Kanzler Jens Apitz in Erklärungsnot

Konzerthaus-Werbung auch an der Konstanzer Universität

Konstanz (wak) Die Universität Konstanz erlaubte vor dem Bürgerentscheid am Sonntag der Stadt überraschend Werbung für das Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig an der Uni zu machen. In der Vergangenheit hatte sich die Universität aus kommunal-politischen Streits herausgehalten. Vor der Kommunalwahl im vergangenen Jahr durfte noch nicht einmal eine Veranstaltung mit Vertretern aller Parteien an der Uni stattfinden. Vor dem Bürgerentscheid war es jetzt anders. Die Stadt durfte informieren, nachdem der OB vorstellig geworden war.

Uni sprach kein Werbeverbot aus

Am Freitag zeigte sich die Universität gegenüber See-online.info aber nur wenig auskunftsfreudig. Auf die schriftlich formulierte Frage, ob es richtig ist, dass die Befürworter des KKH an der Uni werben durften, während es den Gegnern verboten wurde oder nicht erlaubt war, antwortete die Uni mit „nein“. Auf die zweite Frage, ob es korrekt ist, dass OB Horst Frank insistiert hatte, antwortete die Uni allerdings mit „ja“.  In anderen Fällen geht die Uni mit Presseanfragen viel weniger förmlich um.

OB nahm Anstoss an Erklärung des AStA

Angerufen hatte der OB offenbar, weil sich die Stadt zuvor über eine Stellungnahme des AStA geärgert hatte. Die Studentenvertreter sprachen sich gegen ein KKH aus. Uni-Kanzler Jens Apitz kam möglicherweise in Erklärungsnöte, da sich die Universität – wenn AStA gleich Universität ist – nicht neutral verhalten hatte. Darauf in erlaubte die Uni der Stadt, an der Hochschule zu informieren. Eine Veranstaltung an der Uni pro KKH sei allerdings sehr schlecht besucht gewesen, sagen Teilnehmer. Anwesend waren als Zuhörer auch Vertreter der Bürgerinitiative Nein-Zu-Klein-Venedig.

Juso Hochschulgruppe meldet sich zu Wort

Erfreut hat nun die Juso Hochschulgruppe an der Universität Konstanz zur Kenntnis genommen, dass sich die Universität, wie es in einer Mitteilung mit ironischem Unterton heißt, „nach Jahren wieder der hiesigen Kommunalpolitik öffnet“. In der Mitteilung des Jusos steht, bei einer „Informationsveranstaltungen“ zum Bürgerentscheid am kommenden Sonntag, 21. März, sei der Stadtverwaltung die Möglichkeit eingeräumt worden, ihre Positionen zum Konzert- und Kongresshaus darzulegen. Friedrich Sehrt, Koordinator der Juso Hochschulgruppe, sieht in der Genehmigung der Veranstaltung einen klaren Kurswechsel der Universitätsleitung im Umgang mit (kommunal-)politischen Veranstaltungen. „Im Frühsommer 2009 wurde dem damaligen AStA die Organisation einer neutralen Podiumsdiskussion durch den Debattierclub zu den anstehenden Kommunalwahlen untersagt, so die Jusos weiter. Diese Haltung scheint nun endlich überwunden“, heiß es seitens der Juso Hochschulgruppe.

Jusos kritisieren einseitige Werbung pro KKH

„Die neue Genehmigungspraxis der Universitätsleitung in Bezug auf politische Veranstaltungen und Informationsstände stößt bei der Juso Hochschulgruppe dennoch auf Kritik.“, heißt es weiter. So sei der Initiative ,Bürger für Konstanz‘ erlaubt worden, mit einem Informationsstand im Foyer der Universität für ein ,Ja‘ am 21. März zu werben. Vertretern einer Gegeninitiative sei die Werbung gegen das geplante KKH nach Informationen der Juso Hochschulgruppe aber untersagt worden. Deswegen sieht Tobias Zimmermann, ebenfalls Koordinator der Juso Hochschulgruppe, noch Nachholbedarf: „Die neue Offenheit ist nur dann sinnvoll, wenn sie für alle gilt.“ Patrick Brauns, einer der Sprecher von Nein-zu-Klein-zu Venedig sagte See-Online.info, möglicherweise habe die Initiative auch nicht nachgefragt oder wegen der Semesterferien sich nicht intensiv um eine Erlaubnis bemüht.

Foto: Universität Konstanz

Trackbacks/Pingbacks

  1. …das vielleicht letzte Fest auf Klein-Venedig? ::: Bürgerentscheid  uteles Blog  - 20. März 2010

    […] Rektor der Uni in Erklärungsnot Artikel von see-online.info […]

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.