Heute streikt SÜDKURIER-Belegschaft

Drucker seit Dienstagabend im Ausstand – Tageszeitung erscheint trotz des Streiks

Konstanz. Mitarbeiter des SÜDKURIER sind heute Nacht in einen Streik getreten. Den Anfang machten bereits gestern, am Dienstagabend, die Drucker. Seit heute Morgen befinden sich nun auch Redakteure und Verlagsangestellte im Ausstand. Nach Information des Betriebsrates wollen sie drei Tage bis Freitag dieser Woche weiter streiken. Ziel des Streiks ist es, eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung zu verhindern. Die SÜDKURIER-Mitarbeiter sind nicht allein. Vor allem Redakteuren droht bei vielen Verlagen eine dramatische Schlechterstellung. Erstmals informieren die Streikenden beim SÜDKURIER die Leser heute mit einem eigenen „STREIK-KURIER“. Mittlerweile gibt es aber im Medienhaus SÜDKURIER so viele befristet Beschäftigte, die nicht mitstreiken, dass die Tageszeitung mit Hilfe leitender Mitarbeiter trotzdem erscheinen kann.

Erstmals Streikzeitung gedruckt

Dass der SÜDKURIER heute Morgen bei den Abonnenten im Briefkasten steckte, hat nicht nur den Betriebsrat gewurmt. Zwischen 20 und 100 Streikende erwartete der Betriebsrat vor Streikbeginn. Genau lasse sich die Zahl nicht schätzen, hieß es gestern. Fest steht dagegen das Streikziel: Vor dem Medienhaus demonstrieren sie heute vor allem für einen Haustarifvertrag. Später geht es dann in ein Streiklokal. Um die Leser ins Bild zu setzen, haben die Streikenden eine vierseitige Streikzeitung drucken lassen. Sie wird vor allen Geschäftsstellen verteilt, kündigte der Betriebsrat gestern an.

Die Zukunft der Zeitung

„Wofür es sich zu kämpfen lohnt“ titelten die Macher auf der Eins in fetten Lettern. „Die Verleger wollen, dass die Redakteure weniger Geld verdienen“, steht da zu lesen. Doch das ist noch nicht einmal alles und auch nicht das Schlimmste. Für die Presselandschaft als Ganzes geht es um mehr. „De facto fürchten viele Redakteurinnen und Redakteure aber nicht nur um ihren persönlichen Status, sondern um den gesamten Berufsstand“, heißt es weiter. Der Kampf der Belegschaft dauert nun schon seit Monaten.

Einzelverträge für jeden einzelnen Mitarbeiter

Die Belegschaft informiert: Die Lage beim SÜDKURIER sei etwas anders als bei anderen Tageszeitungen. Zum Januar 2011 ist der Verlag aus der Tarifbindung ausgestiegen. In Konstanz und überall beim SÜDKURIER geht es deswegen längst nicht mehr um einen Flächentarifvertrag wie bei vielen anderen Tageszeitungen. Es ist dramatischer: Die Geschäftsführung will einzelvertragliche Vereinbarungen mit jedem einzelnen Mitarbeiter treffen. Das bedeutet laut Betriebsrat, dass auch altgediente Redakteure plötzlich neu verhandeln müssen. Nicht auszuschließen ist da mutmaßlich, dass ein Redakteur, dessen Schreibe dem Geschäftsführer nicht gefällt, nach einer solchen Vereinbarung weniger verdient. Klar sei schon einmal, dass alle Mitarbeiter pro Woche in Zukunft 40 Stunden statt bisher 36.5 oder 35 Stunden arbeiten sollen, so der Betriebsrat. Der Geschäftsführer wolle sparen, informierte der Betriebsrat weiter. In der Streikzeitung steht auch, dass sich der SÜDKURIER einen Haustarif leisten könnte. „Das Medienhaus mit Hauptsitz in Konstanz schreibt immer noch deutlich schwarze Zahlen“, heißt es in einem Beitrag.

Drucker müssen weiter kämpfen

Im Ausstand und betroffen sind alle: Redakteure, Drucker, die Online-Redaktion und Verlagsangestellte. Die Drucker anderswo haben es besser. Mittlerweile gibt es zwar in der Druckindustrie einen neuen Tarifabschluss, die Drucker der SÜDKURIER-Druckerei haben davon aber nichts. Das Haus ist ja aus dem Tarif „ausgestiegen“. So steht es auch im STREIK-KURIER.

Berichterstattung findet nicht statt

Am 28. Juni haben etwa 30 Mitarbeiter des SÜDKURIER-Medienhauses vor der Konzernzentrale in Stuttgart demonstriert. Die Leser der Regionalzeitung haben von all dem aber nichts erfahren. „Geschäftsführung und Chefredaktion haben bisher jegliche Berichterstattung darüber verhindert“, steht in der Streikzeitung. Bei anderen Zeitungen ist das anders. Sie haben ihre Leser über den Konflikt informiert. Getan hat das bereits Anfang Mai zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung.  Der SÜDKURIER ist aber nicht die Süddeutsche – und auch noch nie gewesen. Im Hause SÜDKURIER wehte seit jeher ein anderer Wind. Einem Blogbericht zu Folge, soll der Chefredakteur sogar seine Assistentin gefeuert haben, weil sie streikte. Dagegen hätten dann wiederum Redaktionsmitarbeiter protestiert, berichtete dornrosechen.nu.

Redakteure schreiben lieber unter Pseudonym

Zu lesen ist in der Streikzeitung auch, dass der größte Feind der Zeitung der allein „profitorientierte Zeitungsmanager“ sei, der den Konzern wachsen lassen wolle. Der „profitorientierte Zeitungsmanager“ baue Beschäftigte ab, investiere auf Kosten von Leiharbeitern, freien Journalisten und betreibe Lohndumping. Das schreibt Gerhard Manthey von der Gewerkschaft Verdi, Fachbereich Medien, in einem Gastbeitrag im STREIK-KURIER. Andere Beiträge in der Zeitung stammen von Redakteuren des SÜDKURIER. „Die Texte sind aber teilweise unter Pseudonym verfasst, um Einzelne vor möglichen Folgen zu schützen.“ So steht es im Impressum. Herausgeber der Streikzeitung sind der Deutsche Journalistenverband (DJV) und Verdi. Gedruckt worden ist der STREIK-KURIER auch nicht etwa im Druckhaus in Konstanz, sondern in einer Druckerei in Stuttgart.

Hier geht es zur vom Deutschen Journalistenverband (DJV) und von Verdi herausgegebenen Streikzeitung. streikzeitung

Foto: wak

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