In Kreuzlingen 150 Panzerwagen für Afghanistan bestellt

Rüstung für über 160 Millionen Euro bei Mowag geordert

Konstanz/Berlin/Kreuzlingen (gro) Gepanzerte Wagen aus Kreuzlingen sollen den in Afghanistan tätigen deutschen Soldaten mehr Sicherheit verschaffen. Die weltweit bewährten Fahrzeuge des Typs „Eagle IV“, die aussehen wie überdimensionale Jeeps, sind von allen Seiten mit Stahlplatten bewehrt und mit einem schweren Maschinengewehr ausgestattet. Der Stückpreis liegt bei gut 1 Million Euro. „Im Eilverfahren“, so heisst es in informierten Kreisen, seien bei der Mowag in Kreuzlingen 60 dieser Panzerwagen bestellt worden. Sie sollen „möglichst umgehend“ geliefert werden. Weitere 90 „Eagles IV“ will sich die deutsche Bundeswehr im Laufe des kommenden Jahres zulegen. Das Auftragsvolumen liegt bei 160 Millionen Euro.

Mowag GmbH grösster Arbeitgeber im Thurgau

Die 1950 gegründete Mowag gehört als General Dynamic European Land Systems-Mowag GmbH seit 2003 zu einem der grössten US-amerikanischen Rüstungskonzerne. Das an der Kreuzlinger Unterseestrasse angesiedelte Unternehmen am westlichen Ortsausgang der Nachbarstadt (in Richtung Tägerwilen) dürfte mit knapp 900 Beschäftigten nicht nur der grösste Arbeitgeber im Thurgau, sondern auch einer der grössten am westlichen Bodensee sein. Zahlen zur Bilanz werden traditionell nicht veröffentlicht.

„Schweiz ohne Armee“ protestiert

Die Lieferung von Rüstungsmaterial an Deutschland hat in der Schweiz zu Protesten geführt. Die Gruppe „Schweiz ohne Armee“, die mit einer Volksinitiative für ein generelles gesetzliches Verbot für den Export von Kriegsmaterial gescheitert ist, sieht in der Mowag-Lieferung an Deutschland einen „klaren Verstoss“ gegen bereits geltendes Recht, wonach aus der Schweiz keine Rüstungsgüter exportiert werden dürfen, wenn sie an kriegführende Länder geliefert werden. Dagegen vermag das für die Exportgenehmigung zuständige Berner Sekretariat für Wirtschaft (Seco) in dem beanstandeten Export „keinen Verstoss“ gegen die Schweizer „Kriegsmaterialverdordnung“ zu erkennen. Deutschland, so heisst es, sei zu seinem Auftritt in Afghanistan von den Vereinten Nationen aufgefordert worden (UNO-Mandat). Deutschland gelte im Übrigen als „verlässlicher Partner“.

Kritik an der Ausrüstung der deutschen Bundeswehr

Der schon immer umstrittene Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan war nach der Katastrophe vom 4. September 2010 verstärkt kritisiert worden. Damals kamen durch einen vom deutschen Kommando veranlassten Bombenangriff der US-Amerikaner auf liegen gebliebene, von den Taliban entführte Tanklaster in der Nähe von Kunduz 142 Menschen ums Leben, darunter viele Zivilisten. Die Kritik nahm noch einmal entscheidend zu, als diesen Monat bei zwei Vorfällen 7 deutsche Soldaten getötet und mindestens 5 Männer schwer verletzt wurden, die mit ihren Fahrzeugen in Sprengffallen geraten waren. Dabei gab es auch Kritik an der offensichtlich mangelhaften Ausrüstung der Bundeswehr.

Panzer vom Typ Leopard zu schwer für Afghanistan

Karl-Theodor zu Guttenberg, so heisst es, habe zwar die Kritik an der Ausrüstung zurückgewiesen. Später habe der Verteidigungsminister aber trotzdem bekanntgegeben, dass im Verlauf des Jahres unter anderem „zusätzliche 150 bis 200 gepanzerte Fahrzeuge“ nach Afghanistan verlegt würden. Derzeit, so weiss man in Schweizer Offizierskreisen, sind bei der Bundeswehr in Afghanistan „etwa 975 geschützte Fahrzeuge verschiedener Modelle und Hersteller im Einsatz“. Das Berliner Verteidigungsministerium gehe davon aus, dass angesichts der verschärften Bedrohungslage durch Sprengfallen und Angriffe auf Konvois „600 davon baldmöglichst ersetzt werden müssen“. Deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 könnten jedoch nicht eingesetzt werden, da die alten Brücken des gebirgigen Landes dem über 60 Tonnen schweren Panzer nicht standhalten würden. Um dem akuten Mangel an gepanzerten Fahrzeugen möglichst schnell Abhilfe zu schaffen, seien am vergangenen Donnerstag im Eilverfahren für 61,5 Millionen Euro die 60 MOWAG Eagles IV geordert worden, für 2011 die weiteren 90 Fahrzeuge.

Foto:  Mowag http://www.mowag.ch

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