Jetzt kommt auch noch Zeeman nach Konstanz

Textile Lektion zur Globalisierung – mit Überraschungen

Textiler Zeeman zieht an den FischmarktKonstanz Die niederländische Zeeman-Gruppe eröffnet am kommenden Dienstag am Fischmarkt in den Räumen der ehemaligen SEB-Bank (vormals BfG) eine weitere Filiale ihrer Textil-Einzelhandelskette, die mittlerweile etwa 1100 Läden umfasst. Damit lässt sich in Konstanz ein weiteres, global agierendes Modeunternehmen nieder. Die häufig abschätzig beurteilten und gelegentlich verteufelten Ketten mit Einkaufsbüros in Shanghai, Peking und Hongkong, warten beim näheren Hinschauen mit manchen Überraschungen auf, auf jeden Fall mit Lehrbeispielen in Sachen Globalisierung.

H&M gibt es demnächst drei Mal in und um Konstanz

Hennes & Mauritz, H&M, der schwedische Textileinzelhandelsriese, gilt als erfolgreichstes Unternehmen seiner Branche. H&M beschäftigt aktuell etwa 76.000 Mitarbeiter in 2000 Geschäften in 37 Ländern dieser Welt. Noch vor 10 Jahren hatte H&M wenig Interesse gezeigt, auch in Konstanz ein Geschäft aufzumachen. Die Konstanzer, so hiess es seinerzeit bei H&M, würden sich gerne in St. Gallen, auch in Zürich und sogar in Singen mit H&M-Textilien eindecken; eine eigene Filiale in Konstanz sei nicht gerade viel versprechend. Inzwischen ist H&M hierzulande bald drei Mal vertreten: im Lago Konstanz, im Karussell (Coop) in Kreuzlingen und demnächst, laut einem Bericht des „Südkuriers“, auch im ehemaligen Woolworth an der Marktstätte.

Jede Woche eine neue Filiale in Europa

Doch zurück zu Zeeman, dem niederländischen Unternehmen, das am 8. November am Konstanzer Fischmarkt ein Geschäft auf etwa 250 Quadratmetern aufmachen wird. Die Holländer eröffnen allein diesen Monat, im November 2010, zehn neue Filialen, je 3 in Frankreich, Belgien und Deutschland, dazu ein neues Geschäft im heimischen Holland. In den bestehenden, rund 1.100 Filialen werden pro Jahr rund 60 Millionen Kunden bedient. Zur Unternehmensphilosophie gehört die „Achtung vor dem Menschen und der Umwelt“. Besonders stolz ist man bei Zeeman auf das aktuelle Zertifikat von Dun&Bradstreet, das dem Unternehmen bescheinigt, ein äusserst zuverlässiger und kreditwürdiger Partner zu sein. Fast jede Woche, heisst es bei Zeeman, eröffne man derzeit irgendwo in Europa eine neue Filiale.

20.000 Mitarbeiter erzielen 1,2 Milliarden Euro Umsatz

KIK, zumindest in Deutschland alleroberster Preisbrecher in Sachen Jungtextilien, ist in Konstanz schon etabliert, und zwar am Zähringerplatz. Das zur Tengelmann-Gruppe zählende Unternehmen mit zuletzt 20.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro kam in die Kritik der DGB-Gewerkschaft ver.di, weil es, wie es hiess, Mitarbeiter ausspähe und zu Dumpinglöhnen beschäftige. Auch Arbeitsbedingungen in Zulieferländern werden kritisiert. Das Unternehmen wurde vor 16 Jahren in Unna gegründet.

Fast 100 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich

Auch Pimkie gehört zu einer in Konstanz vertretenen, international agierenden Einzelhandelsgruppe. Diese Gruppe, die von der nordfranzösischen Familienholding der Mulliez dirigiert wird, zählt mit ihren etwa 3 Dutzend Ketten zu den besonders interessanten Handelszusammenschlüssen Europas. Nicht zuletzt deswegen, weil sie mit dem italienischen Imperium der Familie Berlusconi, deren Silvio immer noch als Römer Ministerpräsident regiert, verbandelt ist. Pimkie verfügt über ein europaweites Netz von 650 Filialen und wirbt mit der „Femininsierung als Geschäftsmodell“. Dieses Konzept wurde bereits weitestgehend durchgesetzt: 96 (!) Prozent aller Beschäftigten bei Pimkie sind weiblichen Geschlechts.

Foto: Screenshot http://www.zeeman.com/home.aspx

3 Kommentare to “Jetzt kommt auch noch Zeeman nach Konstanz”

  1. Patrick Brauns
    3. November 2010 at 09:37 #

    Ist Zeeman wirklich ein „Mode-Unternehmen“?
    Was heißt Globalisierung in dem Fall außer: einkaufen, wo es am billigsten produziert wird?
    Ist diese „Femininsierung als Geschäftsmodell“ ein Erfolg der Frauenbewegung oder des Niedriglohnsektors?
    Fragen über Fragen …

  2. Bruno Neidhart
    3. November 2010 at 10:43 #

    Es sollte sich herum gesprochen haben, dass in Deutschland – und in wirtschaftlich vergleichbaren Ländern des Westens – das Produzieren von Textilwaren derzeit zwar nicht ganz verunmöglicht, doch zu einem arg schweren Geschäft geworden ist und derzeit nur noch in einzelnen Sparten lebt (Beispielhaft: Das T-Shirt von der Schwäbischen Alb mit dem im TV tüchtig herumweibelden Chef). Dass international agierende Grosskonzerne in diese Lücke gestossen sind, dabei in ihrem Tun nicht immer den erwünschten Standard in verschiedenen Aspekten einhalten, ist bekanntlich die andere, kritisierbare Seite (der Globalisierung). Und zu verkaufen ist diese billig produzierte „Billigware“ eben nur, wenn die Löhne des Personals ein gewisses Mass nicht überschreiten und alles top organisiert ist. Nutzniesser in diesem System ist vor allem auch die Käuferriege der 16 Prozent statistisch ausgewiesenen „Armen“ in Deutschland – immerhin! Dass sich auch die (derzeit noch vorhandene) Mittelschicht und sogar die als „reich“ Titulierten zwischen den engen Regalen hindurch zwängt, weist auf das „allgemeine Erfolgsmodell“ hin. Daneben sind in den Auslagen einschlägiger Geschäfte auch Kleiderwaren zu „bewundern“, die – als Einzelstück – preislich oft das Mehrfache des Einkommens von Hartz IV-Empfängern ausmachen. Dies schein die Entwicklung der Gesellschaft, das Oben und das Unten, zu bestätigen. Die Mittelschicht wird bröckeln – oder tut es bereits (sagen uns „Experten“ täglich). Was bleibt zu tun?

  3. Erik Passberg
    3. November 2010 at 20:24 #

    Aber es gab doch schon mal einen Zeeman in Konstanz?

    Es waren zwar nur gefühlte fünf Minuten und ich war persönlich niemals drin.

    Wenn ich mich aber richtig erinnere gab es doch im ehemaligen Aldi und jetzt Denn’s Biomarkt in der Bodanstraße für ganz kurze Zeit einen Zeeman.

    Damals dachte ich dann allerdings dass der Laden sich nicht durchsetzen konnte und deshalb pleite gegangen ist – wirklich gesagt hat mir die Marke bis zu dem Artikel hier nicht.
    Allerdings hat sich mir die Anziehungskraft damals auch schon nicht erschlossen und ich bezweifle dass Sie das in Zukunft tun wird.

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