Idee einer Bürgerstiftung für Konzerthaus

Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ nach dem Bürgerentscheid

Konstanz (wak) Nachdem die Mehrheit der Wahlberechtigten ein Konzert- und Kongresshaus auf dem Gelände Klein Venedig am Sonntag abgelehnt hat und das Quorum erreicht worden ist, fordert die Bürgerinititaive „Nein-zu-Klein-Venedig“ das Stadtmarketing auf, eine Bürgerstiftung zu organisieren. Deren Zweck sollte es – nach dem Vorbild anderer Städte – sein, Geld für den Bau eines Konzerthauses zu sammeln.

Zwei Bürgerentscheide – dieselben Argumente

Bereits beim Bürgerentscheid 2003 hat die Mehrheit den Standort Klein-Venedig abgelehnt. Die Gründe waren damals wie heute weitgehend die gleichen: der abgelegene Standort hinter den Bahngleisen am Ende der Stadt mit den daraus folgenden unlösbaren Problemen der Verkehrsanbindung, die Verbauung einer der letzten linksrheinischen Grünflächen und Festwiese, der problembeladene Untergrund einer durchweichten Müllhalde, die eigentlich saniert werden müsste und die berechtigten Zweifel an der Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit, die Sorge um die Verschuldung der Stadt.

Kritik an Ausgaben für Planung in Millionenhöhe

Man muss sich fragen, warum der Gemeinderat in seiner Mehrheit angeführt vom Oberbürgermeister exakt das abgelehnte Projekt weiterverfolgt hat. Warum wurde über eine Million Euro in die Planung eines von der Bürgerschaft klar verworfenen Vorhabens versenkt? Zwar wurde der Standort Klein-Venedig aus guten Gründen endgültig abgelehnt, aber vermutlich möchte eine Mehrheit der Bevölkerung ein Konzerthaus (ohne Kongressnutzung).

Nein zu KKH ist kein Nein zu Konzerthaus

Um hier voranzukommen, sollte sich der OB von seinem Hang, sachliche Fragen zu Alles-oder-Nichts-Entscheidungen zu eskalieren, trennen. Wenn die Verwaltung gewillt ist, demokratische Meinungsäußerungen positiv zu sehen, müssen der Bürgerschaft alternative Möglichkeiten vorgelegt werden. Hierfür bietet sich folgendes Verfahren an: Gemeinderat und Kämmerei erstellen einen Vorschlag, welche Projekte angesichts der sich abzeichnenden Haushaltslage dringend realisiert werden sollen inklusive der absehbaren Investitionen in den Krankenhausneubau bis 2013/14. Gemeinderat und Kämmerei schlagen Sparmaßnahmen und die Verschiebung von Projekten vor, um den Schuldenstand bis 2013/14 auf das 2-3fache des jetzigen Standes zu begrenzen. Auf dieser Grundlage unterbreitet der Stadtkämmerer einen Vorschlag, wie ein Konzerthaus an einem besseren Standort mit der vorhandenen Finanzkraft realisierbar ist, oder in welcher Höhe Steuererhöhungen notwendig wären.

Idee einer Bürgerstiftung

Sollte sich auf dieser Grundlage der Gemeinderat für den Bau eines Konzerthauses entscheiden, werden: Alternative Standorte für ein Konzerthaus unter Einbeziehung einer Entwicklungsperspektive für die ganze Stadt und unter dem Aspekt einer guten Erschließung durch Pkw und öffentlichen Verkehr entwickelt. Die Vor- und Nachteile der Standorte werden in einer Gegenüberstellung der Bürgerschaft vorgelegt. Auf Basis, der aus der Bürgerschaft erhaltenen Einwände und Anregungen, entscheidet sich der Gemeinderat für das geeignetere Modell. Wir regen an, dass das Stadtmarketing ein Bürgerstiftung organisiert mit dem Ziel, mindestens ein Drittel der Baukosten durch Spenden aus der Bürgerschaft (ähnlich wie in Bochum und Hamburg) zu finanzieren.

3 Kommentare to “Idee einer Bürgerstiftung für Konzerthaus”

  1. Fenedig
    22. März 2010 at 11:38 #

    Das Verdikt ist eindeutig: Zweidrittel der Abstimmenden – also ein Drittel der Gesamtwählerschaft – (was die fast 50 % der Nichtwähler denken, bleibt verschlossen!) wollen weder ein Konzerthaus, noch den „Mehrwert“, den sich die Räte von einer Kombination als Kongresshaus/Hotel (mit neuen Ganzjahres-Arbeitsplätzen) erhofft haben. Der Pessimismus der Neinsager löst nun allerdings zum Beispiel weder das von ihnen beschworene „Altlastenproblem Klein-Venedig“ (der Platz bleibt somit – salopp gesagt – „Hundeauslaufgelände mit zeitweiliger Bierzapfstelle in bester Seelage“), noch wird die angesprochene „desolate Verkehrssituation“ konkret reguliert, schon gar nicht die von Gegnern „plötzlich erkannte Konzerthausabstinenz“ positiv verändert. Was ist zu tun? Die Millionen Rückstellungen der Stadt sollten solange unangetastet bleiben, bis sich tatsächlich das bürgerliche Konstanz endlich fähig zeigen sollte, ein eigentliches Konzerthaus zu bauen. Die „multifunktionelle allgemeine Veranstaltungshalle“, von der die Gegner träumen, wäre dabei die schlechteste aller Lösungen. Solche extrem verkehrsanziehenden Eventhallen gibt es im Umfeld zwischen Ravensburg, Friedrichshafen und Singen bis Kreuzlingen bereits zur Genüge. Es sollte versucht werden, über „die musische Bürgerschaft“ (Stiftung?) zusammen mit der Stadt eine Lösung als Alleinstellungsmerkmal anzustreben. Philharmonische Konzertkultur ist eben auf Dauer auch nicht über einen „Saal mit Stadthallencharakter“ zu definieren. Der Unterschied zum Konzil wäre dabei marginal. Die Universitäts- und Kulturstadt Konstanz bräuchte als regionales Zentrum einen veritablen Konzertsaal (Und dies – ja! – sogar nach Möglichkeit am See, zum Beispiel mit Seerestaurant als „Mehrwert“), um die Funktion eines kulturellen, touristischen und wirtschaftlichen Oberzentrum in die Zukunft hinein konkurrenzfähig festigen zu können. Andere Städte schlafen mit Sicherheit nicht! Ob Letzteres die Abstimmungsgewinner überhaupt im Fokus hatten?

  2. dk
    22. März 2010 at 17:56 #

    @ …was die fast 50 % der Nichtwähler denken, bleibt verschlossen!)…

    Einer davon hat sich gedacht:
    Soll ich mir als Arbeitnehmer ein Haus kaufen und die nächsten 20-30 Jahre daran abzahlen?
    Sogar wenn die ganze Umgebung meint, dass ist „Karriere-Förderung pur“; ein Haus braucht man einfach im Ländle, um Top-Manager zu werden (neben bestimmten Auto-Marken).

    Wieviel Geld brint der Uni eigentlich der Titel „Exelenz“; ob ich diesen extravaganten Begriff richtig geschrieben habe, bezweifle ich; die Bildung hat aber ausgereicht, um den Sonntag bei heissem Tee zu geniessen und völlig unemotional (aber rational) zu bleiben.

  3. dk
    22. März 2010 at 17:58 #

    @ Admin
    Beim Redakteur-Kollegen „Dornröschen“ gab es eine 4 Minuten-Funktion, bei der man die Möglichkeit hatte, seinen Kommentar zu korrigieren bzw. ganz durch (…) zu ersetzen (löschen).
    Keine schlechte Sache.

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