Insolvenzantrag der Bodan-Werft am Bodensee ist ein Hammer

Kressbronner Gemeinderat will weniger Wohnungen am See – Werft sieht Schuld bei IG Metall

Bodenseekreis. Der Insolvenzantrag trifft die Beschäftigten der Kressbronner Bodan-Werft wie ein Schlag mit dem Hammer. Die IG Metall teilte mit, dass die Beschäftigten die Nachricht der Insolvenz mit großer Bestürzung und Wut aufgenommen hätten. Im März hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer wegen der angekündigten und geplanten Betriebsschließung nach fast viermonatigen, zähen Verhandlungen doch noch auf einen Interessenausgleich und Sozialplan sowie Abfindungen geeinigt. All das steht nun in Frage.

Das Projekt Marina

Auf der Werft gebaut worden ist in besseren Zeiten zum Beispiel auch die Sonnenkönigin. Wo seit immerhin 95 Jahren mit schwieligen Händen Schiffsbauer auch Ausflugsschiffe für den Bodensee zusammenschweißten, soll jetzt aber eine schicke Marina entstehen. Der Kressbronner Gemeinderat hatte den Weg schon einmal frei gemacht. Doch die Kressbronner Wutbürger setzten die Gemeinde im Nachhinein unter Druck. So sammelten sie zum Beispiel 1800 Unterschriften gegen die geplante Bebauung am Ufer. Vor einer Gemeinderatssitzung, in der sich der Rat in der vergangenen Woche nun doch für weniger Bebauung am Seeufer entschieden hat, hatten sich wieder etwa 150 Menschen vor und im Rathaus versammelt.

Werft gegen IG Metall

In Kressbronn stehen sich Giganten gegenüber. Auf der einen Seite steht der Werftbesitzer, der seinen Schiffsbaubetrieb aufgeben und auf dem Gelände Platz für eine Marina schaffen möchte. Auf der anderen Seite kämpft die mächtige IG Metall, die zuerst die Arbeitsplätze retten wollte und dann für Abfindungen in angemessener Höhe stritt. Seit Monaten ging das nun schon so.

Insolvenzantrag unerwartet

Mit einer Insolvenz hatte bei der IG Metall anscheinend niemand gerechnet. Der Insolvenzantrag wurde am Donnerstag dieser Woche beim Amtsgericht Ravensburg gestellt. Statt eine Notlandung könnte es nun einen Absturz geben. In getrennten Belegschaftsversammlungen, einer für das von der Insolvenz betroffene M.E.C. und die Werft sowie einer zweiten für die nicht von der Insolvenz betroffenen Gesellschaften – Holding, Freizeit und Hafen und Schwimmbadbau – informierte Geschäftsführer Dittmann die Mitarbeiter über die Insolvenz.

Schuldzuweisungen

Schuldig an der Insolvenz sollen der langjährige Betriebsratsvorsitzende und die IG Metall sein. Beide hätten nicht verhindert, sondern sogar dazu beigetragen, dass der Kressbronner Gemeinderat am 23. März seinen Beschluss änderte. In der vergangenen Woche hatte der Kressbronner Rat wenigstens teilweise die Pläne des Werft-Besitzers durchkreuzt. Die IG Metall behauptet: „Aufgrund des geänderten Gemeinderatsbeschlusses vom 23. März fürchtet Dittmann jetzt wohl nicht den ,goldenen Schnitt‘ machen zu können.“

IG Metall empört

Lilo Rademacher, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, stellte im Namen der Belegschaft öffentlich eine ganze Reihe von Fragen. Sie möchte zum Beispiel wissen: warum Dittmann am Freitag vergangener Woche in der Betriebsversammlung aller Beschäftigten der Bodan Gruppe kein Wort über eine drohende Insolvenz gesagt habe. Empört ist Rademacher darüber, dass der Interessenausgleich und Sozialplan, die von beiden Seiten unterzeichnet worden sind, jetzt in Frage gestellt seien.

60 Arbeitsplätze gehen verloren

Insgesamt 60 Beschäftigte der Bodan-Wert sind nach Angaben der IG Metall von der Schließung des Kressbronner Schiffsbaubetriebs betroffen. Sie werden – das stand schon vor der Insolvenz fest – noch im Laufe des Jahres ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Mehrzahl der Mitarbeiter sind laut IG Metall qualifizierte Schiffbauer mit hervorragenden Schweißfähigkeiten oder Schreiner.

Einigung über Sozialplan

Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen hatte es im März eine Einigung zwischen der Kressbronner Bodan-Werft und den Arbeitnehmervertretern gegeben. Für einen Sozialplan sollten nun 1,866 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Foto: Archiv wak

 

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