Keine ICE-Neigetechnik-Züge zwischen Singen und Stuttgart

Grüner Landtagsabgeordneter protestiert gegen weitere Verschlechterungen – Teufelskreis: Weniger Bahnkunden weniger Ausbau und Züge

Konstanz/Singen. Die Bahnverbindung zwischen Konstanz und Stuttgart bleibt miserabel. Diese Botschaft verkündete der Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Konstanz, Siegfried Lehmann. ICE-Neigetechnik-Züge zwischen Singen und Stuttgart werde es in absehbarer Zeit nicht geben. Weil es mittlerweile vollkommen unattraktiv geworden ist, mit der Bahn nach Stuttgart zu fahren, steigen immer mehr Reisende aufs Auto um. Die Reaktion der Bahn sei das Streichen von Zügen, beklagt der Grüne.

Keine kürzere Fahrzeit nach Stuttgart

Die Deutsche Bahn räume ein, dass in absehbarer Zeit nicht mit einem Einsatz von ICE-Neigetechnik-Zügen zu rechnen sei – für die Gäubahn bedeute dies eine Beibehaltung der unzumutbaren Verbindung zwischen Zürich, Singen und Stuttgart. „Zwar hat die Landesregierung erreicht, dass der Teilausbau der Gäubahn in den Investitionsrahmenplan des Bundes 2011 – 2015 aufgenommen wurde. Da die Bahn jedoch nicht zusagen kann, wann wieder ICE-Neigetechnik-Züge auf der Strecke eingesetzt werden können, wird sich die Fahrtzeit zwischen Zürich und Stuttgart in absehbarer Zukunft leider nicht verkürzen“, bedauert Lehmann. Bestürzt zeigt sich der Konstanzer Landtagsabgeordnete über die Aussage der Deutschen Bahn AG, derzeit keinerlei Angebotsausweitungen vornehmen zu wollen: „Offensichtlich fehlt es der Bahn AG an einer positiven Perspektive für diese Strecke“, hadert Lehmann.

Gäubahn macht A 81 trotz Baustellen zur Überholspur

In einem Antrag an die Landesregierung hatte sich die Grüne Landtagsfraktion für eine Attraktivitätssteigerung der Gäubahn ausgesprochen: „Wir brauchen eine klare Perspektive für die Gäubahn. Die Ausbauplanungen dümpeln bereits seit Jahren vor sich hin und nach dem Abzug der ICEs und der damit verbundenen Fahrtzeitverlängerung ist die Bahnverbindung zwischen Zürich und Stuttgart derart unattraktiv geworden, dass die Fahrgäste zunehmend auf das Auto umsteigen“, moniert der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann.

Sorry Konstanz, sagt die Bahn

Die Antwort der Deutschen Bahn AG auf die Forderungen des Verkehrsministeriums falle ernüchternd aus: In einem Schreiben der Deutschen Bahn AG heißt es: „Die Hersteller der ICE-Fahrzeuge haben bislang immer noch keine Lösung zum erneuten Einsatz der Neigetechnik gefunden, die die neuen Sicherheitsanforderungen erfüllt.“

Zwei Zugpaare fallen weg

Auch wenn die Landesregierung derzeit an einem Plan B arbeite, fürchtet Lehmann, dass der kontinuierliche Rückgang der Fahrgäste zukünftig wiederum zur Begründung der schlechten Verbindung herangezogen werden wird. „Die kontinuierliche Verschlechterung des Anschlusses in Stuttgart hat in den vergangenen Jahren zu einem stetigen Rückgang der Fahrgäste geführt. Es sei zu befürchten, dass die Bahn in Zukunft gerade mit diesen schlechten Fahrgastzahlen die schlechte Anbindung begründen wird.“ Entsprechend lese sich die Antwort der Deutschen Bahn AG auf die Frage, wie die Attraktivität der Gäubahn gesteigert werden könne: „Unter den derzeitigen Randbedingungen sind jedoch jegliche Angebotsausweitungen bzw. deutliche zeitliche Verschiebungen von Fahrten nicht darstellbar.“ Dementsprechend beabsichtige die Bahn, zum kommenden Fahrplanwechsel im Dezember 2012 „wegen besonders schwacher Inanspruchnahme“ sonntagsfrüh sowie samstagabends jeweils ein Zugpaar zu streichen.

Lehmann über Lugano und Grube

Lehmann sieht Bahnchef Grube in der Pflicht: „Noch vor einem Jahr hatte Grube eine schnelle Lösung aller Probleme der Gäubahn versprochen – kurz vor dem Bürgerentscheid zu Stuttgart 21. Heute scheinen die Lösungen für diese Probleme jedoch in weite Ferne gerückt zu sein.“ Lehmann fordert die Bundesregierung sowie die Deutsche Bahn AG auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Vertrag von Lugano schnellstmöglich umzusetzen: „Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Gäubahn derart zu ertüchtigen, dass zwischen Zürich und Stuttgart eine Fahrtzeit von 2 ¼ Stunden erreicht wird. Derzeit sind wir von dieser Zielsetzung meilenweit entfernt. Es wird Zeit, dass die Deutsche Bahn dieses Ziel endlich realisiert und die Gäubahn wieder eine echte Perspektive erhält.“

3 Kommentare to “Keine ICE-Neigetechnik-Züge zwischen Singen und Stuttgart”

  1. Oliver Schreek
    31. August 2012 at 18:06 #

    Ich bin neulich mit dem IC der SBB von S nach KN gefahren. Preislich kann er inzwischen mit dem Auto mithalten. Aber er bummelt wirklich unglaublich. Der Service an Bord ist miserabel. Ein Getränkecaddy steigt in Rottweil, kurz vor Singen ein, und verlangt unglaublich gepfefferte Preise.

    Liebe Bahn: Guter Service, viele Kunden, schlechter Service – Auto.

  2. Frank Greiner
    31. August 2012 at 18:21 #

    Die Bahn tut abe auch alles um die Fahrgäste abzuschrecken. Ich wohne in Sulz a.N. und arbeite in Stuttgart, auch am Wochenende und abends. Da gibt es keine Zugverbindung mehr. An den Tagen, an denen ich dann Zug fahren könnte muß ich Einzelfahrscheine lösen und somit ist es preislich vollkommen unattraktiv. Bei den paar Versuchen, bei denen ich Zug gefahren bin, hatte ich im Zug Gesellschaft von Typen, mit Stiefel auf den Sitzen und Bierflaschen in der Hand, sodaß das Zugfahren kein Vergnügen war.

  3. K. Neumann
    31. August 2012 at 23:09 #

    „Lehmann …: „Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Gäubahn derart zu ertüchtigen, dass zwischen Zürich und Stuttgart eine Fahrtzeit von 2 ¼ Stunden erreicht wird. ….und die Gäubahn wieder eine echte Perspektive erhält.““

    Es gibt für die Bahn nur eine Perspektive: Stuttgart 21 an Bratislava über eine NBS anzubinden, die 5, 6 oder mehr Milliarden kosten kann.

    Die bahninfrastrukturelle Entwicklung des Landes bleibt da auf der Strecke. Und die Grünen machen entsprechende Politik, nicht wahr Herr Lehmann. Insofern können die Proteste des grünen MdL Lehmann nur auf eine gewisse Publikumswirkung abgestellt sein, in der man sich für grüne Positionen aufplustert und mal etwas wichtig tut.

    Und die Volksabstimmung, falls es bei den Grünen noch nicht angekommen ist, war in jedem Fall ein „rechtliches Nullum“ und wäre auch vom grünen MP des Landes Herrn Kretschmann kassiert worden, wäre sie nicht für das Milliardengrab S21 ausgegangen, hier http://www.bei-abriss-aufstand.de/2012/08/29/mitschnitt-zur-veranstaltung-die-va-zu-s21-blankoscheck-fur-ein-milliardengrab/#comment-25055 oder hier http://www.fluegel.tv/beitrag/4753. So war die Sache eingefädelt und deswegen war nie wirklich beabsichtigt, etwas für die Gäubahn zu tun, weder von der Bahn noch dieser grün-roten Landesregierung, denn VM Hermann wusste genau, das S21alles verschlingen würde, einschliesslich der Gelder zur Bestellung ausreichender Nah- und Regionalverkehre durch das Land. So soll auch die Anbindung der Gäubahn an S21 in einer Sparausführung kommen, mit der die Bahn den Schlichterspruch Geisslers einfach gekippt hat, denn mit der NBS Wendlingen – Ulm und S21 werden weder die Bahn noch das Land irgend einen Cent für die Gäubahn übrig haben. Das hätte Herr Lehmann als Grüner eigentlich wissen müssen, und ich darf vermuten, er wusste es auch und sein Protest ist lediglich grünes PR-Gedöns. Man darf ebenso annehmen, dass die Elektrifizierung der Südbahn dem Oettinger-Mappus-Schmid-Kretschmann Projekt Stuttgart – Bratislava zum Opfer fallen wird, obgleich fest versprochen.

    Für das grosse Projekt auf Weltniveau Bratislava-Stuttgart wird die gesamte Bodenseeregion von der Region Stuttgart abgehängt, obgleich eine der Boomregionen des Landes. Nun ja. Der Stern und Zuffenhausen werden es mit schnellen Wagen richten. Wer das finanziell nicht kann, der bleibt dann eben auf der Strecke.

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