Keine Freiburger Fahrradtaxis mehr am Bodensee

Verblasste Mythen:Taxis fahren mit Muskelkraft

Konstanz/Überlingen/Friedrichshafen/Lindau (wak) Die Freiburger Fahrradtaxis sind aus dem Stadtbild in Konstanz und Überlingen verschwunden. Bodensee Rikschas mit Chauffeur verkehren noch in Lindau. Während den Eisbären das Eis unter den Tatzen wegschmilzt, gehören ausgerechnet klimafreundliche Fahrradtaxis in der Tourismus Region Bodensee zu den verblassten Mythen. Der Freiburger Fahrradtaxi-Unternehmer Matthias Reinbold hat sich mit seinen Taxen aus wirtschaftlichen Gründen ganz vom Bodensee zurückgezogen. Stefan Frehde, Initiator der Velotaxis am Bodensee und Besitzer der Bodensee Rikschas, beklagt fehlende politische Unterstützung. Auch er sagt, dass sich der Taxibetrieb nicht rechnet. Die Freiburger Taxis, die mit Dumpingpreisen auf den Markt drängten, haben ihm und den Bodensee Rikschas sein Konzept vermasselt.

Topografie nicht einziges Hindernis

Tanja Kranz von der Kur und Touristik GmbH in Überlingen fand die Fahrradtaxis, als sie nach Überlingen kam, toll. Sie passten ins Stadtbild der lebenswerten Citta Slow. Tanja Kranz erinnert sich: Sie sagt, dass einfach zu wenig Fahrgäste in die Taxis gestiegen seien. Die Wege in Überlingen seien zu kurz und die Topografie ein Hindernis. Doch das ist höchstens die halbe Wahrheit. Fahrradtaxis sind heute in fast jeder größeren Stadt in Deutschland zu finden. Die Idee stammte ursprünglich aus Berlin, wo Fahrradtaxis auch gebaut werden. Am Bodensee wollte Stefan Frehde den Taxibetrieb aufziehen. Er kaufte die Velotaxis aber nicht in Berlin, sondern entwickelte und baute die Fahrradtaxen in Friedrichshafen selbst.

Geschäftsmodell Fahrradtaxi funktioniert nicht

Frehde hatte eine Idee, ein Konzept und klopfte zuerst in Konstanz und Überlingen an. Es sollte kein Schnellschuss werden. Kooperieren wollte er auch mit der Mainau. Vor allem für Gehbehinderte wären die Fahrradtaxen eine Alternative gewesen. Anfangs sei Interesse signalisiert worden. 20 Velotaxen besitzt Frehde. Geld verdient er heute aber nicht wie ursprünglich gedacht, mit dem Chauffieren von Fahrgästen, sondern mit dem Vermieten der Taxen. Mit diesem Geschäftskonzept ist er in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz erfolgreich. „Die Vermietung läuft sehr gut“, sagt Frehde. Dass sich der Taxibetrieb mit einem Fahrer rechnet, ist eher die Ausnahme. Ein Vorzeigebeispiel ist Lindau: Wer möchte, kann in der bayerischen Stadt mit Bodensee Rikschas eine Stadtrundfahrt machen. Mit den Fahrpreisen alleine lässt sich der Betrieb der Velotaxen aber nicht finanzieren – weder bei den Bodensee Rikschas noch für die Freiburger Fahrradtaxen. Zusätzliche Einnahmen durch Werbung auf den Velotaxis wären nötig. „Wir sind auf Fahr- und Werbeeinnahmen angewiesen, denn dieses Projekt untersteht keiner öffentlichen Förderung“, heißt es zum Beispiel auf der Website der Bodensee Rikschas.

Fehlender politischer Wille und Konkurrenz

Um das Projekt Fahrradtaxi stemmen zu können, hätte es auch der politischen Unterstützung bedurft. Wenn Frehde heute von „grüner Mobilität“ und ausgebliebenen Fördermitteln aus Töpfen der EU spricht, klingt er enttäuscht. Fast überall scheiterten auch Zusammenarbeiten auf lokaler Ebene, sagt Frehde. Unglücklich war offenbar auch, dass die Freiburger Fahrradtaxen an den Bodensee drängten, als die Bodensee Rikschas gerade starten wollten. Frehde sagt, die Freiburger wollten es günstiger machen. Doch betriebswirtschaftlich habe es nicht klappen können.

Gescheitert am Desinteresse von Werbepartnern

Matthias Reinbold betreibt die Fahrradtaxis in Freiburg. Auch er ist, wenn er an den Bodensee schaut, desillusioniert. In Überlingen habe er nicht genug Werbekunden gefunden, um die Fahrradtaxen finanzieren zu können. „Daran sind wir gescheitert“, so Reinbold. Die Überlinger Stadtwerke und die Bodensee-Therme hätten nicht mehr gewollt. Dabei seien die Fahrradtaxen echte Hingucker gewesen. Auch seitens der Stadt Überlingen sei keine Unterstützung mehr gekommen, was Reinbold verwundert hat. Denn ursprünglich seien die Stadt und die Kur und Touristik GmbH auf ihn zugekommen. So gesehen liegt es wohl doch nicht allein an der Topografie, dass Fahrradtaxen aus dem Stadtbild verschwunden sind. In Freiburg dagegen fahren die Fahrradtaxen nach Aussage von Reinbold offenbar erfolgreich. Fünf der Taxis, von denen jedes in der Anschaffung etwa 10.000 Euro kostet, sind im Einsatz. Entdeckt haben die Freiburger offenbar die Senioren, die sich gern von der Bushaltestelle abholen und an ihren Zielort fahren lassen. Am Bodensee aber sind die Haltestellen, die Stefan Frehde gern angefahren hätte, verwaist.

Foto: Freiburger Fahrradtaxi

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.