Hallo Taxi – Isetta kurvt durch Konstanz

Rollermobil fehlt die nötige Ausstattung – Freie Fahrt ohne Taxiuhr durch die Stadt

Konstanz. Eine mittelalterliche Stadt ist nicht gebaut für den Autoverkehr. Ein Rollermobil, wie es die Bayerischen Motorenwerke (BMW) von 1955 bis 1962 bauten, passt viel besser durch die engen Gässchen. Wie wunderbar wäre es also, sich mit einem Istetta-Taxi durch Stadelhofen oder die Niederburg kutschieren zu lassen. Doch die Isetta mit dem Taxischild auf dem Dach, die in diesem Sommer zum Stadtbild gehörte, hält nicht und der Chauffeur lässt auch keine Fahrgäste einsteigen. „Ich darf nicht“, sagt Emil Werwein und zuckt mit den Schultern.

„Kraftdroschke“ braucht vier Räder

Ein Taxi, früher auch „Kraftdroschke“, muss, wie der Chauffeur erläutert, mehr als nur zwei Achsen und vier oder gar nur drei Räder haben. Deswegen ist es auch vollkommen unerheblich, ob Werwein selbst ein sogenannter Kraftfahrer mit Personenbeförderungsschein ist und somit seinerseits überhaupt geeignet wäre, ein Individualverkehrsmittel zur Personenbeförderung zu lenken.

Viele Vorschriften für Taxis

Noch in den 50-er Jahren zierten Taxen schwarz-weiß karierte Bänder unter den Autofenstern. Hinter der Windschutzscheibe hing ein weißes Schild mit der roten Aufschrift „Taxe frei“. Die erste Berliner Kraftdroschke kurvte schon 1899 durch die Hauptstadt. Seither hat sich viel getan – gerade auch in Punkto Vorschriften.

Fronttüre ist nicht erlaubt

Autos, die in Deutschland als Taxi zugelassen werden sollen, müssen sehr viele Vorschriften erfüllen und zwei Achsen und selbst die vier besagten Räder reichen noch nicht. Durchs Raster fällt die Isetta zum Beispiel schon, weil sie auf der rechte Seite nicht mindestens zwei Türen hat, durch die die Passagiere zum Trottoir hin sicher ein- und aussteigen können. Die Tür der Isetta befindet sich auf der Frontseite.

Gewichtsprobleme nicht ausgeschlossen

Fraglich sein dürfte es auch, ob in der mit zwei Personen vollbesetzten Isetta noch Platz für mindestens 50 Kilo Gepäck wäre, das zusätzlich müsste verstaut werden können, ohne dabei das zulässige Gesamtgewicht von 600 Kilo zu überschreiten. Schließlich sind in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur die Autos voluminöser geworden. Leer wiegt die Isetta übrigens 350 Kilo. Zum Vergleich: Ein Golf VI bringt leer bis zu 1500 Kilo auf die Wage – bei einem Fiat 500 sind es heute knapp 1000 Kilo.

Zweisitzer mit Reserverad

Als die beigefarben lackierte Isetta mit dem Taxischild neulich in der Altstadt stoppte, war das Taxi schnell von drei älteren Damen umringt, die keine Bedenken gehabt hätten, zuzusteigen. Der Chauffeur hätte vermutlich aber drei Fahrten machen müssen, um die verzückten Damen an ihr Fahrziel zu chauffieren, selbst wenn es mutmaßlich dasselbe Ziel gewesen wäre. Denn hinter der durchgehenden Sitzbank ist kein Notsitz, sondern nur noch das Reserverad. Vermessen wäre wohl die Frage gewesen, ob der Besitzer einen Kindersitz oder eine Babyschale an Bord hatte.

Befördern von Fahrgästen verboten

Eine Taxiuhr benötigt Emil Werwein übrigens nicht. Wenn er einen Fahrgast zusteigen lässt – mehr geht bei einem Zweisitzer nicht – lädt er zu einer nostalgischen Spazierfahrt durch die Konstanzer Gassen und Gässchen ein. Befördern muss und darf er niemanden. Da hilft auch das originale Taxischild nicht weiter. Das immerhin hat der Chauffeur vorschriftsmäßig auf dem Dach seines Spaßmobils befestigt.

Vorzüge des Rollermobils

Private Fahrten durch Konstanz enden dann gelegentlich auch sehr abrupt, weil ein in der Gasse kurzzeitig abgestelltes dickes Auto mit vielen Türen und einer großen Heckklappe die Durchfahrt versperrt. Zwei Isettas oder eine Isetta und ein Fiat 500, früher auch ein Topolino, wären sicher gerade noch aneinander vorbei gekommen. Der neueste Golf ist übrigens fast 1,80 Meter breit, die Isetta hingegen nur 1,38 Meter oder fast einen halben Meter schmäler. Sparsam ist die Isetta darüber hinaus. Der Tank fasst einschließlich drei Liter Reserve 13 Liter Benzin und hat einen umstellbaren Benzinhahn. Der Sprit reicht für bis zu vierhundert Kilometer Fahrt – nach Stuttgart und zurück. Bei entsprechender Fahrweise oder verschlissenen Kolbenringen kann der Verbrauch allerdings auch auf bis zu fünf Liter je 100 Kilometer steigen. Trotzdem: Small wäre in Konstanz beautiful.

Foto: wak

Ein Kommentar to “Hallo Taxi – Isetta kurvt durch Konstanz”

  1. JEDI
    5. Oktober 2011 at 22:30 #

    Gegen das knuffige Autochen sind die heutigen Autos Dinosaurier und selbst der Smart ein Elefant. Wenn es nur Autos dieser Größe gäbe, hätten wir so schön viel mehr Platz im Städtle. Vielleicht entdeckt die Autoindustrie das Konzept irgendwann wieder, vielleicht mit Seitentüren und mit Elektroantrieb. Aber mehr brauchts für die Stadt wirklich nicht, wenn man mal nicht mit Rad oder Bus fahren kann.

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