Highnoon auf der Höri: Kirche beschließt über Internat Gaienhofen

Kurz vor Ende der Ferien fällt Stiftungsrat Entscheidung über Aus für die Internatsschule

Gaienhofen. Beim Kampf um die Internatsschule auf der Höri ist die letzte Runde eingeläutet. Am Donnerstagabend, 9. September, entscheidet der Stiftungsrat endgültig über die Schließung des Internats in Gaienhofen. Die mehr als 600 Gegner der Schließung, unter ihnen viele Altschüler, zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Abstimmung. Bei der ersten hatten die Befürworter der Schließung nicht die erforderliche Zahl der Stimmen erhalten. Die Zweidrittelmehrheit wurde bei der ersten Abstimmung verfehlt. Auf der Höri geht es auch darum, welches Gesicht die Kirche ihren Mitgliedern und der Gesellschaft zeigt: Möchte sie in Zukunft nur noch Profitcenter sein? +++Die Evangelische Landeskirche in Baden hat beschlossen zum Schuljahresende 2012/13 das Internat in Gaienhofen zu schließen.+++

Zwei sich widersprechende Rechtsgutachten

„Wir haben ein Rechtsgutachten vorgelegt“, sagte der Konstanzer Museumsdirektor Tobias Engelsing, der für sich und die Ehemaligen spricht. „Die Vorgehensweise ist rechtswidrig“, so Engelsing. Zumindest kam das Gutachten zu diesem Ergebnis, das die Ehemaligen erstellen ließen. Der Oberkirchenrat wolle dem Gutachten in Karlsruhe ein eigenes entgegen stellen, heißt es. Das besage, dass es rechtmäßig sei, die Abstimmung zu wiederholen.

Kirche als Profitcenter

Doch Gutachten hin oder her: Nicht akzeptieren möchten die Gegner der Schließung, dass in der Landeskirche offenbar ein tiefgreifender Richtungswechsel hin zu unbedingter Wirtschaftlichkeit der Teilgliederungen und zugehörender Institutionen stattgefunden habe. Diesen Maßstab, so werfen es die Ehemaligen der Kirche – namentlich Oberkirchenrat Christoph Schneider-Harpprecht – vor, lege die Kirche auch an die Internatsschule Schloss Gaienhofen an. Doch die Kirche sei nun einmal kein Profitcenter, sagen die Ehemaligen. Wenigstens wollen sie es nicht wahr haben. Die Kirchenoberen ihrerseits beklagten sich gegenüber den Altschülern mittlerweile über die Kampagne für den Erhalt des Internats. Sie fürchten offenbar einen Imageschaden.

Masterplan der Ehemaligen

Ein Masterplan geht davon aus, dass sich das Internat mit 90 Schülern rechnen könnte. Früher waren es 200. Heute sind es noch 60. Bis 2016 könnte die Bildungsstätte ohne kirchliche Zuschüsse auskommen. Zufrieden geben würden sich die Unterstützer des Internats aber bereits mit einer zweijährigen Testphase, in der sie beweisen möchten, dass die Trendumkehr zu schaffen sei. Sollte die Kirche nicht auf die Vorschläge der Ehemaligen eingehen und sich für die Schließung entscheiden, wäre noch eine rechtliche Auseinandersetzung möglich. Einige Ehemalige haben bereits angekündigt im Falle einer Schließung aus der Kirche auszutreten.

Hier geht es zu einem Beitrag zum selben Thema.

Foto: Hajo Rebers PIXELIO www.pixelio.de

Ein Kommentar to “Highnoon auf der Höri: Kirche beschließt über Internat Gaienhofen”

  1. aufgeschnappt
    13. September 2010 at 22:00 #

    @ … Die Kirchenoberen … fürchten offenbar einen Imageschaden. …

    Am Sonntag mittag besuchten mich 2 Katholiken (Konstanzer + Tuttlingerin) nach dem Gottesdienst, die aus Neugierde in einer ev. Kirche fremd gegangen sind und erzählten von der lockeren Athmosphäre, dem Service und einer künftigen Ernte-Dank-Fest-Veranstaltung. Es hat beiden gefallen. die Kirche soll fast zu 75% gefüllt gewesen sein (allerdinges wesentlich kleiner als das Münster). Auf konfessionell „vergleichende Werbung“ möchte ich verzichten.

    Die ev. Kirche scheint das Ziel „direkter Dienst am Menschen“ zu verwirklichen … und hat Erfolg. Die Ehemaligen dürften sich beim Gottesdienst überzeugen können, dass die Einsparungen der Internats-Schliessung bestens angelegt werden.

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