Haltnau-Wirt verabschiedet sich als TuS-Vorsitzender

Werner Endres: Ringen und stemmen statt aussitzen – 74-Jähriger begann als Ringer

Meersburg. Er ist ein Konstanzer und Meersburger Urgestein. Haltnau-Wirt Werner Endres hat jetzt ein Amt abgegeben. Es war sowieso eine Notlösung. Aus dem Provisorium wurde eine Institution. 34 Jahre lang leitete Werner Endres die Geschicke des TuS Meersburg. Zusammen mit der TuS-Familie, Mitstreitern, Weggefährten, Sponsoren und Freunden feierte der 74-Jährige seinen „geordneten Rückzug“ in der Sommertalhalle. Dabei wurde er zum ersten „Ehrevorsitzenden“ des TuS ernannt.

Ehrenvorsitzender des TuS Meersburg

Am 27. Februar 1977 voteten 96 von 97 stimmberechtigten TuS-Mitglieder im Ratskeller für Werner Endres als neuen Vorsitzenden. Überredet habe man ihn damals, sagt Endres später. Offensichtlich nachhaltig. Seither hat sich die Mitgliederzahl von damals knapp 500 auf heute über 1000 verdoppelt. Meilensteine sind nicht nur die neue Turnhalle (1990), das komplett neu gestaltete Vereinsheim, moderne Sanitäranlagen und der Rasenplatz die in die „Ära Endres“ fallen, sondern gerade das gesunde und gleichberechtigte Wachstum von Breiten- und Leistungssport nebeneinander. Der größte Verein in Meersburgs besteht aus den drei weitestgehende selbstständig handelnden Abteilungen: Fußball, Leichtathletik und Turnen. Herbert Obser, Abteilungsleiter Turnen und Stellvertretender Vorsitzender hat Mühe, 34 Jahre – ohne etwas zu vergessen – in seiner Ansprache unterbringen. Da auch noch nie ein Vorstand so einen Amts-Marathon hingelegt hatte, wurde für Endres eine neue Auszeichnung ersonnen und erstmals, unter tösendem Applaus verliehen: „Ehrenvorsitzender des TuS Meersburg.“

Nicht ohne seine Frau Hannelore

Nach einem Programmpunkt „Rhythmische Sportgymnastik“ mit Keulen und Ringen und einem Balanceakt auf dem Schwebebalken, allesamt aufgeführt vom jüngsten sportlichen Nachwuchs, ergriff der Geehrte selbst das Mikrofon. Gewohnt konsequent, nahm er sich zuerst einmal selbst aus dem Rampenlicht und betonte, dass „ein Familien-Unternehmen wie der TuS“ eben nur im Zusammenwirken aller Mitglieder auch funktionieren kann. Dazu zählten gerade die Abteilungsleiter und auch die vielen ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund. „Da steckt mehr Arbeit drin, als man annimmt.“ Besonders bedanke er sich daher beim Mann mit dem Koffer – Schriftführer Harry-Rolf Ropertz. Dank, „und zwar ein extra-großer“, auch an Hannelore. „Ohne meine Frau hätte ich nie so viel für den TuS stemmen können. Sie war es nämlich, die den Betrieb auf der Haltnau aufrecht halten musste, wenn ich für den TuS unterwegs war.“

Wichtigste Einnahmequelle Meersburger Weinfest

Wichtigste, unsportliche aber trotzdem schweisstreibende, Einnahmequelle des Vereins ist seit vielen Jahren das Meersburger Weinfest. „Mir war immer wichtig, dass der erwirtschaftete Gewinn nicht irgendwo im Dunkeln oder gar in durstigen Kehlen versickert, sondern komplett in den Verein investiert wird“, blickt Endres zurück. Nicht ohne Stolz kann er einen schuldenfreien und gerätetechnisch einwandfreien Verein übergeben.

Seit 1975 für die CDU im Stadtrat

Bürgermeistervertreter Peter Schmidt – als bekennender Nichtsportler – erinnerte sich in seiner Laudatio fast ehrfürchtig an diverse heftige Diskussionen im Rat. Doch die Doppelfunktion als Ratsmitglied und TuS-Chef zeigte sich eher als Gewinn, denn als Hindernis; und das auf beiden Seiten. „Wortstark und Stimmgewaltig. Aber immer fair“, reüssiert Schmidt. Manchmal war die Sache verfahren, die Standpunkte verhärtet. Ob der Empfehlung Endres’, doch mal ein paar Runden zu laufen, das lockere unglaublich auf und kühle das Hirn ab, alle Ratsmitglieder gefolgt sind, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass die Entscheidung in Meersburg oft pro sportlichem Interesse gefallen ist. Reihenhaftes Kopfnicken auf der Zuschauertribüne. Vielen Ratsmitgliedern und auch den beiden anwesenden ehemaligen Bürgermeistern Rudolf Landwehr und Heinz Tausendfreund kennen und schätzen offensichtlich die beherzte Tat Endres. Darauf werden sie auch in Zukunft nicht verzichten müssen: Endres sitzt seit 1975 für die CDU im Stadtrat.

Werner Endres begann als Ringer

Auch selbst kann Werner Endres eine Reihe von sportlichen Erfolgen aufweisen. Kraftsport und Ringen waren und sind bis heute seine Disziplinen. Das ist vielleicht auch sinnbildlich zu sehen. Denn er verlor schon als Kind sehr früh seinen Vater und hatte als vorletztes Kind von 15 schon selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen müssen. „Metzgerlehrling mit 13 Jahren – das ist Knochenarbeit: Ringen und stemmen statt aussitzen. Dazu noch ein gewisser Ehrgeiz; halben Sachen sind mir ein Greuel.“ Über viele verschiedene Lebensstationen verschlug es Werner Endres 1965 mit seiner Frau nach Meersburg, wo er den Gastronomiebetrieb „Haltnau“ übernahm. Das Weingut Haltnau ist im Besitz der Konstanzer Spitalstiftung. Als Neubürger war, gerade auch für seine Kinder, der TuS die ideale Kontaktplattform. „Das ist auch heute noch so. Nirgends lassen sich besser Kontakte knüpfen.“ Sport im Verein sei eben eine gesellschaftliche Komponete – eine für Geist und Körper gesunde dazu. Daher ist es für den rüstigen 74-Jährigen auch heute noch selbstverständlich etwas für die Fitness zu tun.

Neue Sportarten in alter TUS-Familie

Auch äußere „Widrigkeiten“ wie der demographische Wandel in der Gesellschaft und damit auch in der Mitgliederschaft als deren direktem Spiegelbild oder neuen Sportarten musste sich der Verein stellen. „Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt, dass viele nach ihrem Eintritt im Kindesalter den Sport im Schulendspurt und der Ausbildung erst einmal herunterfahren oder sogar ganz einstellen. „Aber die kommen wieder!“ So seien ganze TUS-Familien, oft schon in dritter oder vierter Generation, keine Seltenheit. Auch neuen Sportarten gegenüber sei der Verein immer offen gewesen.: „Das ist wie in der Mode. Manche Wellen verschwinden wieder, andere haben sich einen festen Platz in der Sportlergunst erspielt.“ So zum Beispiel „Affentennis“, wie Enders die ersten Gehversuche von Volleyball einst nannte.

Hommage vom DFB

Noch ein Bonbon zum Abschluss: Besonderes Interesse und Engagement zeigte Endres an „seiner“ Fussballabteilung. Das muss sich auch in höheren Fußball-Gefilden herumgesprochen haben. So konnte an diesem Abend die Ehrennadel des DFB samt Urkunde „da ist der Original-Otto von Theo Zwanziger drauf“ überreicht werden.

Große Fußstapfen

Nachfolger von Endres ist Michael Gröer. Bei dem bereits im April gewählten wähnt Endres das gerne weitergegebene Staffelholz in guten Händen. Man kennt sich seit vielen Jahren, stand gemeinsam nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf der Bühne, zum Beispiel beim närrischen Allerlei. Dort wir Meersburg und seinen Bürgern jährlich der Spiegel der Wahrheit vorgehalten. Und die nehmen es sportlich. „Außerdem ist Michael Gröer auch Gastronom“, macht Endres eine weitere Gemeinsamkeit und seiner Meinung nach wichtigen Faktor aus. Menschenkenntniss, Beobachtungsgabe und ein Talent für Logistik seien wichtig. Und dass „nicht nach der normalen Uhr“ gearbeitet wird, das kenne Gröer ja bereits aus seinem Betrieb „Zum Schiff“ als täglich zu akzeptiertes Schicksal. In all den 34 Jahren hat Endrs nie daran gedacht, die Brocken einfach hinzuschmeißen. „Das ist nicht mein Ding. Gemeinsam haben wir alles gestemmt.“ Kraftsportler eben. Viel der in den 34 Jahren angesammelten Erfahrung sei nicht dokumentiert, aber verinnerlicht. Daher wird Endres auch weiterhin in der Nähe bleiben. „Ich habe das Ruder aus der Hand gegeben, nicht aber meinen See-Blick!“ Die Türen zu Werner Endres stehen weiterhin offen. „Das ist gut so, dann brauch ich nicht erst anklopfen“, schätzt Gröer das Angebot.

Sportlerfreundschaften für die Ewigkeit

Eine Tatsache habe sich jedoch in all den 34 Jahren nie verändert oder abgenutzt: „Trotz Wandel – die sportliche Kameradschaft und die daraus entstandenen Freundschaften halten ewig.“ Bekräftigt wurden die Freundschaften im Anschluss beim Sektempfang und Buffet im Foyer der Sommertalhalle.

Foto: Alexander Kopp

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