HSG Konstanz: Immer noch dritte Bundesliga

Spitzensport in der Schänzlehalle – Am Samstag fängt Party vorm letzten Heimspiel an

Konstanz. Geschafft! Die HSG Konstanz spielt auch in der kommenden Saison in der dritten Bundesliga. Ein Drittel der Mannschaften steigt ab. Die Konstanzer sind gerettet. Am kommenden Samstag treten sie zu ihrem letzten Heimspiel in Konstanz an.

Ein Drittel der Teams steigt ab

HSG Präsident Otto Eblen hat seinen Jungs einiges zugemutet. Am Tag, an dem die HSG feiert, müssen die Spieler Nervenstärke zeigen. Sollten sie ihr letztes Heimspiel verlieren, wären sie zwar nicht aus der dritten Bundesliga abgestiegen, die Partystimmung in der Schänzlehalle wäre aber dahin. Und das wäre ausgerechnet bei dem Verein so, der als einziger Konstanzer mit einer Mannschaft in einer Bundesliga spielt.

Handball kein Trendsport

Der kommende Samstag ist ein großer Tag für die HSG. Sponsoren und Ehrengäste sind eingeladen, wenn die HSG ihren 30. Geburtstag feiert. „HSG?“, mag sich so mancher Nicht-Handballfan fragen. Wer ist die HSG? Handball ist kein Trendsport und Leistungssport längst nicht bei allen jungen Menschen angesagt. Sehr gut weiß das Präsident Otto Eblen. Und er sagt, dass sei auch schon das Problem.

Eintritt zum Sport-Talk frei

Am liebsten wäre es ihm, wenn der Andrang in der Schänzlehalle am Samstag gewaltig wäre. Die Halle öffnet um 16 Uhr. Erster Höhepunkt des Nachmittags ist ein Talk, ein Sportgespräch, das um 17.30 Uhr beginnt. Teilnehmen werden Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz, Elson Kabashi, Karate-Weltmeister, Dominik Thomas von Pasta Premium, Peter Leutwyler, Kadetten Schaffhausen, und voraussichtlich ein Gast vom FC Zürich. Gehen wird es in der Runde wohl um Sport, Spitzenleistungen und Sponsoren. Höhepunkt des Programms ist dann das letzte Bundesligaspiel der Saison, das um 19 Uhr beginnt. Der Eintritt ist frei – nur wer sich das Spiel anschauen möchte, muss zahlen, sagt Otto Eblen. Nach dem Spiel wird die erste Mannschaft verabschiedet und die Jugendmannschaften laufen ein.

Otto Eblens Lieblingswort heißt Leistung

Seit 1980 gibt es die HSG. Seit 1990 hat sie einen Präsidenten und immer hieß er Otto Eblen. In der HSG spielen Handballer, die Mitglied des Turnvereins oder beim HC DJK Konstanz. Die Handballer spielten damals noch etwa drei bis vier Klassen unter der Liga, in der sich die HSG behauptet. Das Ziel des Zusammenschlusses sei „Leistungssteigerung“ gewesen, sagt Otto Eblen. Überhaupt ist „Leistung“ ein Lieblingswort des Präsidenten. Eine Zeit lang spielte die HSG sogar in der zweiten Bundesliga. Heute sei die dritte Liga aber so stark wie damals die zweite, meint der Präsident. Er sagt: „Wir sind eine Rolltreppenmannschaft“. Die Rolltreppe fahre nach unten – und die Mannschaft kämpfe, um die Position zu halten. Die zweite Liga wäre illusorisch. „Nach Flensburg zu fahren, wäre nicht machbar“, so Eblen. In Zukunft wird es nur noch eine erste, eine zweite und die dritte Liga im Handball geben. Deswegen steigen mehr Mannschaften als üblich ab.

Erste Mannschaft ist eine GmbH

90 Prozent der Spieler sind Schüler und Studenten. Berufstätige oder Auszubildende hätten nicht die Zeit, jeden Abend zu trainieren. Montags ist Krafttraining und dienstags bis freitags Mannschaftstraining. Oft kommen die Spieler nach den Bundesligaspielen erst am frühen Sonntagmorgen zurück. Die Spieler würden nach Leistung bezahlt – manche finanzieren sich so ihr Studium. Die erste Mannschaft ist eine GmbH, die durch Sponsoren und Eintrittsgeld finanziert wird. Der Erlös aus dem Eintritt mach etwa 8 Prozent aus. Der Etat liegt bei rund 350.000 Euro jährlich. Die anderen Mannschaften gehören zur GBR und finanzieren sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Wie Eblen um Sponsoren wirbt

1400 Leute passen in die Schänzlehalle. 600 bis 800 kommen normalerweise. Die Sponsoren möchten am liebsten eine volle Halle sehen, sagt Eblen. Hauptsponsor ist die Rothaus Brauerei. Auch die ZF engagiert sich. Sie ist an jungen, leistungsorientierten Absolventen der Konstanzer Hochschulen interessiert. Eblen sagt: „Die jungen Leute, die ihr braucht, haben wir schon.“ 82 Prozent der Sportler der HSG sind 16 Jahre oder jünger. „Es gibt nicht viel Leistungssport in Konstanz“, weiß Eblen. Ihre Bestätigung und Anerkennung holten sich viele junge Leute heute außerhalb des Sports, meint er. Viele machen höchstens Freizeitsport und feiern Partys. Sie grillen lieber am Schänzle als in der Halle zu trainieren. „60 Prozent unserer Spieler sind Nicht-Konstanzer“, so Eblen.

Emotionales Erlebnis beim Heimspiel

40 Prozent der Zuschauer, die zu den Heimspielen kommen, sind Frauen. In der kommenden Saison möchte die HSG vor allem Frauen begeistern und junge Familien in die Halle holen. Insgesamt dürfte das Alter des Handballpublikums bei 30 oder 40 Jahren plus liegen. Eblen hofft, dass noch mehr Frauen wegen des emotionalen Erlebnisses kommen. So ein bisschen wirkt die Atmosphäre in der Halle tatsächlich wie eine Partydroge und versetzt die Fans in einen Zustand der Begeisterung.

Hallenflächen fehlen

Eblen sagt: „Ohne uns würde die Schänzlehalle nicht stehen.“ Von der Stadt erwartet er nicht viel Unterstützung. Sie sorge für die Infrastruktur. „Hallensportarten brauchen Platz“, sagt er. „Eine 3-Feld-Turnhalle fehlt in Konstanz.“ Handballer, Basketballer und Volleyballer bräuchten Trainingszeiten.

Spitzensport in Konstanz

Die HSG ist das Aushängeschild für Spitzensport in Konstanz. Der nächste Handball-Drittligist sei in Balingen. Andere Mannschaften kommen aus Stuttgart oder Grosswallstadt. Die HSG habe auch schon einige Nationalspieler hervorgebracht. Einer von ihnen war in den 90-er Jahren Alexander Mierzwa, der nach Grosswallstadt ging. Otto Eblen fällt Matthias Rauh ein, der zwei Jahre erste Liga beim HSV spielte, Michael Binder, der zu Lemgo ging, oder Sebastian Faißt, der nach Schaffhausen ging und während eines Spiels der deutschen U21-Nationalmannschaft tot zusammengebrochen ist.

Imageverbesserung und Steigerung der Bekanntheit

Otto Eblen spricht noch ein bisschen über die Sponsoren, darunter auch zwei Schweizer Firmen. Unter den großen Sponsoren seien keine Konstanzer Unternehmen. Eblen klagt ein bisschen darüber wie schwer es sei, in die Presse zu kommen. Er meint damit noch immer die klassische Tageszeitung. Facebook, Videos auf Youtube, neue Kommunikationskanäle – Eblen sagt, wer soll es machen? Geld für Marketing will er anscheinend nicht in die Hand nehmen, um so den Bekanntheitsgrad der Marke HSG zu steigern. Weshalb gibt es am Samstagabend keinen DJ? Kein Nudelwettessen mit Ami Teigwaren? Ein noch attraktiveres Fanmagazin? Ehrenamtliche können das kaum leisten. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.Um für ein Produkt zu werben, braucht es die klassische Tageszeitung nicht mehr. Einen Handball-Hype kann es aber nur geben, wenn sich die ganze Stadt für eine Mannschaft begeistert.

Hier geht es zur Website der HSG.

Fotos: HSG Konstanz

 

Ein Kommentar to “HSG Konstanz: Immer noch dritte Bundesliga”

  1. dk
    5. Mai 2011 at 13:26 #

    Wer ist die HSG?

    Die HSG ist aus den Handball-Abteilungen von TVK und DJK entstanden.

    Eher vor 35-40 Jahren hatte ein TVK-Jugendtrainer schon nebenbei bemerkt (nicht beklagt), dass Handballsport eher Nebensache ist: Segeln, Tennis, u.a. passen eher zum Bodensee und der Lebensstimmung. Er stammt eher aus dem nördlichen Teil von NRW und war viele Jahre in Schweden beschäftigt. Bei einem Jugendurlaub mit den eigenen und fremden Kindern wurde nicht nur seine Heimat besucht (nähe Gummersbach) , sondern auch noch Dänemark. Lemgo ist auch nicht soooo weit weg.

    Man spürte, dass Handball kurz nach dem Fussball kommt. Etwas abseits vom Ruhrpott muss allgemein der Ballsport angesteckt haben: in dieser Gegend soll es ziemlich häufig regnen. Der Wasserstand im Bodensee (egal wie hoch) fördert nicht den Hallensport.

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