Katamaran ist für Konstanzer und Friedrichshafener OB gesetzt

Konstanz. Der Katamaran ist aus dem Gröbsten raus. Die Konstanzer und der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand und Uli Burchardt haben am Montag gemeinsam eine neue Rekordfahrgastzahl verkündet. Im vergangenen Jahr nutzen knapp 440.000 Passagiere und damit so viele wie noch nie zuvor das zwischen Konstanz und Friedrichshafen pendelnde Städteschiff. Trotz des Defizits in Höhe von knapp 400.000 Euro, das sich die beiden Städte Konstanz und Friedrichshafen teilen, dürfte das Städteschiff als gesetzt gelten. Ballast wie einen zweiten Schiffsführer, ein Richtmikrofon, eine Blackbox, eine Wärembildkamera oder auch eine zweite Radaranlage kann die Reederei über Bord werfen. Die neue Betriebsgenehmigung kommt der Reederei nach 64.000 unfallfreien Fahrten entgegen.

Der trennende Bodensee

Früher war es so: Hier lag Konstanz und weit weg auf der anderen Seite des Sees Friedrichshafen. Der Obersee trennte die Städte. Konstanz war Universitätsstadt und Oberzentrum. In Friedrichshafen saßen Weltunternehmen, die Messe und einen Regionalairport gab es auch. Der SWR sendete aus zwei Studios. Miteinander zu tun hatten die Städte eher weniger.

Der verbindende Katamaran

Dass der See nicht nur trennen, sondern auch verbinden kann, sollte der Katamaran beweisen. Nicht alle mochten daran glauben. Wassersportler und Naturschützer waren skeptisch. Die Wellen, die die Gegner machten, schlugen zeitweise gefährlich hoch. Auch, wenn klar war, dass der Katamaran kein Monsterschiff ist, sorgten in der Vergangenheit die roten Zahlen für heftige Kritik. Im achten Betriebsjahr ist der Katamaran aber anscheinend endgültig auf dem Bodensee angekommen.

440.000 Fahrgäste

Der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand verkündete am Montag im Konstanzer Rathaus  einen absoluten Fahrgastrekord. Er hatte mit dem Katamaran übergesetzt und sprach von einer „äußerst gelungenen Saison 2012“. Mit Saison meine er die Saison, die am 1. Januar 2012 begann und am 31. Dezember 2012 endete. 440.000 Fahrgäste transportierte das Direktschiff zwischen Konstanz und Friedrichshafen – oder zwischen den beiden größten und bedeutendsten Städte am See. So sagte es Andreas Brand.

Messlatte liegt hoch

Entsprechend hoch liegt aus Sicht der Friedrichshafener Oberbürgermeisters, der aktuell den Beiratsvorsitz inne hat, die Messlatte für 2013. Das Ziel sei  „hoch, ambitioniert, ehrgeizig“. Der Katamaran ist ein Zeichen der Zusammenarbeit zwischen Konstanz und Friedrichshafen, sagte Brand.

Lob vom Konstanzer OB

Der Konstanzer Oberbürgermeister erklärte: „Der Katamarn hat sich etabliert.“ Er sei immer mehr zum Bindeglied zwischen Konstanz und Friedrichshafen geworden. Uli Burchardt sieht Potenzial. Der Katamaran profitiere von der neuen wasserrechtlichen Erlaubnis, die es möglich mache, die Kosten für der Schiffsverbindung zu senken. Im Konstanzer Trichter fährt der Katamaran jetzt ein bisschen schneller und auf dem See langsamer. Das senke die Spritkosten. Die Zuverlässigkeit des Katamarans sei groß. Und morgens um 8 Uhr treffe man auf dem Katamaran viele Pendler.

Der Kat in Zahlen

Manfred Foss, kaufmännischer Geschäftsführer, sagte jeder sechste Fahrgast sei ein Stammfahrgast. Die KatCard, die 39 Euro kostet und mit der Fahrgäste für nur fünf Euro über den See fahren, sei sehr beliebt. Die Steigerung betrug zuletzt 80 Prozent. Dass die Reederei einen Rekord für 2012 vermelden konnte, wäre so nicht zu erwarten gewesen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2012 lag die Zahl der Passagiere um 30.000 unter der Zahl von 2011. Eine Woche lang hatte der Katamaran komplett pausieren müssen, weil die Häfen zugefroren waren.An Ende des Jahres gab es dann ein plus von 5.000 Passagieren. Der Kostendeckungsgrad liege 2012 bei 88 Prozent – beim ÖPNV bundesweit seien es nur 78 Prozent.

Der leichte Katamaran

Jörg Handreke, der technische Geschäftsführer, sagte, die Verfügbarkeit des Katamarans lag 2012 bei 99 Prozent. 96 Kurse fielen aus. Vier mal gab es technische Ursachen. In 92 Fällen blieb der Katamaran wegen hohen Wellengangs im Hafen. Die Reederei sei mit dem Katamaran, der nicht einmal 50 Tonnen wiege, sehr zufrieden. Ein hochseetauglicher Katamaran wäre schwerer und unwirtschaftlicher, weil er mehr Diesel verbrauchen würde.

Weniger CO2 Ausstoss

64.000 Kurse sei der Katamaran in acht Jahren gefahren. Die Motoren würden jetzt ersetzt. Das sei günstiger als eine große Revision. Die neue Betriebsgenehmigung, die die erste aus dem Jahr 2007 ersetzt, bezeichnete Handreke als „ganz großen Wurf“. Das Schiff fährt im Winter und Sommer immer dieselbe Route und darf vor dem Hafen Friedrichshafen und im Konstanzer Trichter etwas schneller fahren und auf dem See Tempo 35. Die Fahrtzeit betrage jetzt bei jeder Fahrt genau 52 Minuten. Abfahrt sei jeweils in Minute zwei und Ankunft in Minute 54. Durch die Optimierungen beim Tempo und bei den Routen spare die Reederei Diesel ein und der Katamaran stoße jedes Jahr 420.000 Kilo CO2 weniger aus.

Ein Schiffsführer reicht

Auch bei der Besatzung gibt es eine Veränderung. In Zukunft reicht ein Schiffsführer und ein Matrosenmotorwart, der aber im Notfall den Katamaran eigenständig in den Hafen bringen könnte. Bei Nacht oder unsichtigem Wetter stünden beide Besatzungsmitglieder auf der Brücke. Der Matrose auf dem Katamaran sei aber erst ein mittelfristiges Ziel. Zunächst müssten die Matrosen ausgebildet werden. Dass Schiffsführer ihren Arbeitsplatz verlieren, schloss Handreke aus. Sie könnten auch auf anderen Schiffen oder Fähren zum Einsatz kommen.

OB’s stehen zum Kat

In Frage stellen die beiden Oberbürgermeister das Schiff wegen 400.000 Euro Defizit nicht. „Wir stellen ja auch den Stadtverkehr nicht ein wegen des Defizits“, sagte Andreas Brand. Uli Burchardt sagte: „Ich stehe voll und ganz zur Verbindung zwischen den zwei Städten.“

Foto: Katamaran Reederei/wak

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