Heimlichtuerei wegen Nackedei auf Konstanzer Bahnhof

Possen über Papst in der badischen Provinz

Konstanz (wak) Ein bisschen belämmert soll Norbert Henneberger, Geschäftsführer der Tourist Information Konstanz, derzeit angeblich aus der Wäsche schauen. Auf der staubigen Baustelle anzutreffen war er gestern nicht. Dort saß nur der Nackedei aus dem Bodmaner Skulpturen Garten des Bildhauers Peter Lenk. Auch mit dem Reden und Henneberger ist es momentan offenbar so eine Sache. Mit Stadtrat Holger Reile möchte Henneberger jedenfalls nicht sprechen, zumindest nicht darüber, weshalb der Nackedei des Bildhauers den Bahnhof verlassen muss. Das erfuhr das geneigte Publikum aus der Heimatzeitung.

Stadtrat mag Heimlichtuerei nicht

Dabei hatte sich Stadtrat Holger Reile richtig Mühe gegeben und einen freundlichen offenen Brief in launigem Ton an Henneberger geschickt. Reile wollte vom obersten Touristiker der Stadt wissen, ob etwa Druck seitens politischer oder kirchlicher Würdenträger ausgeübt worden sei. Reile fragte zudem, wer die außerordentliche TIK-Aufsichtsratssitzung einberufen und wer an an ihr teilgenommen hatte. Der Stadtrat wollte Schluss machen mit der Heimlichtuerei.

Kein Pardon für den Nackedei

Reiles Fragen sind durchaus berechtigte Fragen und die Antworten mittlerweile von öffentlichem Interesse. Immerhin stand nach der ominösen Sitzung des Aufsichtsrats fest: Der Nackedei muss die Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs verlassen. Ein Pardon wird es nicht geben. Die Posse aus der badischen Provinz wird fortgesetzt.

So nicht, Herr Henneberger

„So nicht, Herr Henneberger“, forderte gestern nun die Linke Liste Konstanz und bar erneut höflichst um Aufklärung. Reile formulierte es dieses Mal aber weniger launig, was sich dann so anhörte: „In einem Offenen Brief  am 10.5. hat die Linke Liste Konstanz bei TIK-Chef Norbert Henneberger nachgefragt, wie es zu seinem Rückwärtssalto mit anschließender Bauchlandung in Sachen Lenk gekommen sei. Wir wollten wissen, ob es Druck von politischer und/oder kirchlicher Seite gegeben habe und wer namentlich dahinter steht. Desweiteren fragten wir an, wer die außerordentliche TIK-Aufsichtsratssitzung einberufen hat und wer die Teilnehmer waren.“

Reile mokiert sich über Kurzantwort

Reile teilte nun weiter mit: „Noch am gleichen Tag antwortete Herr Henneberger in epischer Breite: Wir haben am vergangenen Freitag eine mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Erklärung an die Gemeinderäte und an die Presse versandt. Dem ist nichts hinzuzufügen.“ See-Online hat jene Erklärung übrigens nie bekommen, was die Berichterstattung über den Nackedei aber auch nicht wesentlich erschwerte.

Schlechter Stil und von oben herab

„Mit dieser ,Antwort‘ geben wir uns nicht zufrieden“, erklärte Holger Reile nun. „Wir erwarten auf unsere Anfragen weiterhin nachvollziehbare und vernünftige Erklärungen. Die TIK ist eine GmbH der Stadt Konstanz und wir haben als Mitglieder des Gemeinderates sehr wohl das Recht, die Hintergründe über den Vorfall zu erfahren, der Konstanz erneut zum lokalen und überregionalen Gespött macht. So lassen wir uns nicht abkanzeln, das ist schlechter Stil, arrogant und von oben herab. Nochmal: Wir fordern die Verantwortlichen dieser Provinzposse erneut auf, umgehend die Karten auf den Tisch zu legen.“

Nicht so nackt wie Tarzan

Dem Vernehmen nach muss die Papstfigur tatsächlich wieder aus der Konzilstadt Konstanz abtransportiert werden. Irgendwie anstössig sieht die Skulptur des Bildhauers Peter Lenk übrigens nicht aus. Auch die Nacktheit des „Gauklers“ fällt auf den ersten Blick gar nicht weiter auf. Brav hat das im öffentlichen Gebäude sitzende Päpstlein die Beine übereinander geschlagen. Tarzan oder Saunabader sehen nackter aus.

Foto: wak

3 Kommentare to “Heimlichtuerei wegen Nackedei auf Konstanzer Bahnhof”

  1. Fenedig
    13. Mai 2010 at 09:23 #

    Für einen halbnackten Bahnhofspapst ist der linke Herr Reile sicher nicht die richtige Ansprechadresse. Es geht ganz simpel um den vielzitierten „guten Geschmack“, den es eben auch noch gibt. Und den hat der Bodmaner Lenk bekanntlich „weiss Gott“ nicht immer. Sich dazu kritisch einbringen ist erlaubt. Zum Gespött wird man dabei noch lange nicht – im Gegenteil!

  2. Schreibtaeter
    13. Mai 2010 at 13:20 #

    Nein, um den immer wieder missbrauchten „guten Geschmack“ geht es hier nun wirklich nicht. Vielmehr versuchen katholische Fundamentalisten, Zensur auszuüben – anscheinend mit Erfolg. Stünde nicht in ein paar Jahren das Konziljubiläum an, könnte man über diese lächerliche Provinzposse mit einem Kopfschütteln hinweggehen. So aber stellt sich die Frage, wie man eigentlich dieses Großereignis begehen will. Ich befürchte, echt konstanzerisch, d.h. als vierjährige Fastnachtsveranstaltung mit Blasmusik und Narrenumzug. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte werden diejenigen, die schon diese harmlose Skulptur nicht ertragen, mit Sicherheit zu verhinden wissen.

  3. Fenedig
    14. Mai 2010 at 10:24 #

    „Befürchtungen“, lieber „Schreibtaeter“, ist in KN tatsächlich ein geflügeltes Wort (Das hat die letzte Abstimmung wieder mal gezeigt). Und ob ausgerechnet ein „Bahnhofspapst“ zu einer „kritischen Auseinandersetzung“ (zu 2014-18) angeregt hätte, ist müssig zu befragen. Das kann man getrost kritischen Historikern überlassen und lässt sich übrigens bereits heute in Archiven gut recherchieren. Mit „Zensur“ und „katholischen Fundamentalisten“ zeigen Sie Ihre persönliche Zielgruppe auf. Und „Provinzposse“ ist jeweils ein Begriff, mit dem sich meistens Medien und Agenturen gerne herum schlagen. Damit schaffen diese ihre eigene Story und versuchen sie zu verbreiten.

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