur durch viel gutes Zureden und das kurzzeitige Herausnehmen des Akkus ließ es sich überhaupt neu starten. Bei dem Unternehmen haben wir uns übrigens fast die Finger gebrochen. Merke also: So ganz verkehrt ist ein Mindestmaß an bürgerlicher Höflichkeit also offenbar nicht. Auch wenn wir selbst nur noch selten zu erschüttern sind, nur unser ISDN-Telefon ist offenbar ein Sensibelchen.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Waltraud Kässer

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Fenedig
    27. Juli 2010 at 10:29 #

    Herr Nikolaus Westphal war zur damaligen Zeit Mitbesitzer des Villa-Douglas Geländes. Also konnte er auch eine Planung vorlegen. Ob es Sinn machte, diese auch in der vorgesehenen Grösse und Art zu realisieren – darüber hatten dann städtische Gremien zu entscheiden und die Planung entwicklungspolitisch zu verantworten. Später „räuberte“ auch die ehemalige, gewerkschaftseigene „Neue Heimat“ an den Grundstücken dieser Vorzugsgegend im östlichen Musikerviertel herum, plante u.a. eine Klinik – bis die „Heimat“ dann pleite war. Die Kliniken Schmieder kamen in der Folge zu einem relativ günstigen Preis an das Seegrundstück heran, verkauften den Seeweg gleich wieder der Stadt, und konnten schliesslich ein Stockwerk höher als geplant bauen, da ihr der Bau eines weiterem Hauses („Klinik-Besucherherberge“) versagt blieb (damaliger Stadtrat Fischer als „kompensatorischer Koordinator“). Zur Seekante wurde „freie Sicht“ geschaffen. Im Gelände zur „Rosenau“ hin ist derzeit wohl noch immer ein weiterer Bau im Gespräch („Vorsorgeklinik“), wobei es mit der Lobby in diesem sensiblen Geländeabschnitt (Bäume, Bach, Biotop) noch nicht ganz zu klappen scheint.

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