Hämmerle denkt über eine Krankenhaus-Holding nach

Kreis Konstanz will Kliniken in kommunaler Trägerschaft – mit oder ohne Kreisbeteiligung

Konstanz (wak) Der Kreistag des Landkreises Konstanz hat sich heute Nachmittag mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass für den Akutbereich im Kreis Konstanz eine kommunale Krankenhausträgerschaft erhalten werden soll. Landrat Frank Hämmerle möchte eine Zusammenarbeit mindestens im Kreis Konstanz. Eine Vorentscheidung, ob und unter welchen Bedingungen sich der Kreis selbst an einer Trägerschaft beteiligt, ist damit aber noch nicht nicht gefallen.

Nur FDP nicht gegen Veräußerung und Privatisierung

Eine Entscheidung werde der Kreis erst nach Vorlage eines erweiterten Gutachtens treffen, an dessen Kosten sich der Kreis beteiligen will. Im Mai soll es vorliegen. Das sagte Landrat Frank Hämmerle. Nur Isabell Fezer (FDP) sprach sich gegen das von vorn herein klare Bekenntnis zur öffentlichen Trägerschaft aus. Sie sagte: „Privatisierung ist kein Teufelswerk.“

Mehrheit will Kliniken in öffentlicher Trägerschaft


Andreas Hoffmann (CDU) sagte dagegen, seine Fraktion wolle – mit oder ohne Kreisbeteiligung – eine kommunale Lösung für Konstanz und die HBH-Kliniken Singen. Der Erhalt der kleinen Häuser sei wünschenswert. Hoffmann sagte weiter: „Es wird Veränderungen geben.“ Artur Ostermaier, Bürgermeister von Steißlingen, sprach für die Freien Wähler und erklärte, der Kreis müsse auf die Veränderungen im Krankenhauswesen reagieren. Christiane Kreitmeier machte klar, dass auch die Grünen dafür sind, dass sich der Kreis zunächst am Gutachten beteiligt. Nur so könne es eine Entscheidungsgrundlage geben. Jürgen Leipold (SPD) sagte, die „Politik des Wettrüstens“ habe nicht zum Erfolg geführt. Kooperation sei angesagt. Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft seien die die beste Art die Daseinsvorsorge und Arbeitsplätze zu sichern.

Hämmerle könnte sich Holding vorstellen

Landrat Hämmerle sieht grundsätzlich die Möglichkeit, Kliniken in einer Holding zusammenzufassen. Mehr wollte der Landrat aber inhaltlich und über die Rolle des Kreises noch nicht sagen. Denn am Montag ging es erst einmal nur um ein Bekenntnis zur öffentlichen Trägerschaft und um die Beteiligung des Kreises am Gutachten. Das Gutachten soll konkrete Aussagen machen zur Ausgestaltung der Trägerschaft, zum medizinischen Leistungsspektrum unter Berücksichtigung der Krankenhausstrukturen sowie zu Alternativen einer Kreisbeteiligung. Inhaltlich positionierte sich Hämmerle aber bewusst nicht weiter. Das soll erst in einem zweiten Schritt im Mai passieren.

Anhörung mit Ex-Chef der Kliniken Holding RKH

Vor der öffentlichen Sitzung hatte der frühere Geschäftsführer der Regionalen Klinik Holding RKH, Edwin Beckert, über die Frage, ob kommunale Kliniken noch zukunftsfähig sind, gesprochen. An elf Standorten der regionalen Kliniken Holding RKH in Nord-Württemberg und Nord-Baden werden jährlich rund 110.000 stationäre Patienten in mehr als 2.700 Betten von fast 7.000 Mitarbeitern versorgt.

Städte wollen Klinken nicht mehr allein stemmen

Im Kreis Konstanz leisten derzeit das Klinikum Konstanz, das Hegau-Bodensee-Klinikum mit Standorten in Singen, Radolfzell und Engen und das Krankenhaus Stockach die Akutversorgung. Konstanz und Singen mit Radolfzell und Engen sind Häuser der Zentralversorgung. Stockach ist ein Haus der Grundversorgung. Nachdem die HBH-Kliniken in eine dramatische finanzielle Schieflage geraten sind und auch das Konstanzer Klinikum keine schwarzen Zahlen schreibt, wurde der Handlungsbedarf unübersehbar. Anfang März wandten sich dann die Oberbürgermeister und Bürgermeister von Konstanz, Singen, Radolfzell und Engen Horst Frank, Oliver Ehret, Jörg Schmidt und Johannes Moser in einem Brief an den Landrat. Wörtlich schrieben sie: „Unsere Städte tragen seit Jahrzehnten die mit der Krankenhausversorgung verbundenen Lasten, sehen sich damit aber zunehmend überfordert.“

Krankenhauslandschaft deutschlandweit in Bewegung

Die Krankenhauslandschaft in Deutschland hat sich stark verändert. Seit Anfang der 90-er Jahre wurde fast ein Viertel der Betten angebaut. Trotzdem sank die Auslastung. Patienten werden immer früher entlassen. Blieben Kranke 1991 noch durchschnittlich 14 Tage im Krankenhaus, waren es 2009 nur noch 7,8 Tage. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Zahl der Krankenhausfälle in Zukunft bis 2030 um etwa 12 Prozent steigen.

Foto: Klinikum Konstanz

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