Jüngster Konstanzer Oberbürgermeister mit Anspruch auf Privatleben

Uli Burchardt hält eine erste programmatische Rede im Rathaussaal – Neuer OB hat Amtseid geleistet

Konstanz. Der neu gewählte Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt ist mit 41 Jahren der jüngste OB, den die größte Stadt am See in ihrer neueren Geschichte hatte. Am Montag hat er sein Amt angetreten. Für seine erste programmatische Rede als Oberbürgermeister erhielt er viel Applaus. Der neue Oberbürgermeister kündigte an, er werde sich auch als Oberbürgermeister die Zeit für einen Rest Privatleben nehmen, für die Regeneration und für seine Tochter.

Konstanzer OB Uli Burchardt vereidigt

Zwei Stunden dauerte die Amtseinführung. Denn reden durften vor den rund 150 Gästen auch die Vertreter sämtlicher Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat. Als dienstältester Stadtrat führte Jürgen Leipold (SPD) den neuen OB, der im Juli im zweiten Wahlgang gewählt worden war, in das Amt ein und vereidigte Uli Burchardt als neuen Oberbürgermeister der Stadt Konstanz.

Von Schlangen und Rathäusern

Jürgen Leipold begann seine Rede mit dem Hinweis darauf, dass das Rostocker Rathaus eine Schlange ziere. Die Schlange könnte für Doppelzüngigkeit stehen oder auch für Weisheit, so Leipold. An der Fassade des Konstanzer Rathauses gebe es zwar keine Schlange, aber im Rathaus eine willige Verwaltung und einen Gemeinderat, der ein besonderer sei. Selbst die beiden größten Fraktionen zusammen hätten im Konstanzer Rat keine Mehrheit. (Die größten Fraktionen stellen die Freie Grüne Liste und die CDU.)

Schönstes Amt in Deutschland

Regierungsvizepräsident Klemens Ficht sagte, das Amt des Konstanzer OB’s sei das schönste Amt in Deutschland. Der Wahlkampf in Konstanz sei kurios gestartet. Zuerst habe es so ausgesehen, als ob Konstanz gar keinen neuen OB bekommen würde. Ficht erwähnte die niedrige Wahlbeteiligung, sagte aber, dass Burchardt von immerhin 39,1 Prozent gewählt worden ist. Auch in Freiburg sind die brisanten Konstanzer Themen bekannt: Wohnen, Verkehr, Bahnhof, Konziljubiläum und sogar Konflikte in Petershausen.

Von Demut und Interessen

Für den baden-württembergischen Städtetag sprach der Radolfzeller OB Jörg Schmidt. Er sprach von einem spannenden Amt, das auch Demut erfordere. Schmidt sagte: „Täglich begegnen Sie Ihrer Bürgerschaft.“ Der OB werde beurteilt – von den Bürgern und der Presse. Jörg Schmidt erinnerte daran, dass die Summe der Sonderinteressen nicht mit dem Gemeininteresse gleichzusetzen sei. Landrat Frank Hämmerle erklärte: „Jetzt beginnt die Arbeit.“ Dem neuen OB wünschte er eine „gute Kondition“.

Aufgaben auf der To-Do-Liste

Als erste Rednerin aus den Reihen des Gemeinderats trat Christiane Kreitmeier ans Mikrofon. Am Samstag hatte sie bei der Verabschiedung des alten OB’s Horst Frank gesprochen, am Montag setzte sie dem neuen OB die ihrer Meinung nach bedeutendsten Themen auf die To-Do-Liste. Sie begann mit dem Glasverbot, der Wohnungsnot, der Stadtentwicklung 2020 und sprach von der Stärkung der Vororte. Roger Tscheulin (CDU) sagte, Uli Burchardt sei ausnahmsweise kein Jurist, sondern Forstwirt und Quereinsteiger.

Moderator und Manager

Jürgen Ruff (SPD) sagte, er habe Burchardt als offenen Menschen kennengelernt. In seinem Buch habe Burchardt geschrieben, dass unkonventionelle Wege zum Ziel führen. Hier habe der neue OB in der SPD eine Verbündete. Ruff appellierte an den neuen OB, er möge die Stadt zum Wohle der Bürger voran bringen. Ewald Weisschedel (Freie Wähler) lobte, dass Burchardt ohne fertiges Konzept angetreten ist und eine „moderierende Rolle“ übernehmen wolle. Jürgen Wiedemann (UFG) sagte, Burchardt werde hoffentlich ein „menschlicher Manager“ werden.

Vom Aussterben bedroht

Der Preis für die launigste Rede bei der Amtseinführung hätte Heinrich Everke (FDP) bekommen müssen. Er sagte, ein OB müsse eine psychische Besonderheit haben. Vor der Wahl müsse er viel Geld mitbringen und seine Freizeit acht Wochen lang auf Podien verbringen. Wenn er dann gewählt sei, werde er für alles in der Stadt verantwortlich gemacht. Everke sprach über verschiedene Grüns in Konstanz, über Schwarz- und Rotwild. Dem Förster Buchardt legte Everke aussterbende Arten wie die vier gelben Pflänzchen im Konstanzer Gemeinderat besonders an Herz.

Spannung vor erster Rede

Mit Spannung erwarteten die Gäste die erste Rede des neuen Oberbürgermeisters. Uli Burchardt enttäuschte die 150 im Rathaussaal nicht. An den Anfang seiner Rede stellte er Bemerkungen zu globalen Problemen und dem Euro. „Wir leben in einer Zeit der Krise“, so Burchardt. Nachhaltigkeit sei das Zukunftsthema. Konstanz sei eine besondere Stadt. Der neuen OB erwähnte besonders die beiden Hochschulen und ihre Bedeutung für Konstanz.

OB ohne fertiges Programm

Für Nachhaltigkeit in der Kommunalpolitik habe er kein fertiges Rezept. Burchardt sagte dennoch einiges zu den Themen Ökonomie, Ökologie und Soziales. In Konstanz müssten mehr Wohnungen gebaut werden als in den vergangenen Jahren. Nicht einverstanden wäre er als OB, wenn in Konstanz in Mensen wegen einer Ausschreibung Obst und Gemüse nicht aus der Region komme. Notfalls würde er es in diesem Fall auf eine juristische Auseinandersetzung ankommen lassen, so Burchardt. Rechtlich prüfen lassen will er auch, ob es möglich ist, für Allmannsdorf-Staad und Wollmatingen Bezirksräte einzurichten.

Pro Bürgerschaftliches Engagement

Bürgerschaftliches Engagement wolle er fördern, sagte der neue OB. Eine von vielen Gruppen geforderte Stelle wolle er schaffen. Sein Amtsantritt stehe für Kontinuität und Neubeginn. Burchardt kündigte an, dass die Stadt „glasklare Ziele“ brauche und Prioritäten für die nächsten Jahre.

Verkehr ist eine Priorität

Weiter sagte Burchardt, dass er sich dafür einsetzen wolle, dass der Seehas auch an den Abenden und nachts fährt, damit Studierende, die nicht in Konstanz wohnen, am studentischen Leben teilhaben könnten. Der OB kündigte an, sich für die B 33 und die Bahnanbindung von Konstanz einsetzen zu wollen. Bereits am Samstag habe er das Gespräch mit Landesverkehrsminister Winfried Hermann gesucht.

Privates und Platon-Zitat

„Parteizugehörigkeit spielt auf kommunaler Ebene eine untergeordnete Rolle“, sagte der neue Oberbürgermeister, der Mitglied der CDU und von Attac ist. Uli Burchardt erklärte: „Ich freue mich sehr auf dieses Amt.“ Er kündigte an, dass er auch als OB nicht auf einen Rest Privatleben verzichten wolle. Weiter sagte der neue OB, er werde junge Menschen ermuntern, sich zu engagieren – auch im Gemeinderat. Zum Schluss seiner Rede zitierte Uli Burchardt Platon: „Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Misserfolg: Es allen Recht machen zu wollen.“

Ein Kommentar to “Jüngster Konstanzer Oberbürgermeister mit Anspruch auf Privatleben”

  1. dk
    11. September 2012 at 09:00 #

    … Jürgen Leipold begann seine Rede mit dem Hinweis darauf, dass das Rostocker Rathaus eine Schlange ziere. Die Schlange könnte für Doppelzüngigkeit stehen oder auch für Weisheit, so Leipold. …

    Bei Wikipedia gibt es 2 Abschnitte zu “Schlangen”: beim Verhalten wird besonders auf das vielfältige “Drohverhalten” und das “Verteidigungs-Verhalten” eingegangen; als Symbol wird sie in verschiedenen Kulturen sehr unterschädlich gesehen.

    Für eilige Leser:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangen#Verhalten
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangen#Symbolik_und_Mythologie
    Bei Google gibt es für die Suche “Schlange Symbol” noch weit ausführlichere Texte.

    Aus dem Wildpark

    Beim gestrigen Mittagessen mit einer Rentnerin wurde zufällig der letzte Teil einer TV-Sendung über den “Wildpark Lüneburger Heide” angesehen. Eine Tierpflegerin mit osteuropäischen Akzent ging gelassen wie selbstverständlich in das Wolfsgehege; die Tiere kamen wie lammfromme Haustiere auf sie zu, umringten sie und wurden gefüttert. Während die anderen schon kräftig speisten, setzte sie sich auf den Boden und der Leitwolf kam auf sie zu, um zu schmusen: sich lange kraulen lassen und als Danke das Gesicht der Pflegerin abzulecken. Das ganze hat eher gewirkt, als hätte ein kleines Mädchen ihre Hunde-Welpen versorgt. Bisher wurde in Medien nur der Eindruck vermittelt, dass Wölfe scheue Wesen sind und selbst langjährige Wärter etwas Sicherheitsabstand bei grosser Konzentration bewahren.

    Zum Schluss wurde noch ein Rundgang mit 3 Ponys durch den Park gefilmt, wobei er auch am Wolfsgehege vorbeiführte. Die Ponys konnten mit starken Geruch und den Wölfen nichts anfangen, Wölfe und Ponys schauten sich als “noch nie gesehene Vierbeiner” nur an, wobei die Ponys etws angespannt gewesen sein sollten. Das Vertrauen zu ihren begleitenden Tierpflegern war aber zu gross.

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