Kandidatenwatching in Konstanz: Mensch ärgere Dich nicht

„Gefühlt“ zwei Drittel der Redezeit für Andreas Hoffmann (CDU) – Sympathischer Auftritt des SPD-Zweitkandidaten Tobias Volz

Konstanz. Mehrere hundert Wähler nahmen sich zwei Stunden Zeit, um den fünf Landtagskandidaten des Wahlkreises Konstanz Andreas Hoffmann (CDU), Siegfried Lehmann (Bündnis 90/Grüne), Tobias Volz (SPD), Tatjana Wolf (FDP) und Bernhard Hanke (Die Linke) zuzuören. Die Tageszeitung hatte ins Konzil geladen. Eine Stunde lang ging es fast nur um Atompolitik. Zwei Drittel der Redezeit beanspruchte Andreas Hoffmann. Hier der Abend in 13 Sätzen und einem Statement aus dem Publikum.

 

Wahlveranstaltung in 13 Sätzen

1. Auf den Sound-Check hatten die Veranstalter verzichtet, weshalb das Podiumsgespräch mit einer Tonstörung begann und die Mehrzahl der Besucher nicht verstanden hat, was Redakteur Dieter Löffler zu Beginn des Abends sagte.

2. Es ging zackig los und Co-Moderator Jörg-Peter Rau begrüßte als ersten Gast Andreas Hoffmann (CDU) vom „grünen Flügel“ der Partei – wie Jörg-Peter Rau es sagte.

3. Tobias Volz, sehr sympathischer Zweitkandidat der SPD, Vater zweier Schulkinder und Unternehmer aus Allensbach, wurde als Kandidat mit Migrationshintergrund eingeführt, weil er eine indische Mutter habe, obwohl Tobias Volz anders als Zahide Sarikas, die er seit dem Überfall in der vergangenen Woche vertritt, über sehr viel mehr redet als nur über das Thema Integration, das wohl auch für viele SPD-Wähler nicht die aller höchste Priorität haben dürfte.

4. Auch der in Radolfzell wohnende Siegfried Lehmann wurde als Kandidat mit Migrationshintergrund präsentiert – er kam als Vierjähriger mit seinen Eltern aus Brandenburg in die alte BRD.

5. Gefühlt den stärksten und langanhaltendsten Applaus für seine Redebeiträge bekam mehrmals Siegfried Lehmann, der zum Beispiel auf die Frage antworten musste, ob die Grünen eine „Dagegen Partei“ seien.

6. Siegfried Lehmann bezeichnete Mappus, als es um das Thema Atompolitik ging, als Wendehals.

7. Den aller größten Applaus gab es, als beim Thema Atompolitik und EnBW-Kauf (am Landesparlament vorbei) Lehmann plötzlich sagte, dass „dieser Ministerpräsident abgewählt gehört“.

8. Andreas Hoffmann beanspruchte überproportional viel Redezeit, die ihm die Moderatoren offenbar gern gewährten, er durfte viele Zahlen und Fakten ausbreiten, was streckenweise aber etwas langatmig wirkte, und er sagte, die EnBW sei ein „guter Kauf“ gewesen.

9. Bernhard Hanke sollte etwas zu Stuttgart 21 sagen und er wurde mit der Haltung von Uli Maurer konfrontiert, der seit Oktober 2009 stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag und einer der Linken Köpfe im Land ist sowie vormals ein glühender Befürworter des Projekts S 21 war – Hanke sagte: „Weiß ich nicht, dann wird es seine Meinung geändert haben.“

10. Auch Tobias Volz musste etwas zu Stuttgart 21 sagen (Frage: Stimmt, wer die SPD wählt, für oder gegen S 21?) und er bekam Beifall, als er sagte, dass es in der SPD Befürworter und Gegner des Projekts gebe und die Partei nach der Wahl eine Volksbefragung machen möchte.

11. Andreas Hoffmann machte seinerseits einen feinen Unterschied, als es um Stuttgart 21 und die Proteste ging, als er sagte, dass die „Blockade“ anders als das Demonstrationsrecht kein Verfassungsrecht sei. S 21 werde gebaut.

12. Beim Thema Bildung wollte Tatjana Wolf Kinder nicht 13 Jahre gemeinsam lernen lassen, worauf Tobias Volz, der für längeres gemeinsames Lernen ist, einwarf, dass diese Gefahr seit der Einführung von G8 gar nicht mehr bestehe.

13. Beim Thema „soziale Stadt“, für die demnächst die Fördermittel, die der Bund gab, auslaufen, sagte Andreas Hoffmann, er werde sich nicht dafür einsetzen, dass das Land an Stelle des Bundes Geld für die „Soziale Stadt“ mit ihren Sozial- und Integrationsprojekten gibt.

Fragerunde: Die Landtagskandidatin der Piratenpartei Ute Hauth meldete sich in der Fragerunde an einem Saalmikrofon zu Wort und sagte, die Piratenpartei sei von der Tageszeitung nicht auf das Podium eingeladen worden, was sie nicht richtig fand.

BirgitH PIXELIO www.pixelio.de

 

4 Kommentare to “Kandidatenwatching in Konstanz: Mensch ärgere Dich nicht”

  1. NDS-Leser
    22. März 2011 at 10:16 #

    Aus fefe’s Blog [ http://blog.fefe.de/%5D vom 17.März 2011| Lacher des Tages: Mappus hat die EnBW zurückgekauft[http://www.nachdenkseiten.de/?p=8707]. Das ist der AKW-Betreiber in Baden-Württemberg. Die EnBW verliert natürlich durch die Schließung der AKWs massiv an Wert. Mappus hat „vor einigen Tagen“ kaufen lassen. Also vermutlich gerade noch rechtzeitig, um den Verlust in Gänze dem Steuerzahler aufzudrücken. (Danke, maha)

    Nachdenken lohnt sich. [http://www.nachdenkseiten.de/]

  2. Bolle Knallquist
    22. März 2011 at 12:30 #

    Wenn Du schon vom „Nachdenken“ sprichst: Dann überlege doch mal, warum die EnBW-Anteile gekauft wurden. Erst empören sich alle, wenn Grundversorgungen privatisiert sind. Die örtliche Wasserversorgung oder Stromversorgung darf bloß nicht in die Hände von Leuten fallen, die damit Geld verdienen wollen. Jetzt kauft das Land große Anteile wieder zurück, damit EnBW eben wieder unter Kontrolle des Landes fällt (ja – das nennt man Verstaatlichung, ein linker Traum wird erfüllt!) und es ist auch wieder nicht recht.

    Langfristig wird es doch so sein: Weil die Kernkraftwerke stillgelegt werden, wird der Strom knapp und deswegen teuer. Jeder Energieversorger wird prächtig verdienen. Auch EnBW. Auch das Land.

    Übrigens ist die Aktienkaufgeschichte auch schon wieder vier Monate her. Daß daraus jetzt auf einmal ein „Skandal“ gemacht werden soll, spricht Bände.

    Was mich brennend interessiert: Was ist eigentlich aus dem „Öl-Super-Weltuntergangs-GAU“ im Golf von Mexiko geworden? Hier herrscht ja mittlerweile völlige Funkstille in sämtlichen Panik-Medien und Hysterie-Gruppen.

  3. NDS-Leser
    22. März 2011 at 13:42 #

    @Bolle
    Nun ja, wen ich als Ministerpräsident Teil der Atommafia wäre, dann hätte ich das in jedem Fall cleverer gemacht: Wenn man die 45% Anteile zuerst kauft und dann die Laufzeitverlängerung beschließt wird ein Schuh draus (die Sache also potentiell lukrativ), aber nicht mal das hat der Mappus hingekriegt… Stattdessen macht er es andersrum und blöderweise fliegt ihm danach auch noch ein AKW in Japan um die Ohren. Ich glaube die 6 Mrd. € die die Übernahme kosten wird, werden den Steuerzahler noch teuer zu stehen kommen. Ich schätze mal, daß bei Wiederaufnahme des Handels der Wert um 1-2 Mrd. gesunken sein wird. Siehe auch :

    „Da Mappus sich so kurz vor den Wahlen jedoch nicht dem Risiko einer potentiellen Fehlinvestition aussetzen wollte, richtete Notheis eine – ansonsten eher ungewöhnliche – zweite Angebotsphase ein, die vom 24. März bis zum 6. April geht und somit den Wahlsonntag abdeckt. Anlässlich der aktuellen Ereignisse in Japan, Berlin und Stuttgart ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Kleinaktionäre die 41,50 Euro dankbar als Rettungsring annimmt. Das Land Baden-Württemberg muss dann 5,9 Milliarden Euro für die Beteiligung investieren. Sehr viel Geld für einen Atomkonzern, dessen Wert sich durch das Abschalten seiner Kernkraftwerke buchstäblich in Luft auflösen wird. Die eigentliche Rechnung wird dem Bürger dann am 7. April präsentiert, dem ersten Tag, an dem die Aktie wieder frei gehandelt werden wird.“ Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=8707

    Übrigens, der Ölteppich scheint nicht ganz verschwunden zu sein (19.März 2011) : http://switchboard.nrdc.org/blogs/rkistner/oil_spill_reported_near_deepwa.html

    Jedes Volk kriegt die Politiker die es verdient! Also nachdenken und wählen gehen!

    Schönen Tag noch. NDS-Leser

  4. Bolle Knallquist
    22. März 2011 at 14:30 #

    Ich habe Deinen Beitrag bis zum Gesinnungsschimpfwort „Atommafia“ gelesen. Dann habe ich erst mal aufgehört. Neugierig, aber kopfschüttelnd quergelesen outest Du Dich anscheinend noch als Börsenspezialist. Mit Deinen überaus fundierten Wirtschaftskenntnissen hast Du sicherlich schon ein Vermögen an der Börse verdient.

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