Heute feiern die Kinder der Punks beim Open-Air in Konstanz mit

25 Jahre „Rock am See“ im Konstanzer Bodenseestadion

Konstanz (wak) Verdammt lang her. Das Open-Air „Rock am See“ im Konstanzer Bodenseestadion feiert 25. Geburtstag. Seit einem viertel Jahrhundert peitschen immer einmal im Sommer Beats durchs Stadion, Bässe hämmern und Gitarrenriffs und Akkorde treiben durch laue Sommerabende. Das Konstanzer Open-Air „Rock am See“ ist eines der ganz großen eintägigen Festivals und zählt zu den Kult-Open-Airs. Geschenkt hat es den Konstzanzern KOKO Entertainment.

Am Anfang war Grönemeyer

Am Anfang war Herbert Grönemeyer. 1984 erschien Grönemeyers Album „Bochum“. Der Leiter des Konstanzer Sport- und Bäderamts, das heute im Sportamt und in der BGK-Bädergesellschaft Konstanz aufgegangen ist, hieß damals schon Georg Geiger. Ein paar Jahre zuvor, hatte die Stadt Dieter Bös, Geschäftsführer von KOKO Entertainment, noch abgesagt. Das Bodenseestadion sei eine Sportstätte hieß es damals. Doch dann kam Grönemeyer. Es war ein schöner Sommertag und alles wurde gut. Auf Grönemeyer folgte Wolfgang Niedecken. 1982 spielte Bap „Vun drinne noh drusse“, 1984 „Zwesche Salzjebäck un Bier“ und 1986 „Ahl Männer, aalglatt“. Das Stadion war mit blauen Planen ausgelegt. Es schüttete wie aus Kübeln. 25.000 begeisterte Fans feierten trotzdem bei Bap ab.

Heute kommen die Kinder

„Heute kommen ihre Kinder“, sagt Bös. Wenn sie demnächst in Konstanz anreisen, weil sie die Toten Hosen, The Kooks, Wizo, Skunk Anansie, Kate Nash, Friska Viljor oder State Radio hören wollen, werden sie im Konstanzer Stadtbild nicht weiter auffallen. Die Stadt sei bunter geworden in den vergangenen 25 Jahren, meint Bös. Die Kids, die am 28. August die „Hosen“ hören wollen, sehen aber auch nicht mehr aus wie die Punkrocker, die noch in den 80-ern mit den Sixpacks Richtung Stadion zogen. Als KOKO damals als Headliner The Cure und als Co Headliner Die Toten Hosen ankündigte, war das in Konstanz noch ein echter Aufreger. Besorgte Anwohner baten Bös zu Podiumsdiskussionen.

Gestylte Frisuren waren echte Hingucker

Die Konstanzer fürchteten sich damals noch ein bisschen vor der schwarz gekleideten Gothic-Szene, jener Subkultur, die von Tod und Vergänglichkeit fasziniert ihre Feste feierte. Die blass geschminkte Gesichter, ausrasierte Haare und gestylt Frisuren waren echte Hingucker. Auch Punks mit ihren Piercings und durch die Haut gestochene Nasenringe, mit wild gefärbten Haaren und Irokesenschnitten gehörten in der Anfangszeit von „Rock am See“ noch nicht unbedingt zum Konstanzer Straßenbild.

Headliner aus 25 Jahren

Es sei Quatsch zu behaupten, die Hosen spielten jedes zweite Jahr, sagt Bös. „Sie kommen nur alle fünf Jahre.“ Und irgendwie ist der Konstanzer Konzertveranstalter sehr glücklich, dass die Hosen bei 20 Jahre „Rock am See“ dabei waren und dass sie auch bei der 25. Auflage wieder als Headliner auf der Bühne des Bodenseestadions stehen werden. Noch ist das Stadion nicht ausverkauft. Für Bös aber ist klar: 20.000 bis 25.000 Fans werden wohl bei der großen Party dabei sein wollen, die in den ersten Jahren noch im Juni, seit 1997 aber immer erst im August stattfindet. Der Grund: Damals kam Rammstein und die Rockband konnte nur im August. Überhaupt waren im Juni oder August schon viele große Namen da: Metallica, die  US-amerikanische Metal-Band, spielte. Santana begeisterte, Westernhagen hatte im Bodenseestadion seinen Auftritt genauso wie Lenny Kravitz oder The Pogues. Später kamen Green Day, Placebo oder Mando Diao.

Wellenbrecher kamen erst später

Vieles hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Der Backstagebereich ist heute doppelt so groß, erzählt Dieter Bös. „Wir haben uns Schritt für Schritt verbessert“, sagt Bös. „Wellenbrecher“ gab es bei den ersten Open-Airs noch nicht und weniger Toiletten für die Besucher, was besonders für Frauen ägerlich war, die deswegen die Männer Klos mit benutzten. Dafür fanden Festivalbesucher in den Anfangszeiten aber noch über den Wald vereinzelt einen Schleichweg und Durchlass an der Kasse vorbei ins Stadion. Ein Zaun, der den Namen verdient, kam erst nach ein paar Jahren. Die blauen Planen, die beim verregneten Bap-Konzert, noch zu Zelten umfunktioniert wurden, sind mittlerweile verschwunden. Statt dessen liegt jetzt ein Schutznetz auf dem Fußballrasen. Große Pannen gab es in 25 Jahren nicht. Nur einmal fiel der Strom aus und aus den Lautsprechern kam kurzzeitig kein Sound mehr, was ärgerlich war. Vielleicht gehören aber ein paar kleinere Probleme zu einem so großen Festival einfach dazu.

Rock am See ist erwachsen geworden

In diesem Jahr gibt es bei der 25. Auflage von „Rock am See“ links und rechts von der Bühne erstmals Videowände. Auch, wer weiter hinten steht, wird im Bodenseestadion besser sehen als je zuvor. Abfeiern werden die Fans am 28. August – wie seit 25 Jahren – von 13 bis 23 Uhr. Selbst, wenn 25.000 Besucher kommen, ist Dieter Bös nicht bang. „Rock am See“ ist immer ein friedliches Festival gewesen. Die Santäter mussten sich immer eher um verstauchte Knöchel oder Sonnenbrand kümmern als um größere Verletzungen. 120 bis 150 Ordner sorgen für Sicherheit. Platz, um auszuweichen, ist vorhanden. Konstanz ist nicht Duisburg, und 25.000 Besucher sind weniger als 250.000 und noch viel weniger als 2,5 Millionen. Vieles sei Routine, erzählt der Konzertveranstalter. Aber auch nicht alles – auch nicht bei einem erfahrenen professionellen Konzertveranstalter wie KOKO. Weder bei „Rock am See“ noch beim Southside Festival oder in Interlaken greife KOKO einfach nur in eine Schublade. Manches ändert sich. „Das Festival ist erwachsen geworden“, sagt Dieter Bös. Noch immer  ist „Rock am See“ in Konstanz aber ein riesiges Event, auch wenn die Festivalbesucher nicht mehr in ganz so spektakulären Outfits anreisen wie beim Cure Konzert.

Fans aus allen Himmelsrichtungen

Ein bisschen stolz ist Bös darauf, dass Fans sogar wieder aus Frankreich, Spanien, Belgien, Großbritannien, Italien und Rumänien allein wegen „Rock am See“ nach Konstanz kommen. 2000 bis 3000 Schweizer werden da sein. Viele aus Vorarlberg, aus dem Allgäu, den Räumen Freiburg und Karlsruhe sind dabei und eine Gruppe kommt aus Nordhessen an den Bodensee. Zum Stadion gelangen die 20.000 bis 25.000 Fans entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Bus. Das Ticket gilt als Fahrschein. Da war Konstanz bundesweit Vorreiter, sagt Bös.

Happy Birthday „Rock am See“!

„Der Trend geht eher zu mehr Open-Airs“, glaubt Dieter Bös. 5000 jeden Abend kamen zuletzt wieder auf den Marktplatz nach Lörrach zum Stimmenfestival. Vielleicht werden die Fans älter. Dass es auch ein 50. Festival „Rock am See“ in Konstanz gibt, würde Dieter Bös aber niemals ausschließen. Ganz im Gegenteil. Happy Birthday „Rock am See“!

Infos und Tickets gibt’s im Internet.


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