Kein UMTS für T-Mobile Kunden in Überlinger Altstadt

Bürgerinitiativen ist Strahlenschutz wichtiger als schnelle Kommunikation

Überlingen (wak) Mit dem Handyempfang in der Überlinger Altstadt sieht es besonders für T-Mobile Kunden noch immer schlecht aus. Von mobiler Datenübertragung sollten Netbookbesitzer sogar lieber gleich die Finger lassen. Jetzt plan T-Mobile zwar eine neue Sendeanlage mit GSM Standard unter dem Dach des Rathauses. Wann sie steht, ist aber noch nicht klar.

EDGE muss T-Mobile Kunden reichen

Selbst, wenn die Anlage in Betrieb geht, müssen sich Mobilfunkunden aber weiterhin mit dem GSM Standard begnügen. Wer mobil Daten übertragen will, muss mit EDGE zufrieden sein. Das entspricht in etwa ISDN-Geschwindigkeit. Auf UMTS, den Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G), müssen alle, die ins Internet gehen und Daten übertragen wollen noch länger warten. Den Überlinger Bürgerinitiativen ist Strahlenschutz wichtiger als schnelle Kommunikation. Die Stadt hat verstanden. Mehr ist in Überlingen deshalb vorerst nicht erlaubt- solange der Überlinger Schwellenwert gilt, der weit unterhalb des gültigen Grenzwertes liegt.

Maximal 220 kBit/s bei Datentransfer möglich

EDGE steht für Enhanced Data Rates for GSM Evolution und wird dazu genutzt, herkömmliche GSM-Netze aufzuwerten und auf diese Weise höhere Datenübertragungsraten zu schaffen. Mit EDGE vergrößert sich der Datendurchsatz auf 150 kBit/s bis 200 kBit/s. Udo Harbers, Pressesprecher der Deutschen Telekom für die Region Süd, spricht von maximal 220 kBit/s. Damit liegt EDGE mit seinen Datenübertragungsraten aber weit unter der Kapazität von UMTS. UMTS überträgt Daten fast doppelt so schnell und schafft knapp 400 kBit/s. Zum Vergleich: Statt in DSL-Geschwindigkeit zuckeln mit EDGE die Daten in etwa im ISDN-Tempo durchs Netz.

iPhone Besitzer im Vorteil

Sehr gut funktioniert mit EDGE offenbar das iPhone, so Harbers. Wer mit einem Stick und einem Netbook online gehen will, hat dagegen ein Problem, da anders als beim Smartphone nicht mobile abgespeckte Versionen, sondern herkömmliche Websites abgerufen werden. „Wir möchten auch UMTS“ , so Telekom-Sprecher Harbers, der damit D1 Kunden aus der Seele spricht. „Vor allem, wenn die Konkurrenz UMTS hat“, so der Telekom-Sprecher. Sonst, so ahnt wohl auch er, könnten T-Mobile enttäuschte Kunden davon laufen:

Auch O2 sucht noch Standort

Zum Vergleich: Vodafone hat nach Auskunft der Stadt eine UMTS Sendeanlage auf dem Dach des Müller Kaufhauses in der Christophstraße installiert. Dort wollte auch O2 hin. Je Dach ist in Überlingen laut Altstadtsatzung nur eine Anlage erlaubt, weshalb die Stadt einen Baustopp verhängte und es deshalb auch keine zweite UMTS Sendeanlage gibt. O2 wehrte sich zuerst auf dem rechtlichen Weg und plante eine solche Anlage dann unter dem Dach der Franziskanerkirche. Weil dort aber Fledermäuse entdeckt worden sind, sucht O2 jetzt wieder nach einem neuen Standort.

Schräge Aussage eines Umweltkoordinators

„Die Stadtverwaltung hat nichts gegen UMTS“, sagt Till Barthelmeß, Umweltkoordinator der Stadt Überlingen, der zwischen Mobilfunkbetreibern, Bürgerinitiativen und Stadtverwaltung vermittelt. Im Augenblick wäre schon ein funktionierendes GSM Netz für T-Mobile Kunden ein Fortschritt. Barthelmeß spricht in Zusammenhang mit GSM von „moderner Kommunikation“. Das ist so, weil in Überlingen eine Verringerung der Strahlenbelastung im Fokus steht. UMTS bezeichnete Barthelmeß als „Kür“.

Lippertsreuter Straße statt Seepromenade

Der Umweltkoordinator möchte sich momentan genauso wenig wie Harbers festlegen, wann die neue GSM Anlage von T-Mobile in Betrieb geht. Noch sei der Vertrag nicht unterschrieben, sagte Harbers und Barthelmeß erklärte, er hoffe, dass das im Juli passiere. Das wäre in wenigen Wochen. Wer Daten übertragen wolle, müsse das besser im Randbereich der Stadt tun, so Barthelmeß. In der Langgasse gebe es eine D1 UMTS Sendeanlage. Im Klartext: Statt in einem Café an der Promenade zu sitzen, sollten mobile Büroarbeiter auch in Zukunft in Überlingen ihren Kaffee besser im Café Diener in der Lipperstreuter Straße bestellen.

Foto:

Christian Seidel Pixelio

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