Kein Handyempfang in der Altstadt

Überlinger Mobilfunk-Misere

soi handy(wak) Besitzer von Smartphones und Netbooks, die in Überlingen mobil online gehen, im Café im Internet surfen oder Daten übertragen wollen, wähnen sich in Überlingen im Tal der Unerreichbaren. Seit eine Mobilfunkantenne auf dem Dach der Überlinger Volksbank abmontiert wurde, warten Mobilfunkkunden vergeblich auf eine neue Antenne und ein besseres Netz.

Selbst definierte Überlinger Grenzwerte

Bereits seit mehr als zwei Jahren verhandelt T-Mobile mit der Stadt Überlingen. Laut eines Gemeinderatsbeschlusses müsste – als Ersatz fürs Volksbank-Dach – längst eine neue Antenne unter dem Dach des historischen Rathauses stehen. Das hat der Rat so beschlossen. Die Antenne ist dort aber noch nicht aufgebaut worden. Während Mobilfunkkunden immer ärgerlicher werden, bleibt die Stadt offenbar stur. Sie beharrt auf Grenzwerte, die weder deutschen Normen entsprechen noch auch nur annähernd ausreichend wären, um Mobilfunknutzern die nötige Kapazität zu bieten.

Das Ringen geht weiter

Doch die Hoffnung stirbt auch in Überlingen zuletzt. „Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Udo Harbers, Pressesprecher der Region Süd der Deutschen Telekom, am Montag. Richtig Mut macht er Mobilfunkkunden aber nicht. „Es werden Werte gefordert, die wir nicht erfüllen können“, so Harbers weiter. Im Klartext: Die Telekom will die Wert nicht erfüllen, weil sie schlicht keinen Sinn machen, so Harber weiter. Ein vernünftiger Mobilfunk ließe sich mit diesen Vorgaben nicht aufbauen. Die selbst definierten Werte entspechen keinesfalls auf dem Stand der Technik und den Wünschen von Mobilfunknutzern.

Stadt sagt nein zu UMTS

Das Problem ist aber noch viel ernsthafter: UMTS wolle die Stadt überhaupt nicht, so Harbers. Für den Datenverkehr ist UMTS aber nötig – ansonsten kriechen Daten nur im Schneckentempo durchs Netz und Internetseiten bauen sich, wenn überhaupt, in Zeitlupe auf. Und das ist noch nicht einmal die schlechteste Nachricht: Selbst bei GSM – der alten und langsameren Variante – gucken Mobilfunkkunden in Überlingen in die Röhre. Selbst wenn die neue Antenne bald unters Rathausdach käme: Überlingen erlaubt auch bei GSM nur die halbe Kapazität. Wenn viele gleichzeitig telefonieren und Daten übertragen wollen, besteht die Gefahr, dass das Netz überlastet und belegt ist.

Schlechteste Versorgung am See in Überlingen

„Wir können nur sagen, der Bedarf, mobil Daten zu übertragen, ist kontinuierlich gestiegen“, so Harbers. Wo nur GSM und zur Datenübertragung das weniger schnelle Edge zur Verfügung stehe, entspreche der Anteil des Datenverkehrs 20 Prozent. Steht UMTS bereit, liegt er bereits bei 40 Prozent. Bei HSDPA wird das mobile Internet noch attraktiver. „Die Mobilfunkversorgung in der Überlinger Altstadt ist eine der schlechtesten am Bodensee“, sagte Harbers. Besonders groß ist der gefühlte und tatsächliche Unterschied zur Mobilfunkversorgung in Friedrichshafen, der T-City am Bodensee. Dort gibt es längst HSDPA, das neue noch schnelleres Datenübertragungsverfahren des Mobilfunkstandards UMTS. Das Verfahren ermöglicht DSL-ähnliche Datenübertragungsraten im Mobilfunknetz. Während die Friedrichshafener denn auch mobil zügig auf Datenautobahnen unterwegs sind, holpern die Überlinger über Feldwege. Betroffen seien laut Aussage von Harbers nicht nur T-Mobile-Kunden.

Mit UMTS wäre DSL-Tempo möglich

Nach Aussage von Harbers entspricht HSDPA in etwa DSL 6000. Die Versorgung mit UMTS wäre in etwa wenigstens mit DSL 3000 vergleichbar. Mit UMTS könnten Mobilfunkkunden also zum Beispiel Videos auf Youtube schauen. Überlingen aber möchte nicht einmal das und nur eine Versorgung mit GSM – und das auch noch um die Hälfte reduziert und nur mit halb so viel Kapazität wie eigentlich erforderlich. Dass am Stick ein hellblaues Licht flackert – so wie es sein müsste – ist damit auch in Zukunft ausgeschlossen.

Urlauber beschweren sich

Vor allem im Sommer hagele es Proteste verärgerter Mobilfunkkunden, die von ihren Hotel- und Pensionszimmern aus nicht mit dem Handy telefonieren könnten. Wer beruflich auf mobiles Internet angewiesen ist, wähnt sich in der Überlinger Altstadt im Tal der Ahnungslosen. Ein Sonderkündigungsrecht könne T-Mobile ihren Kunden mit Flatrate, die vor allem Daten übertragen wollen, trotzdem nicht einräumen, bedauerte Harbers. Dennoch würde so mancher I-Phone oder Netbookbesitzer seinen Stick oder seine Karte am liebsten direkt am Landungsplatz im Bodensee versenken.

Neue Verhandlung im Dezember

Die Verhandlungspartner der Überlinger Stadtverwaltung sitzen in Stuttgart. Im Dezember soll es endlich wieder einen Gesprächstermin geben. Die Verwaltung bemühe sich – sei aber an den Beschluss des Gemeinderats gebunden, so die Einschätzung der Telekom. Nachfragen wollte See-Online.info in Sachen Mobilfunk auch bei Oberbürgermeisterin Sabine Becker. Sie war für eine Stellungnahme bis Montagabend aber aufgrund von Terminen und einer Aufsichtsratssitzung nicht zu erreichen. Ein Stadtrat sagte auf Anfrage von See-Online.info, er könne sich nicht erinnern, dass ein Beschluss wie von der Telekom zitiert, je gefasst worden sei.

Neuer Rat – neue Mehrheit?

Im Juni ist auch in Überlingen ein neuer Gemeinderat gewählt worden – ob er anders entscheiden würde als der alte ist fraglich. Die Zahl der Mobilfunkkunden unter den Wählerinnen und Wählern, die ein internetfähiges Handy oder ein Netbook besitzen, dürfte sei der letzten Abstimmung aber größer geworden sein.

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