Ja zu MTU Logistikzentrum in Kluftern

Vor zwei Jahren scheiterte MTU mit 40 Millionen Euro Investition in Salem

Friedrichshafen/Immenstaad/Salem (wak) Der Friedrichshafener Gemeinderat hat mit großer Mehrheit für den Bau eines Materialwirtschaftszentrums der MTU gestimmt. Der Dieselmotorenhersteller will im Ortsteil Kluftern ein neues Logistikzentrum für rund 40 Millionen Euro bauen. Vor fast auf den Tag genau zwei Jahren hatten sich die Bürger von Salem, nachdem sie heftigen Widerstand geleistet hatten, in einem Bürgerentscheid gegen den Bau des Logistikzentrums ausgesprochen.

Zwölf WM-Fußballfelder großes Baugrundstück

Die Gegner hatten sich damals zu einer Bürgerinitiative „Bürger-für-Salem“ zusammengeschlossen. Sie fürchteten durch das Logistikzentrum einen Anstieg des Schwerlastverkehrs auf das Doppelte bis Dreifache in der Ortsdurchfahrt von Neufrach und in anderen Salemer Teilorten. Bei einer Vollauslastung des Lagers und einer Erweiterung wäre es vielleicht sogar das Drei- bis Vierfache gewesen, erklärte die Bürgerinitiative. Erschreckt hatte die Salemer – neben dem Verkehr – auch der immense Flächenverbrauch von etwa 8,4 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Es wären nach Angaben des Bürgerinitiative etwa zwölf WM-Fußballfelder gewesen. Im Vergleich zum Fächenverbrauch hätte es in Salem aber nur sehr wenig Arbeitsplätze gegeben: 15 Arbeitsplätze je Hektar (Zielgröße des Flächennutzungsplanes waren aber 80 Apl/ha). Die Gemeinde hätte auch sonst steuerlich kaum profitiert, rechnete die Bürgerinitiative vor zwei Jahren vor. Die Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuerwären minimal gewesen.

Salem wäre der Top-Standort gewesen

Untersuchungen und Vergleiche der möglichen Standorte im Umkreis von 50 Kilometern rund um die MTU Werke I und II in Friedrichshafen hatten ergeben, dass die Gemeinde Salem für diese Ansiedlung gute Voraussetzungen bieten würde. „Sowohl von der Größe der angeboten Fläche, der Erreichbarkeit als auch der umgebenden Infrastruktur wären wir ein geeigneter Standort für MTU“, sagt damals der Salemer Bürgermeister Härle. Er hatte von 160 Arbeitsplätzen gesprochen und gegen die Mehrheit der Salemer Bürger engagiert für die Ansiedlung des Logistikzentrums gekämpft.

Bürgerentscheid in Salem erzwungen

Die Pläne hatten bei betroffenen Anwohner immer heftigere Proteste hervorgerufen. Die „Bürger-für-Salem“ erklärten damals, dass sie sich übergangen fühlten und fanden, eine Entscheidung mit solcher Tragweite könne nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden. Begriffe wie „verantwortungslos“, „undemokratisch“ und „unmoralisch“ standen im Raum. Die Bürgerinitiative hatte so gut 2.000 Unterschriften gegen das Logistikzentrum gesammelt, weshalb schließlich der Bürgerentscheid vom Gemeinderat auf den Weg gebracht wurde.

5814 Salemer Bürger stimmten ab – Mehrheit sagte nein

Die Wahlberechtigten in Salem stimmten im April 2008 bei dem Bürgerentscheid denn auch gegen die Ansiedlung des Logistikzentrums. 50,7 Prozent der Bürger sagten nein zum Großprojekt im Gewerbegebiet im Ortsteil Neufrach, immerhin 49,3 Prozent waren dafür. Insgesamt waren 8.346 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen, 5.814 Bürger gingen in die Wahllokale.

Kluftern springt in die Bresche

Der Ausgang des Bürgerentscheids war auch eine Schlappe für den Wirtschaftsstandort Bodenseekreis. Eine teure Werbekampagne war ins Leere gelaufen. Die Nein-Sager mit ihren selbst gemalten Schildern und Transparenten  hatten gesiegt. Die MTU musste sich im Umkreis von Friedrichshafen erneut auf Standortsuche machen. Das Unternehmen stellte die Standortfrage. Eine Kommune – am Ende war es Friedrichshafen selbst – musste in die Bresche springen. Der Gemeinderat von Friedrichshafen hat nun mit großer Mehrheit den Weg für den Bau eines Materialwirtschaftszentrums der MTU in Kluftern freigemacht. Der Dieselmotorenhersteller will jetzt im Ortsteil ein neues Logistikzentrum für rund 40 Millionen Euro bauen. Nicht alle Betroffenen in Kluftern sind begeistert. Es fehlt jetzt nur noch das Ja des Gemeinderats von Immenstaad. Denn das Baugrundstück liegt im interkommunalen Gewerbegebiet auf der Gemarkung von Immenstaad.

Foto:mtu

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