Immobilien-Käufer zahlen am Bodensee „Liebhaberpreise“

IVD Süd legt den Regionalreport Bodensee 2010 vor – Nachfrageüberhang bei einem hohen Preisniveau

Konstanz und der Bodensee sind teuerKonstanz/Friedrichshafen. Das Marktforschungsinstitut des IVD Süd e.V. hat für die Region Bodensee die aktuelle Entwicklung der Immobilienpreise untersucht und im „Regionalreport Bodensee 2010″ veröffentlicht.

Nachfrage nach Immobilien riesig

„Die Nachfrage nach Wohnraum ist in der Region ungebrochen hoch“, so Prof. Stephan Kippes, Leiter des IVD Marktforschungsinstituts, „besonders begehrt sind Wohnimmobilien mit Seeblick bzw. Seeufergrundstücke. Die Preise liegen hier allerdings deutlich über dem jeweiligen örtlichen Durchschnitt. Insbesondere für Seeufergrundstücke oder andere exponierte Lagen werden regelrechte „Liebhaberpreise“ bezahlt“.

Nach wie vor könne auch der allgemeinen Nachfrage nach Wohnraum nicht ausreichend entsprochen werden. Im Fokus der Nachfrage stehen insbesondere größere Eigentumswohnungen in guten Wohnlagen sowie Eigenheime.

Bescheidenes Angebot

Das geringe Angebot und zuletzt auch die Verunsicherung an den Kapitalmärkten führen zu steigenden Preisen. Verschärft wird die Preisentwicklung durch den Trend zur „Nachverdichtung“ gewachsener Wohngebiete. „Klassische“ Interessenten für ältere Gebrauchtimmobilien stehen am Markt in guten und/oder stadtnahen Lagen heute zunehmend in Konkurrenz mit Bauträgerunternehmen: Wurden früher bei einem Verkauf alte Häuser von Eigennutzern oft modernisiert, kommt es heute häufig zur Freilegung der Grundstücke und einer daran anschließenden massiveren Neubebauung mit Mehrfamilienhäusern. Dies hat zuletzt auch zu einem deutlichen Anstieg im Bereich der Grundstückspreise geführt. Die Gemeinden im Hinterland bieten hier sowohl für Einfamilienhäuser und Doppelhäuser als auch für unbebaute Grundstücke eine kostengünstigere Alternative. Auch dort sind jedoch bereits steigende Preise zu verzeichnen.

Steigende Mieten

„Im Mietbereich konnte im Vergleich zum Vorjahr ein weiter steigendes Preisniveau festgestellt werden“, so IVD – Vorstandsmitglied Christian Gorber, „da Neubauwohnungen noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, kommt es zu einer verstärkten Nachfrage“. Dies verschärft, wie Christian Gorber betont, die bereits angespannte Situation auf dem Mietmarkt und lässt die Preise weiter steigen.

Im Einzelnen berichtete Prof. Stephan Kippes von folgenden Entwicklungen in der Bodenseeregion:

Konstanz

Einem geringen Angebot steht in Konstanz eine überproportionale Nachfrage gegenüber. Zunehmend findet ein Ausweichen außerhalb Konstanz statt. Dieses ist aber vorwiegend an Lagen orientiert, die im Nutzungsbereich des „See-Has“ liegen.

Die Nachfragegruppe für Eigentumswohnungen ist hauptsächlich von Eigennutzern geprägt. Im letzten Jahr wurde jedoch die verstärkte Nachfrage seitens Kapitalanleger festgestellt, die eine Anlageform mit einer sicheren und langfristig kalkulierbaren Rendite suchten. Auch Wohn- und Geschäftshäuser werden in Konstanz durch diese Käufergruppe nachgefragt. Dabei weichen die Kapitalanleger immer häufiger in die Region aus, da in Konstanz die Kaufpreise sehr hoch sind und diese in Relation zum Ertrag mehrheitlich die Renditeerwartung nicht erfüllen.

Lindau

Trotz Zweitwohnungssteuer ist Lindau nach wie vor als Zweitwohnsitz attraktiv. Seit Jahren ist die Nachfrage nach Eigentumswohnungen der gehobenen Klasse in sehr guten Lagen mit entsprechender Ausstattung sehr groß. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen liegen derzeit im Durchschnitt bei 2.100 €/m² für eine Wohnung aus dem Bestand und für eine neu errichtete Wohnung bei 2.500 €/m² (jeweils auf den guten Wohnwert bezogen).

Die Nachfrage bei den Häusern konzentriert sich auf Doppelhaushälften sowie Reihenhäuser in guten Stadtlagen. Das Angebot bei den Einfamilienhäusern ist sehr begrenzt, so dass hier entsprechend hohe Preise erzielt werden können.

Friedrichshafen

„Der Trend zur Immobilie als Baustein für die Altersvorsorge – sei es zur Eigennutzung oder zur Vermietung – hält auch im Jahr 2010 unverändert an“, so Steffen Maier vom IVD – Mitgliedsunternehmen Steffen Maier Immobilien. „Dies führt inzwischen zu einer massiven Verknappung des Immobilienangebots in Friedrichshafen. Eine nach wie vor geringe Bautätigkeit und die Tatsache, dass die Verkäufer vor dem Hintergrund einer eventuellen Inflation ihre Immobilie derzeit lieber halten, als diese zu verkaufen, verstärken diesen Umstand.“

Auf dem Kaufmarkt steht derzeit einer Vielzahl an potenziellen Kaufinteressenten ein extrem knappes Immobilienangebot gegenüber. Auf dem Mietmarkt zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Hier verknappen die Studenten aufgrund des nach wie vor nicht fertig gestellten Studentenwohnheims weiterhin zusätzlich den Markt. Somit dürfte sich der Nachfrageüberhang mit daraus resultierenden steigenden Mietpreisen weiter fortsetzten.

Überlingen

Die ungebrochen hohe Nachfrage in Überlingen schlägt sich in einem weiterhin steigenden Preisniveau für Bauland, bebaute Hausgrundstücke und Wohnungen sowie Mieten nieder. Aktuell nimmt Überlingen im Ranking der untersuchten Bodenseestädte unter anderem einen Spitzenplatz bei den Preisen für Neubau-Eigentumswohnungen im Segment „guter Wohnwert mit durchschnittlich 3.100 €/m² und im Segment „sehr guter Wohnwert“ mit durchschnittlich 4.500 €/m² ein. Im Kaufbereich ist allgemein eine gute bis sehr gute Nachfrage mit der Folge eines sich verknappenden Angebots zu beobachten.

„Auch auf dem Mietmarkt ist ein deutlicher Nachfrageüberhang zu verzeichnen, der sich zunehmend auf die Preise auswirkt“, so Christian Gorber, Vorstandsmitglied des IVD Süd e.V. „So werden im Premiumsegment, der Erstvermietung von Neubauwohnungen in sehr guten Lagen, Mietpreise deutlich über 10,00 €/m² akzeptiert. Aktuell konnten im Herbst 2010 hier Angebotspreise bis zu 13,50 €/m² beobachtet werden“.

Ravensburg

Die Stadt Ravensburg erfreut sich einer nach wie vor stabilen Nachfrage nach Wohnraum. Die Preise liegen im Neubaubereich in gehoben Wohnlagen bei ca. 2.800 €/m² bis knapp 3.000 €/m². Gebrauchter Wohnraum ist von 1.230 €/m² bis hin zu 2.200 €/m² je nach Lage und Zustand zu finden. Baugrund für den Geschoßbau ist hier Mangelware, für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser sind noch einige Grundstücke zu finden.

Radolfzell

Der Markt zeichnet sich durch eine kontinuierlich hohe Nachfrage und Wertstabilität aus. „Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen kann derzeit eine Verstärkung der Kauffreude in allen Segmenten beobachten werden“, so Frank Renz vom IVD – Mitgliedsunternehmen ReWa Immobilien GmbH. „Im Bereich der Kapitalanleger ist eine wesentlich erhöhte Nachfrage nach Sachwert zu spüren. Die Sicherheit der Immobilie wird hierbei wieder stark geschätzt“.

Kennzeichnend ist, dass auf der Interessentenseite besonders die Preiswürdigkeit des Angebotes, die Wertstabilität der Lage (wichtig auch: Infrastruktur), sowie die Erfüllung der individuellen Bedürfnisse jeweils stark geprüft wird. Auffallend ist ebenfalls, dass Kapitalanleger auch vermietete Immobilien gerne erwerben. Diese waren in den Vorjahren seltener gefragt. Die Nachfrage nach Mietobjekten ist ebenfalls sehr hoch, deutlich steigende Mieten bei Neuvermietungen sind hier an der Tagesordnung.

Klick zum Kaufen

Der Regionalreport Bodensee 2010 informiert über Tendenzen am Markt und weist Immobilienpreise für Wohnimmobilien zum Kauf und zur Miete aus. Er kann beim IVD-Institut – Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH, Gabelsbergerstr. 36, 80333 München, Tel. 089/290820-21 oder unter www.ivd-sued.net erworben werden.

Foto: Matthias Lohse PIXELIO www.pixelio.de

2 Kommentare to “Immobilien-Käufer zahlen am Bodensee „Liebhaberpreise“”

  1. detlev
    19. November 2010 at 08:56 #

    Der vermeintliche „Niedergang der Print-Medien“ wäre somit erklärbar: wenn alle Leute sich auf der Suche nach Bodensee-Immobilien befinden, bleibt wenig Zeit zum Blättern.
    Für einen Einblick in die Welt der SocialMedia dürfte ein Bericht geben: die Sicht dürfte eher global – also nicht regional (Land, Staat, Kontinent) – zu verstehen sein.
    Vorsicht – englisch, kein Dialekt – also sehr unemotional und ohne Heimatgefühle.

    http://www.socialmediatoday.com/soravjain/237864/fascinating-social-media-facts-year-2010

    1. General Facts
    2. Facebook Facts
    3. YouTube Facts
    4. Blogger Facts
    5. Tweet Facts
    6. LinkedIn Facts
    7. Wikipedia Facts
    8. Foursquare Facts
    9. All Sources

  2. Jürgen Keitel, Garbsen
    19. November 2010 at 19:08 #

    Zweitwohnungsteuer

    Zweitwohnungsteuer ist Beutelschneiderei. Die Kommunen gehen hier gegen einen Personenkreis vor der sich bei der nächsten Wahl nicht dafür „bedanken“ kann, denn der überwiegende Teil der Zweitwohnungsteuerpflichtigen ist in der veranlagenden Gemeinde nicht wahlberechtigt.

    Es wird auch immer der Eindruck erweckt, dass die Steuerpflichtigen nur die Vorteile ausnutzen. Dies ist Polemik von Politikern die ihren Haushalt nicht in den Griff bekommen, denn auch die Zweitwohnungsteuer wird deren Misere nicht abhelfen. Man geht hier den Weg des geringsten Widerstands.

    Jeder zweitwohnungsteuerpflichtige Eigentümer zahlt sämtliche anfallenden Gemeindeabgaben, wie Grundsteuer, Straßengebühren, Müllabfuhr, Regenwassergebühren, anfallende Anliegerumlagen usw. und soweit erhoben die Kurabgabe, wie jeder ortsansässige Steuerpflichtige, nur der Zweitwohnungsteuerpflichtige zahlt zusätzlich die Zweitwohnungsteuer.

    Doppelbesteuerung dafür, dass für die besteuerte Wohnung aus gutem Grund kein Erstwohnsitz angemeldet wurde. Es ist eben doch eine Reichen- und Neidsteuer, erhoben auch unter dem Vorwand einen Erstwohnsitz erreichen zu wollen, den man der Nachbargemeinde gerne abjagt. Anschließend jammert man dann gemeinsam über fehlende Mittel.

    Zweitwohnungsbesitzer werden ausgegrenzt, diskriminiert und ungleich behandelt. Wie die rote Umweltplakette für Autohalter ist Zweitwohnungsteuer Enteignung.

    http://www.juergenkeitel.homepage.t-online.de/seite96.htm

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