Idee eines Innovations- und Technologiezentrums für Konstanz

Postindustrielle Hochschulstadt positioniert sich und greift nach Verkehrslandeplatz

Konstanz. Wer sind, wir und wenn ja wie viele? Die Wirtschaftsförderung der Stadt Konstanz hat eine Übersicht über Gewerbeflächen in der 80.000 Einwohner Stadt vorgelegt. Friedhelm Schaal kommt zum Schluss, dass Konstanz trotz Leerständen von Gewerbeflächen neue attraktive Standorte braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Stadt sieht sich als hochattraktiven Standort mit einer exzellenten Forschung, neuen Technologien und mit einer Mischung aus Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen mit hoher Innovationskraft. Ein Innovations- und Technologiepark würde zum Bild passen.

Konstanz baut an seiner Zukunft

So schön sieht die neue postindustrielle Stadt also aus :Am rechtsrheinischen Ufer ragen  Baukräne in den frühsommerlichen Himmel. Hier auf ehemaligen Industriebrachen wird an der Zukunft des Standorts gebaut. Die wichtigsten Branchen, die sich in Konstanz bisher angesiedelt haben oder gerade dabei sind, sich niederzulassen, sind nach Aussage von Schaal Umwelttechnologien mit dem Schwerpunkt Photovoltaik, Life Science + Health Care – dazu zählt die Pharmazeutik – auch Informationstechnologie und Nanotechnik oder etwas weiter hinten beim Ranking Kultur- und Kreativwissenschaft.

Stadt der Dienstleister

Insgesamt gibt es in Konstanz 3756 Unternehmen. Die Zusammensetzung hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. 1989 entsprach das Verhältnis von produzierendem Gewerbe zu Dienstleistungsgewerbe noch dem von 40 Prozent zu 60 Prozent. Heute ist der Anteil des Gewerbes auf 20 Prozent geschrumpft. 80 Prozent der Unternehmen gehören zum Dienstleistungsbereich. Auch die Wissenschaft spielt eine immer größere Rolle. Die Zahl der Studenten an Universität und HTWG steigt weiter. In den kommenden Jahren könnte sie bei 16.000 liegen – das wären 2000 mehr als heute. Herbert Weber (SPD), der auch Mietervereinsvorsitzender ist, treiben solche Prognose schon heute den Angstschweiß auf die Stirn. Er fürchtet eine größer werdende Wohnungsnot, die alle Mieter betreffen würde.

Viele Tausend Quadratmeter Leerstände

Schaal ist überzeugt, dass im lokalen, regionalen und globalen Wettbewerb nur die Standorte erfolgreich sind, die den Unternehmen hohe Qualität bieten. Der Wirtschaftsförderer schlägt auch deshalb Alarm. Die Fläche für Neuansiedlungen und Umsiedlungen sei in Konstanz weitgehend ausgeschöpft. Die bisher in Konstanz noch vorhandene Konversionsfläche – frühere Industrieariale oder Bahnbrachen – sei aufgebraucht. Die freie Fläche beim nördlichen Kopf der neuen Rheinbrücke komme als Standort der Feuerwehr in Frage und auch die Stadtwerke hätten möglicherweise Interesse. Trotzdem gibt es in der Stadt Flächen und Gebäude, die nicht genutzt werden. Doch das ist normal.

Attraktive Standorte gesucht

Als attraktiven Standort hat Schaal den Flugplatz ins Visier genommen. Er sieht dort einen Innovations- und Technologiepark entstehen. Die Leerstände entsprechen nicht dem, was sich Unternehmen heute wünschen, so Schaal. 22.000 Quadratmeter Bürofläche werde nicht genutzt. Weitere 7900 Quadratmeter Produktions- oder Lagerräume stehen ebenfalls leer. Doch in die Rieterwerke wollen innovative Firmen anscheinend nicht ziehen. OB Horst Frank verglich die Leerstände mit seit vielen Jahren nicht mehr renovierten Hotelzimmern.

Wissen trifft Wirtschaft

Für die Wirtschaft in der Stadt seien die Flughäfen Zürich, Friedrichshafen und Altenrhein bedeutsam. Der Konstanzer Landesplatz habe nur die Funktion eines Sportflugplatzes. In einem Innovations- und Technologiepark würden dagegen viele neue Arbeitsplätze entstehen, so Schaal. Er denkt an etwa 3000 in den nächsten 20 bis 25 Jahren. Ein Park könnten auch die Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft schaffen. Beispielhaft sei der STEP – Stuttgarter Engineering Park. Schaal sagte, es brauche in so einem Park, in dem Mitarbeiter sehr flexible Arbeitszeiten hätten, Gastronomie genauso wie eine Kita oder einen Friseur. Er sagte: „Die Mitarbeiter haben höhere Ansprüche – sie wollen essen gehen und wollen Grün drumherum.“

OB will Visionen für die Stadt

Bei CDU, Freier Grüner Liste und teilweise auch der SPD, die in der Frage aber  gespalten war, stieß Schaal mit seiner Präsentation und der Idee eines Gewerbeparks auf dem Flugplatz eher auf Zustimmung. OB Horst Frank sagte, Konstanz habe in der Vergangenheit erlebt, wie ganze Industriezweige weggebrochen seien. Er stellte klar, dass er langfristig planen wolle. Aus den Reihen der Freien Wähler, der FDP und auch von der Neuen Linie kam dagegen Kritik. Nicht einmal die bisher zur Verfügung stehenden Flächen seien belegt. Auch beim Kompetenzzentrum hätte es kaum Interessierte gegeben.

Schwarze Tage für Konstanz

Der OB widersprach: „Wenn wir nichts machen würden, wäre es ein schwarzer Tag für Konstanz.“ Der Haupt- und Finanzauschuss des Gemeinderats beschloss erst einmal mit acht Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung, dass die Verwaltung die Einrichtung eines Innovations- und Technlogieparks auf dem Areal Landeplatz prüft und dem Kommunalparlament ein Ansiedlungskonzept zur Entscheidung vorlegt. Belange des Naturschutzes und des Sports sollen berücksichtigt werden.

Foto: wak

 

2 Kommentare to “Idee eines Innovations- und Technologiezentrums für Konstanz”

  1. dk
    7. April 2011 at 11:53 #

    Wenn man die letzten Beiträge hier durchblättert, kann man nur folgern: die Welt braucht Kräne in jeder Variante und Grössenordnung.

    Ab einer gewissen Etage im Klinikum KN hat man eine tolle Aussicht über Petershausen: auf die Gebhardskirche (vor ca. 100 Jahren erbaut), den Nycomed-Telekom-Tower, die beeindruckenden Kräne am Petershauser Bahnhof, den Seerücken bis zur Rampe der neuen Rheinbrücke.
    Abends verschwinden die Gebäude zunehmend im Dunkeln und die Lichter rücken den Ortsteil in die Nähe einer Metropole – nur die Weihnachtsbeleuchtung der Altstadt scheint mehr zu bieten.

    Kann KN nur aus der Luft aus himmlischer Höhe beeindrucken? Es kommen Zweifel auf. Schade, dass ein neues Eckhaus nicht 8, sondern nur 4-stöckig gebaut werden darf: eine Bereicherung der Ortsteil-Skyline entfällt.

    Neben dem Ausblick hat das Klinikum KN auch tolle Dienstleistungen und trotz Dauer-Gesundheitskrise ein beeindruckendes Betriebsklima zu bieten, zumindest für den Patienten.
    Es verwundert leicht, dass man dieses „Sahnestück“ und „Markenzeichen“ für die Spitalstiftung und KN (somit auch überregionaler Werbeträger) einfach in eine Firmengruppe eingliedern möchte.
    Hoffentlich bleibt recht viel von dieser Marke (die hauptsächlich aus dem Personal besteht) für den „Kunden“ übrig; eine gewisse Selbständig- und Unabhängigkeit wäre vorteilhaft – die Aussicht wäre dann Zugabe.

  2. Bolle Knallquist
    7. April 2011 at 15:51 #

    Was der Friedel Schaal schon so alles hat entsehen sehen … Dabei ist es doch so einfach. Geht alles ohne sich vorher ganz wichtig aufzublasen. Die Flughafenfläche kann als Reservefläche weiterhin freigehalten werden, der Flughafenbetreiber bekommt alle fünf Jahre eine Verlängerung. Man kann den Bebauungsplan entwickeln und künftigen Bedürfnissen anpassen. Bauen braucht man dort nichts. Das tun die Firmen dann schon selber.

    Wenn dann eines Tages wider Erwarten eine Firma hier anklopft und nach speziellen Produktionsflächen fragt, sollen die dort bauen dürfen. Da eh keine Firma nach Konstanz kommt, weil die Lage denkbar schlecht ist und woanders alles viel billiger ist, wird der Flughafen auch auf Ewig bestehen bleiben. Kein Mensch braucht das Lehrbuchgeplappere von diesem Kaliber: „Schaal sagte, es brauche in so einem Park, in dem Mitarbeiter sehr flexible Arbeitszeiten hätten, Gastronomie genauso wie eine Kita oder einen Friseur. Er sagte: „Die Mitarbeiter haben höhere Ansprüche – sie wollen essen gehen und wollen Grün drumherum.““

    Da die Wirtschaftsförderung bisher nichts Erkennbares geleistet hat, sollten die da lieber etwas stiller sein.

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