Initiative „Schöne Chérisy“ fürchtet massive Verdichtung

Bewohner kämpfen für den Erhalt eines lebenswerten Quartiers – Initiative meldet sich bei Treffen am Mittwoch zu Wort

Konstanz. Bewohner des Chérisy-Areals fürchten die Zerstörung ihres Biotops. Widerstand gegen die neuesten Baupläne auf dem Gelände regt sich. Am Mittwoch dieser Woche, 16. November 2011 ist um 19 Uhr im Kulturladen auf dem Cherisy-Gelände eine „Nachbarschaftsanhörung“ geplant. Die Stadt lädt ein. Die Initiative „Schöne Chérisy“ will sich beteiligen und ihren Protest zum Ausdruck bringen.

Der Anfang des Biotops Chérisy-Kaserne

Nach Abzug der französischen Garnison 1979 stand die Konstanzer Chérisy-Kaserne leer. Als in den 80-er Jahren die geburtenstarken Jahrgänge an die Konstanzer Uni drängten, war studentischer Wohnraum knapp. Die Geschichte der Studentenwohnungen in der Chérisy begann als Projekt der evangelische Studentengemeinde e.V.. Viele neue Studenten-WG’s sind damals entstanden. Die Eigeninitiative von Studenten und Arbeitslosen, die Wiederverwendung vorhandener Bausubstanz und der Ausbau in Etappen machten es möglich, dass neue Wohnungen in den Altbauten gebaut worden sind. Mit nur 20 Prozent der üblichen Kosten und Subventionen entstanden die ersten 50 improvisierten Wohnungen. Wer einziehen wollte, musste Steine schleppen.

Mehr als 1.200 Bewohner in dem Areal

Die Chérisy zeichnet sich bis heute durch eine hohe Lebensqualität aus. Darunter verstehen die Bewohnerinnen und Bewohner die den jeweiligen Bedürfnissen angepassten, in Wohnungen und Gewerberäume, Raum zum Leben mit ausreichend Grünflächen für Spiel und nachbarschaftliche Begegnung. Viel Grün, Freiflächen, Verkehrsberuhigung und Lärmschutz tragen in dem Biotop Chérisy zu einer hohen Lebens- und Aufenthaltsqualität bei. Kinderbetreuungsplätze für die Bewohner der Chérisy und der angrenzenden Stadtteile sind genauso entstanden wie kulturelle und soziale Einrichtungen für mehrere Generationen. Die AWO ist von ihrem Haus in der Friedrichsstraße in den Treffpunkt Chérisy gezogen. Mittlerweile leben mehr als 1200 Menschen aller Altersgruppen und Kulturen auf dem Areal.

Angst ums soziale Gefüge

Diese Stadtteilkultur wollen die Bewohner erhalten. Aus all diesen Gründen sprechen sie sich gegen den geplanten Bau weiterer Straßen und Gebäude auf dem Chérisy-Areal aus. Sonst, so früchten sie, könnte das soziales Gefüge weiterhin womöglich nicht mehr funktionieren.

Studentische Wohnungsnot

Dass die Situation auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt prekär ist, wissen auch die Bewohner des Chérisy-Areals. „Trotz bekanntermaßen steigender Studentenzahlen, ist in der Stadt Konstanz der Versorgungsgrad an Studentenwohnheimplätzen von 18,3 Prozent im Jahre 2009 auf 16,7 Prozent im März 2011 gesunken“, schreibt Rechtsanwalt Rudy Haenel,der Sprecher von „Schöne Chérisy!“. „Das waren zuletzt 2.344 Wohnheimplätze bei mehr als 1.500 Studenten auf den Wartelisten der Studentenwerke in Konstanz,“ rechnet Haenel vor. „Insbesondere durch den Doppeljahrgang 2012 wird sich die Zahl der Studenten weiter erhöhen, soll aber ab 2015 nicht weiter steigen“, so der Sprecher.

Zweifel an dem Projekt Privater

Die Stadt Konstanz plane, kurzfristig seit Sommer 2011 auf dem Gebiet des ehemaligen Cherisy-Geländes durch Verabschiedung sogenannter „vorhabenbezogener Bebauungspläne“ den Bau zweier Studentenwohnheime mit jeweils bis zu 700 Quadratmeter Gewerbefläche und insgesamt etwa 200 Wohnplätzen mit dazugehörigen Autostellplätzen durch Privatinvestoren zu ermöglichen. „Für beide Gebäude stehen bereits Privatinvestoren bereit, und ein Architektenwettbewerb wurde durchgeführt“, so Haenel.

Ende Oktober gründete sich Initiative

Am 26. Oktober 2011 habe sich die – Initiative“ „Schöne Chérisy!“, für den Erhalt eines lebenswerten Quartiers – gegründet. Sie besteht aus Bewohnern und Vertretern der Sozial-, Studenten- und Altenwohnungen und der zahlreichen kulturellen, sozialen und gewerblichen Einrichtungen auf dem Gelände zwischen Bahngleisen und Fürstenberg.

30 Jahre altes Quartier nicht zerstören

„Die Initiative befürchtet eine städtebauliche Kurzschlusshandlung mit massiver Verdichtung und Verbauung eines in mehr als 30 Jahren gewachsenen, beispielhaften sozialen Quartiers, ohne Berücksichtigung des ortsbildprägenden Wiesen- und Baumbestandes, und unter Verschärfung der bereits jetzt mangelhaften Freiflächen- und Verkehrsgestaltung bei ständig steigenden Verkehrsimmissionen“, schreibt Haenel.

Angebliche Pläne privater Investoren

Darüber hinaus bestehe begründeter Anlass zu der Vermutung, dass dauerhaftes studentisches Wohnen ohne öffentliche Förderung nicht das wirtschaftliche Ziel der Privatinvestoren sein könne, sondern am Ende, unter Umgehung des bestehenden Bebauungs- und Flächennutzungsplanes, teuer vermietbare oder gewinnbringend verkaufbare Wohnungen für Singles oder ältere Ehepaare entstanden sind, deren Nutzung sich mit der herrschenden gewachsenen Mischnutzung nicht vertragen würde, fürchtet der Sprecher der Initiative.

Initiative beteiligt sich bei „Nachbarschaftsanhörung“

Die Mitglieder der Initiative würden sich erstmals auf der von der Stadt Konstanz veranstalteten „Nachbarschaftsanhörung“am Mittwoch, 16. November 2011, um 19 Uhr im Kulturladen auf dem Cherisy-Gelände, öffentlich zu Wort melden.

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