„Jeder Euro war ein Euro für uns“

Initiative Nein-zu-Klein-Venedig analysiert den Ausgang des Bürgerentscheids

Konstanz (wak) Politik gegen die Bürger ist in Konstanz nicht machbar. Das ist ein Fazit, das Günther Schäfer, Sprecher der Initiative Nein-zu-Klein-Venedig, am Mittwochabend gezogen hat. Eine Stadtverwaltung und ein Gemeinderat können nicht gegen die Mehrheit in der Bevölkerung regieren.

Befürworter hatten mehr Werbematerial

Am vergangenen Sonntagabend, als das Ergebnis des Bürgerentscheids feststand, waren die Befürworter des Konzert- und Kongresshauses geschlagen. OB Horst Frank stand 28 Monate vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit vor einem Scherbenhaufen.

„Für uns war der Ausgang ein bisschen überraschend“, sagte Günther Schäfer von der Initiative Nein-zu-Klein-Venedig. Die Bürgerinitiative sei zwar von ihren Argumenten überzeugt gewesen. Die Befürworter eines KKH aber hatten ein riesiges Werbepotential und die größere logistische Unterstützung. Auch die veröffentlichte Meinung, konkret die Tageszeitung, stand nicht auf der Seite der KKH-Gegner, so Schäfer.

Verlust der Glaubwürdigkeit

Günther Schäfer analysierte den Ausgang des Bürgerentscheids und stellte zwei Thesen auf, weshalb an Ende doch die Gegner in der Mehrheit waren und David Goliath besiegte: Seit dem Bürgerentscheid von 2003, bei dem bereits eine Mehrheit nein sagte und bei dem nur das Quorum verfehlt wurde, sei eine Planung gegen den Willen der Mehrheit betrieben worden, sagte Schäfer. Das konnte nicht gut gehen.

Der zweite entscheidende Punkt sei die mangelhafte Information über Risiken des Projekts gewesen, erklärte Schäfer. „Es war der Versuch, die Bevölkerung über Risiken hinweg zu täuschen“, so Schäfer. Entscheidend sei auch gewesen, dass die Tagespresse ihre Glaubwürdigkeit verloren habe. Die Frage KKH auf Klein Venedig ja oder nein zur Schicksalsfrage zu erheben, sei unglaubwürdig gewesen.

Gewonnen mit dem Geld der Gegner

„Die Kampagne Konstanz gibt den Ton an sollte emotionalisieren“, so Schäfer. Beauftragt war dieselbe Werbeagentur, die in Hamburg schon die Kampagne für die Elbphilharmonie gemacht hatte. Zuerst hatten nur Promis fürs KKH geworben. Am Ende war es zu viel Werbung. Je größer die Plakate wurden, desto weniger konnten die Befürworter die Menschen überzeugen, glaubt Schäfer. „Jeder Euro, den die Befürworter ausgaben, war ein Euro für uns“, sagte Schäfer. Gewonnen habe die Initiative Nein-zu-Klein-Venedig mit dem Geld der Gegner.

Nein-zu-Klein-Venedig gab unter 10.000 Euro aus

Die Kampagne der KKH-Gegner kostete 9800 Euro. 9500 Euro nahm die Initiative Nein-zu-Klein-Venedig an Spenden ein. Darunter waren 1500 Euro von der Freien Grünen Liste, eine Spende des Oktoberfestveranstalters Fetscher sowie viele kleine und mittlere Beträge, sagte Karin Göttlich, die die Finanzen verwaltete. Ute Hauth hatte in kürzester Zeit eine Website erstellt, die Bernd Sonneck und Patrick Brauns redaktionell betreuten. Die Banner-Aktion war erfolgreich. Viele Unterstützer der Kampagne halfen sich gegenseitig und arbeiteten kostenlos. In vier Wochen hatte die Initiative Nein-zu-Klein-Venedig mehr als 16.000 Besucher auf ihrer Seite im Internet. Über 111.000 Seiten wurden angeklickt. Erstmals konnte eine Bürgerinitiative bei einer wichtigen Entscheidung in Konstanz – auch ohne auf die Tageszeitung angewiesen zu sein – selbst informieren und Dokumente ins Netz stellen.

Ein Kommentar to “„Jeder Euro war ein Euro für uns“”

  1. dk
    25. März 2010 at 12:47 #

    Der Artikel von Hr. Schäfer klingt etwas sehr nach “ökologischen Montags-Demos”. Gab es nicht ähnliches im Jahre 1848 in Konstanz (ohne Ökologie, aber mit Namen “Hecker”)?

    Vielleicht haben die Wähler auch nur auf dem eigenen Bankkonto kein Guthaben für eine Spende an die Stadt finden können.

    Würden Sie Ihr Vermögen im Kasino alles auf eine Zahl setzen?
    Die Stadt hat dieses als Geschäftsmodell für die Zukunft und Schicksalsfrage gemacht und indirekt die Frage nach dem eigenen Schicksal der Bürger gestellt (Armuts-Risiko).

    Die Furcht vor einem Kahlschlag wäre sicher auch für 1000 Euro Werbemittel möglich gewesen. Oder sogar für wesentlich weniger?

    Diese Frage bleibt offen; auch “wie wäre das Geschäftsmodell für die Stadt” ausgegangen?
    Und “wieviele Ja-Sager haben die nächsten Jahre einen unerwartet ruhigen Tiefschlaf”?
    Viele Fragen sind auch schlechte Zeiten für neugierige Nichtwähler.

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