Heute steigt der 100 000. Passagier in einen Zeppelin Neuer Technologie (NT)

David Scott, Kommandant der Apollo 15: „Just the walk in the moon was nicer“

Friedrichshafen (sig) Großer Bahnhof am Hangar der Deutschen Zeppelin Reederei (DZR) in Friedrichshafen. Knapp neun Jahre, nachdem am Bodensee die kommerzielle Passagierluftfahrt mit einem Luftschiff wieder aufgenommen wurde, entsteigt der 100 000. Fluggast einem Zeppelin Neuer Technologie (NT). Das Unglück von Lakehurst am 7. Mai 1937 war doch nicht das Ende der Luftschiff-Ära. 60 Jahre später lebt der Zeppelin wieder, ist das Luftschiff nach langer Pause wieder ein Thema. Der Andrang, mit ihm zu fliegen (nicht zu fahren), ist riesengroß.

Just the walk in the moon was nicer

„Just the walk in the moon was nicer“ (Nur der Spaziergang auf dem Mond war schöner), antwortet ein älterer Herr auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget einem Mitarbeiter der Deutschen Zeppelin Reederei, als der ihn nach dessen Zeppelinflug über Paris fragt, ob er ihm gefallen habe? Irritiert erzählt der Mitarbeiter, der diesen Kommentar nicht einordnen kann, von seinem Erlebnis. Der Blick auf die Passagierliste bringt Klarheit: Der ältere Herr, der da gerade dem Zeppelin entstieg, war David Scott, Kommandant der Apollo 15, der bereits 1971 auf dem Mond spazierengegangen war…

Ende der 80er Jahre die große  Idee geboren

Zwölf Passagiere plus die beiden Piloten finden in diesem modernsten, schnellsten und mit 75 Metern länge größten Luftschiff der Welt Platz, wie es weltweit nur in Friedrichshafen gebaut wird. Es waren der damalige OB der Stadt Friedrichshafen, Dr. Bernd Wiedmann, und der einstige kaufmännische Geschäftsführer der Firma Luftschiffbau, Max Mugler, die Ende der 80er Jahre die Idee angeschoben hatten, eine schon beendet geglaubte Tradition wiederzubeleben und am Bodensee wieder Zeppeline zu bauen. In der Bevölkerung hatte das Vorhaben zunächst ein unterschiedliches Echo gefunden. Von den einen belächelt, von anderen fasziniert aufgenommen. Durchsetzen sollten sich die mit den Visionen.

Langstreckenflug über mehr als neun Stunden

Robert Gritzbach, Leiter der Entwicklung bei der Firma Zeppelin Luftschifftechnik (ZLT), erläutert, warum das Forschungszentrum Jülich den Zeppelin wiederholt eingesetzt hat, in der planetarischen Grenzschicht über der Schwäbischen Alb, dem Rheingraben sowie im Schwarzwald zu neuen Ergebnissen für die Klimaforschung zu gelangen: Nur mit Hilfe des Zeppelin war es den Forschern möglich, erstmals die unterste, etwa einen Kilometer hohe Schicht der Atmosphäre mit umfangreichen Messsystemen direkt zu untersuchen. Für das Projekt wurde in Baden-Baden extra ein Außenlandeplatz eingerichtet. Zwischenzeitlich konnte auch die Flugdauer gestreckt werden: Vor wenigen Tagen unternahm der in die USA verkaufte Zeppelin „Eureka“ einen Langstreckenflug über mehr als neun Stunden von San Francisco Bay nach San Diego. Dabei wurde der bisherige Streckenrekord für moderne Luftschiffe in Höhe von 626 Kilometer übertroffen.

Zeppelin Fans in den USA

Insgesamt vier Luftschiffe der neuen Technologie wurden seit 1994 im Hangar in Friedrichshafen gebaut, und die Zeichen stehen gut, dass bald mit neuen Aufträgen zu rechnen ist. Drei bis vier weitere Zeppeline würde man gerne noch bauen. Interesse gibt es weiter aus den USA. Eine andere Option: Einen Zeppelin, in München stationiert, um von hier aus Flüge über die Stadt und die oberbayrischen Seen anzubieten. Immer wieder für mehrere Wochen wurde in den vergangenen Jahren der Zeppelin bereits vom Bodensee an die bayrische Metropole ausgeliehen. Mit großem Erfolg. Weshalb der Druck stärker wird, den Münchnern auf Dauer neben dem Hofbräuhaus eine weitere Attraktion zuwachsen zu lassen.

Bis zu 19 Passagiere in der Gondel

„Wir sind heute nicht mehr ein Exot unter den Anbietern von Fluggeräten“, freut sich der Geschäftsführer der Deutschen Zeppellin Reederei, Thomas Brandt. Aktuell arbeiten die Ingenieure der Hersteller-Firma Zeppelin Luftschiff-Technik (ZLT) in Friedrichshafen an der Erweiterung des Zeppelin. Lediglich eine etwas höhere Fahrgastzahl ist das Ziel, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Der neue Typ mit dem amtlichen Kennzeichen LZ NO7-100 verfügt über eine längere Passagiergondel, die dann 14 Fluggastsessel möglich macht. Zeppeline mit einem Fassungsvermögen von 19 Passagieren zu bauen – wie es angedacht war – ist derzeit nicht geplant, weil dies mit zu hohen Entwicklungskosten verbunden ist.

Zeppelin goes Nippon Airship Corporation

Vor sechs Jahren wurde der erste Zeppelin ins Ausland verkauft. Die „Nippon Airship Corporation“ in Japan betreibt das Luftschiff bis heute. Einen weiteren Zeppelin NT verkaufte die Firma Zeppelin Luftschiff-Technik (ZLT) vor zwei Jahren in die USA. Die „Airship Ventures“ setzt ihn ab San Francisco ein, von wo aus jetzt der Langstreckenflug gelang. Ähnlich wie am Bodensee werden die Zeppeline dort für den Passagierbetrieb und zur Luftwerbung genutzt. Ein weiterer Zeppelin war von 2005 bis 2007 zur Diamantensuche im südlichen Afrika unterwegs. „Hat unsere Regierung das Ding gekauft. Wofür soll das gut sein?“, hatte ein verdutzter Soldat auf dem südafrikanischen Stützpunkt Ysterplaat verwirrt gefragt, als das Luftschiff – mit modernsten Messinstrumenten ausgerüstet – auf dem Militärgelände landete. Die äußerst erfolgreiche Sondermission wurde beendet, als eine starke Windboe das fest am Mast verankerte Luftschiff erfasste. Dabei wurde es so schwer beschädigt, dass sich eine Reparatur als unwirtschaftlich erwies. Dennoch würden die Afrikaner wieder einen Zeppelin zur Diamantensuche einsetzen: „Wir haben gemerkt, dass die Messdaten wegen der Vibrationen an Bord der vorher genutzten Flugzeuge oder Helicopter nicht so exakt sind“, lobt der Chef des Explorationsteams, Dave Hatch, und sagt weiter: „Das Luftschiff ist die stabilste Plattform, die es gibt – mehr als 100 Mal ruhiger als irgendein Flugzeug“.

Kosten von 8,5 Millionen Euro für ein Luftschiff

Ist das Geschäft mit Zeppelinen Neuer Technologie rentabel? Von einem Markt für 80 Luftschiffe – die weltweit abzusetzen seien – war die Rede, als Mitte der 80er Jahre in Friedrichshafen die Idee an Konturen gewann, wieder Zeppeline zu bauen. Was sich als gigantischer Trugschluss erweisen sollte. Gerade einmal vier wurden bis heute in die Luft gebracht. Wer da plötzlich bis aus Russland mit vermeintlich dicker Brieftasche als Interessent auftrat, war ebenso plötzlich wieder verschwunden. Interesse melden viele. Meist, wenn die Kosten von 8,5 Millionen Euro für ein Luftschiff laut werden, ist es damit wieder vorbei.

Flugbetrieb am Bodensee

Dennoch wurde im Jahr 1993 die Firma Luftschifftechnik GmbH (ZLT) gegründet, die in Friedrichshafen – und weltweit nur hier -Zeppeline neuer Technologie entwickelt und produziert. Betrieben wird der Flugbetrieb am Bodensee von der Deutschen Zeppelin Reederei (DZR), einer hundertprozentigen Tochter der Firma ZLT. Hauptgesellschafter sind die Firmen Luftschiffbau Zeppelin GmbH, die Zeppelin GmbH, die ZF Friedrichshafen AG und die Lemförder Metallwaren AG. Sie steckten 50 Millionen Euro in die Entwicklung.

Nur wolkenverhangener Himmel stoppt heute das Flugschiff

Dieser Forschungsaufwand ist noch nicht eingeflogen, gleichwohl schreibt der Zeppelin NT im Passagierbetrieb ausgeglichene Zahlen. Die noch erfreulicher wären, könnten jeweils mehr als nur 12 Personen einsteigen – und wäre das Wetter besser. Die Begrüßung des 100 000. Fluggastes hat sich zuletzt immer wieder deshalb verschoben. Denn bei aller Euphorie für den Zeppelin: Unter wolkenverhangenem Himmel will auch der größte Fan weder über die Blumeninsel Mainau noch über dem Rheinfall schweben.

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