Installation im Konstanzer Kulturzentrum zeigt Türkinnen

Rebecca Koellner über Klischeebilder im Kopf – Fremde unter uns

Konstanz. „Der Boden, auf dem ich stehe“ ist der Titel einer Installation und Fotos von Rebecca Koellner. Die Künstlerin sucht Antworten auf die Frage, wie uns unsere türkischen Mitbürger sind. Zu sehen ist die Installation vom 6. bis 30. September 2012 im Gewölbekeller des Kulturzentrums am am Münster, Gewölbekeller. Vernissage ist am Mittwoch, 5. September, um 19 Uhr.

Konstanzer Künstlerin Gast in der Moschee

Rebecca Koellner lebt seit einigen Jahren als Künstlerin in Konstanz und besucht aus Neugier und Interesse öfters die Moschee. So fiel ihr auf, wie wenig wir über unsere türkischen Mitbewohner wissen, denen wir täglich begegnen. Ausgangspunkt für die Ausstellung im Gewölbekeller des Kulturzentrums war die Idee der Künstlerin, sich selber einmal als Türkin fühlen zu wollen. Sie griff auf unsere Klischeebilder im Kopf zurück: einfache türkische Frauen mit Kopftuch oder selbstbewusst moderne in schickem Outfit, mit Lippenstift, lackierten Fingernägeln und hochhackigen Schuhen. So thematisiert sie zugleich einen sozialen oder Generationskontrast, der unser Bild von Türkinnen prägt, und ergänzt diese Weiblichkeitsbilder, beispielsweise mit einem türkischen Küchenkraut, der glatten Petersilie, die erst die Türken in großen Büschen bei uns heimisch gemacht haben.

Unsere Bilder im Kopf

Der Gewölbekeller ist Teil eines Hauses aus dem 13. Jahrhundert in Konstanz, der für Kunstausstellungen genutzt wird. Von früheren Ausstellungen auf den Wänden zurückgelassene Nägel nutzt Rebecca Koellner für eine willkürliche Fadenverspannung. Rote, verschieden dicke Fäden ziehen über die Wand, überschneiden einander, bilden Schlaufen und geometrische Formationen, eine Art Kartographie, die unruhige, tastende oder entschiedene Migrationsbewegungen assoziiert. Dieser Wandzeichnung auf dem rohen, unverputzten Gemäuer des Gewölberaums stellt Rebecca Koellner Fotos gegenüber, die sie selbst als Türkin zeigen, ergänzt mit Aufnahmen von Gegenständen, die wir mit der türkischen Kultur verbinden. Alle Fotos sind freigestellt auf weißem Grund. Ein bildhauerisches Element kommt durch die Art der Montage hinzu: Statt mit Bilderrahmen für die Fotos zu operieren, wählt sie ein zusätzliches, dreidimensionales Zeichnungselement, rohe Holzleisten, die wie geöffnete Rahmen wirken und die gesamte Wandfläche dynamisch strukturieren. Auf den waagerechten Abschnitten sind die relativ kleinen Fotos paarweise und locker angeordnet. Hinter Glasscheiben montiert, lehnen sie leicht schräg auf den dicken Holzleisten.

Die Fremden und wir

Wie ist unser Verhältnis zu Fremden? Die Installation kann die Betrachter dazu einladen, über diese Frage nachzudenken.

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