Junges Theater Konstanz zeigt sehr moderne Musketiere

40 junge Frauen und Männer spielen und tanzen Dumas Musketiere neu

Konstanz (wak) „Wir sind Musketiere“ ist der Titel eines neuen Stücks des Jungen Theaters, das am Samstag, 5. Juni, Premiere auf der Bühne der Spiegelhalle hat. Das Junge Theater am Konstanzer Stadttheater hat den Stoff Alexandre Dumas neu interpretiert, adaptiert und aus dem 19. Jahrhundert in die Lebenswelt des 21. Jahrhunderts übersetzt, in dem es längst aus der Mode gekommen ist, für seine Ideale zu sterben. „Einer für alle, alle für Einen!“, das Motto der drei Musketiere aber ist noch immer aktuell. Das behauptet das Junge Theater. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder Bodensee-Städten wären rein zufällig.

40 junge Schauspieler und Tänzer

Die Produktion ist eine gemeinschaftliche Arbeit des Jugend- und Tanztheaterclubs. Die rund 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 13 und 18 Jahren, die aus Konstanz, anderen Bodensee-Städten und der Schweiz stammen, haben mit Texten und Szenen improvisiert. Die Geschichte, die sie erzählen, ist eine Adaption von Dumas Musketieren, die beweisen soll, dass es auch heute große Ziele gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Jugendliche tun das heute freilich nicht mehr im legendären Outfit und mit Mitteln der Musketier, sie treten nicht mehr im Mantel und auch nicht mehr mit dem Degen bewaffnet auf, sondern sie kämpfen – ganz modern – auf politischer Ebene.

Ihr Ideal ist ein freier Ort für Jugendliche

Das Ziel, ihr Ideal im Stück ist ein Ort, an dem sie die Freiheit haben, sich aufzuhalten. Entsprechend weit entfernt sich das Junge Theater denn auch von der Originalgeschichte Dumas. Im Stück bekommen die Jugendlichen ein Haus, den „Alten Bahnhof“. Vor dem Gebäude treffen zwei Jugendgruppen aufeinander. Ganz egal, ob sie Anhänger der „Trevis“ oder der „Lieux“ sind, das Gefecht können sie nur gewinnen, wenn sie zusammen kämpfen. „Einer für alle, alle für Einen“, sagt Theaterpädagogin Raphaela Kurz. Ein Bezug zu Konstanz sei nicht beabsichtigt gewesen. Dass „Wir sind die Musketiere“ mit der Lebenswelt der Jugendlichen zu tun hat, ist andererseits aber auch nicht auszuschließen, sagt Theaterpädagoge Felix Strasser. Das Theater ist immer auch Spiegel von Ort und Zeit. Und das ist gut so. So gibt es im Stück zwar einen König, er ist im 21. Jahrhundert aber Oberbürgermeister.

Harte Probewoche in den Pfingstferien

Seit November proben die jungen Schauspieler bereits. Bis Januar oder Februar waren sie vor allem mit Spiel- und Sprachtraining beschäftigt. In den Pfingstferien haben die Akteure an sieben Tagen jeweils acht Stunden geprobt. Das sei schon professioneller Theaterbetrieb. „Die Jugendlichen lernen wie sich Theater entwickelt“, so Strasser. Die Spiegelhalle ist ihr Treffpunkt, ja ihre Heimat geworden – auch wenn sie noch nicht in der Theaterspielstätte campieren.

„Publikumsentscheid“ über das Ende des Stücks

Die Choreografie des Stücks hat das Junge Theater und den Theatertanzclub sehr beschäftigt. Den die Choreografie erzählt die Wendepunkte in der Geschichte der modernen Musketiere, die theatral aufbereitet ist. Verschiedene Erzähltechniken treiben die Handlung vorwärts. Die Schauspieler wechseln immer wieder zwischen den verschiedenen Gruppen. Auch das ist beabsichtigt. Der Schluss des Stücks ist offen. Es gibt zwei mögliche Enden: Entweder die jungen Musketiere bekommen das Haus oder sie bekommen es nicht. In jeder der insgesamt zehn Vorstellungen gibt es einen Bürgerentscheid, der in der Spiegelhalle zum „Publikumsentscheid“ wird.

Aufkleber und Werbung im „Untergrund“

Begeisterungsfähige junge Schauspieler zu finden, war nicht schwer. „Ein Selbstläufer“, sagen Raphaela Kurz und Felix Strasser. „Es spricht sich rum“, so er Theaterpädagoge. Das Wort „Untergund“ fällt. Überall in den Schulen, auf Toiletten und an vielen anderen Orten pappen die runden schwarzen Aufkleber mit den Symbolen der Musketiere, mit denen das Junge Theater unkonventionell aber wohl erfolgreich für „Wir sind Musketiere“ wirbt.

Personen und Aufführungen

Junges Theater Konstanz, Inszenierung und Ausstattung: Raphaela Kurz, Johannes Merz | Choreografie: Tanja Jäckel, Ingrid Bergmann | Dramaturgie: Nicola Käppeler, Kerstin Daiber | Produktionsleitung: Raphaela Kurz | Theaterpädagogik: Felix Strasser. Es spielen der Jugend- und der Tanztheaterclub Theater Konstanz

Premiere, Samstag, 5. Juni, 20 Uhr Spiegelhalle

Weitere Termine: 07./08./09./11./12./13./15./16. und 17.06.2010, jeweils um 20.00 Uhr

Information und Reservierung unter 07531/900 150 oder theaterkasse@stadt.konstanz.de

Fotos: Stadttheater Konstanz

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.