Horror-Vorstellung für Parkhausgegner in Konstanz: Signalisierung von noch mehr freien Parkplätzen

Aktionsbündnis kündigt weiteren Widerstand an – Stadtwerke wollen Busspur in Bodanstraße

Konstanz. Die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ in Konstanz kündigte Widerstand gegen die Erweiterung des Lago-Parkhauses leisten, selbst wenn eine Mehrheit im Gemeinderat heute ja sagt. Das sagte Sabine Seeliger see-online. Was für die Stuttgarter „Stuttgart 21“ ist, könnte für die Konstanzer in einem heißen Herbst der Verkehr in der Innenstadt werden. Das Konstanzer Aktionsbündnis möchte kostenlose Shuttlebusse. Die Stadtwerke wünschen sich eine Busspur in der Bodanstraße.

Planungsstopp für die Parkhauserweiterung gefordert

Hinter der Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ stehen verschiedene Verbände wie der BUND, der VCD, der ADFC, der Landesnaturschutzverband, die Bürgergemeinschaft Paradies und sympathisierend der Schweizer VCS. Der Zusammenschluss fordert einen Planungsstopp für die Parkhauserweiterung am Lago und einen Runden Tisch mit allen Betroffenen, um „ähnliche Fehlplanungen wie beim Konzerthaus zu vermeiden“, teilte die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ mit. Wörtlich heißt es in einer Mitteilung weiter: Erst Alternativen prüfen, dann entscheiden und Konfrontationen wie bei Stuttgart 21 vermeiden.

Punktuelle Überlastung führt zum Kollaps

„Dadurch, dass die (Bus-)Verspätungen zum überwiegenden Anteil nur aufgrund der Verkehrssituation an der Bodanstraße entstanden sind, ist der Nachweis erbracht, dass eine punktuelle Pkw-Überlastung zum Zusammenbruch des ÖPNV führt“, behauptet die Aktionsgemeinschaft. Das Bündnis bezieht sich auf eine „Verkehrsuntersuchung Bodanstraße“ des Amtes für Stadtplanung und Umwelt vom Mai 2007.

Angst vor Werbung für 220 Stellplätze

Die Stadtverwaltung – und wahrscheinlich alle Gemeinderäte – wüssten, dass sie, wenn sie Mehrverkehr in der Bodanstraße zulassen, das Konstanzer Bussystem zum Zusammenbruch bringen. „An jedem Stautag“, so die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“. Stautage werde es, wenn die Parkplätze gebaut sind, wesentlich mehr geben. Dauerhafte Parkplätze würden im Gegensatz zu Überlaufparkplätzen beworben und belegt. „Sonst wäre der Bauherr nicht scharf darauf, Geld auszugeben, sondern würde alles so lassen wie es ist“, argumentiert die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“. Wenn zusätzlich 220 freie Stellplätze an der B 33 in Höhe des Flughafens signalisiert würden, würden auch mehr Autofahrer in die Stadt fahren, sagte Sabine Seeliger.

Zweifel an Begegnungszone

Die Voraussetzung, dass der Altstadtring den Mehrverkehr überhaupt aufnehmen könne, sei, dass die „Begegnungszone Bahnhofsplatz“ und Tempo 30 auf der Laube umgesetzt würden. Sowohl Gutachter als auch Stadtverwaltung hatten dies als Voraussetzung genannt. „Tempo 30 auf der Laube ist mit Verbotsschildern nicht durchsetzbar und die Einrichtung einer echten Begegnungszone am Bahnhofsplatz ist angesichts der mittelfristigen Finanzlage nicht umsetzbar“, erklärt die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“. Der Mehrverkehr bleibe also auf der Bodanstraße.

Parkhausausfahrt das größere Problem

Die Befürworter argumentierten, dass durch die besseren Einfahrten in die Parkhäuser der Andrang zwischen 10 und 12 Uhr schneller von der Straße geholt werden könne, behauptet das Bündnis. Fakt sei aber: Die größten Busverspätungen gebe es nicht zwischen 10 und 12 Uhr auf, sondern bei der Parkhausentleerung. Gemessen wurden bei der Verkehrsuntersuchung des Amtes für Stadtplanung 113 Verspätungsminuten zwischen 10 und 12 Uhr, aber 375 Verspätungsminuten zwischen 14 und16 Uhr, so die Aktionsgemeinschaft. Nicht berücksichtigt ist bei diesen Zahlen allerdings, dass mittlerweile bei Staugefahr ein Teil des Verkehrs aus dem Lago-Parkhaus in Richtung Bahnhof und Konzilstraße umgeleitet wird. Das hatte der städtische Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal gesagt.

Fazit der Parkhaus-Gegner

Die Aktionsgemeinschaft sieht es so: „Spucken die Parkhäuser nun also noch effizienter noch mehr Autos auf die Straße, wird der Hauptstau am Nachmittag nur noch größer.“ Das Fazit der Parkhaus-Gegner: „Mehr ausfahrende Autos am Nachmittag verstopfen die Bodanstraße. Die Maßnahmen zur Verlagerung des Verkehrs werden nicht umgesetzt. Durch die Überlastung der Straßen mit Pkw bricht der Busverkehr zusammen.“

Verspäteter ÖPNV nicht mehr attraktiv

Im Gegensatz zu Autofahrern, die nur unmittelbar im Stau betroffen sind, hätten Busverspätungen systemische Auswirkung: Im ganzen Stadtgebiet – vom Paradies bis Wollmatingen, von Allmannsdorf bis Dettingen – stehen Bürgerinnen und Bürger an 240 Bushaltestellen und warten auf Busse, die in der Bodanstraße stecken, so das Bündnis. Die Wartezeit aller summiere sich schnell zu Monaten und Jahren. ÖPNV zeichne sich zudem durch Vertaktung aus. Die Busse der Stadtwerke seien abgestimmt auf Seehas, Regionalexpress, Katamaran, Fähre und VHB-Busse. Wer wieder und wieder seinen Anschluss verpasse, weil die Busse unberechenbar werden, werde dieses Verkehrsmittel nicht mehr nutzen.

Wider des verkehrsplanerischen Grundziels

„Der ruhende Verkehr sei so zu konzipieren, dass er zur Stärkung des Umweltverbundes im Modal Split beiträgt. Bezogen nur auf diese Aspekte widerspreche das geplante Vorhaben dem verkehrsplanerischen Grundziel, der Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV), da mit der Parkhauserweiterung zusätzliche Fahrten insbesondere auf der Bodanstraße induziert würden.“ Die Parkhauserweiterung gehe zudem zu Lasten des Umweltverbundes (ÖPNV/Fahrrad/Fußgänger) damit zu Lasten der Mehrheit und zu Lasten derjenigen, die sich rücksichtsvoll und umweltschonend verhielten, nämlich den ÖPNV nutzen wollten oder auf diesen angewiesen seien.

Mehr Feinstaub gemessen

Zum Thema Luftschadstoffe heißt es: „Was nicht passt wird passend gemacht.“ Die Behauptung, dass der Feinstaub-Grenzwert an der Straße an maximal 15 Tagen überschritten werde, sei eine „Lachnummer“. Dieses Jahr habe es an der Messstation Wallgutschule schon 17 Tage mit erhöhten Werten gegeben.

Alternative Park & Ride

Die umweltverträgliche Lösung des Problems sehe nach Überzeugung der Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ so aus: Park & Ride Platz am nördlichen Schänzlebrückenkopf mit Express-Shuttle in die Innenstadt. Parken auf dem Park & Ride-Platz sowie Express-Shuttles kostenlos, finanziert durch eine Sonderabgabe auf innerstädtische Parkplätze. „Mit einem solch drastischen Preisunterschied zwischen teurem Parken in der Innenstadt und kostenlosem Parken und schnellem Transfer von der Schänzlebrücke aus wird der Anreiz zum Umsteigen groß genug sein. In einem Gelenkbus brauchen 144 Personen 18 Meter Straße. Dieselbe Anzahl Personen zu zweit in Autos dürfte in etwa die ganze Bodanstraße einnehmen“, so die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“ weiter.

Stadtwerke wollen keine Prognose wagen

Die für den ÖPNV zuständigen Stadtwerke haben sich gestern eher bedeckt gehalten: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es sehr schwierig, die Auswirkungen von zusätzlichem Parkraum im LAGO auf den innerstädtischen Verkehr zu prognostizieren. Ob und in welcher Form die Bodanstraße zusätzlich belastet wird, ist für die Stadtwerke Konstanz noch nicht ersichtlich“, so die Stadtwerke auf Nachfrage von see-online. Unabhängig von der Diskussion über einen Ausbau des Parkhauses verfolgten die Stadtwerke Konstanz mehrere Ansätze für eine Entlastung des Straßennetzes und Vermeidung von Staus: Die Stadtwerke nannten: Die Einrichtung einer teilweisen einseitigen ÖPNV-Busspur auf der Bodanstraße, um Bussen Vorrang zu gewähren und damit ihre Pünktlichkeit sicherzustellen. „Die Vorzüge des ÖPNV würde für jeden im Stau stehenden Autofahrer augenscheinlich und würde die Attraktivität unseres Busangebotes weiter erhöhen“, teilten die Stadtwerke mit.

Einzelvorschläge zur Optimierung des ÖPNV

Weiter schlagen die Stadtwerke folgende Verbesserungen: Verlängerte separate Rechtsabbiegespur auf Höhe des Schnetztores in Richtung Obere Laube, um den Abfluss des Verkehrs zu beschleunigen. Und: Eine regulierte Einfahrt des Verkehrs von der Emmishoferstraße in Richtung Schnetztor bei besonderen Anlässen. „Jede dieser Maßnahmen könnte aus Sicht der Stadtwerke Konstanz entscheidende Verbesserungen für den ÖPNV bringen.“

Ein Kommentar to “Horror-Vorstellung für Parkhausgegner in Konstanz: Signalisierung von noch mehr freien Parkplätzen”

  1. Bruno Neidhart
    23. September 2010 at 11:05 #

    Wir haben in Konstanz keinen „heissen Herbst“ notwendig, wie ihn sich Frau Seeliger vorstellen kann. Wenn das Aktionsbündnis „Das bessere Verkehrskonzept“ (es richtet sich im Kern besonders gegen den Autoverkehr) noch immer mit Park & Ride flirtet, ist das ziemlich weltfremd: Die „Tütenbusse“ habe sich noch in keiner kleineren oder mittleren Stadt als Renner erwiesen, auch wenn diese gratis (für die Benutzer, nicht für die Stadt!) geführt werden. Es sind mehrere Dinge die sich aufdrängen. Es ist real existierend, dass an Spitzentagen die Parkhäuser überfüllt sind. Das bedeutet dann bekanntlich: Der Verkehr fliesst zäh, es gibt Wartezeiten vor den Parkhäusern und entsprechend auf den Strassen. Der Ausbau von Parkhäusern kann also nicht grundsätzlich vom Verkehrsfluss getrennt werden. Der öffentliche (Bus-) Verkehr (und Taxiverkehr!) ist natürlich durch eine eigene Fahrspur in Problemzonen, besonders Schnetztor- Bodanstrasse -Hauptbahnhof, zu beschleunigen (ein alter Hut!). Und: Eine Strassenöffnung zur Schweiz hin im Bereich Klein Venedig würde bereits viel CH-Verkehr im Vorfeld absorbieren. Ob das Kreuzlingen allerdings möchte ist unsicher, wie man letzten Frühling leider feststellen musste. Die Schnetztorkreuzung ist nicht optimal verkehrsgerecht, wie Frau Seeliger richtigerweise feststellt. Da sind Verbesserungen aber jederzeit möglich. Gleichzeitig ist der vorgeschaltete Döbelekreisel durch Bypässe zu „beschleunigen“. Besonders der abfliessende Verkehr in Richtung Autobahn CH, bzw. B33 neu, profitiert davon. Ziel aller Massnahmen ist die Erhaltung der Attraktivität der Einkaufsstadt Konstanz. Es ist entsprechend eben nicht nur eine Sache des öffentlichen Verkehrs, sondern das Ganze muss besonders auch vom Individual- (Auto-) Verkehr her gedacht werden. So ist das halt (noch) heute. Kein reines Wunschdenken also – in allen Richtungen!

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