Keine Occupy Aktion am Samstag in Konstanz

Am Robin-Hood-Tax Tag bleiben Aktivisten zu Hause – Schlagkraft der Bewegung ungewiss

Konstanz. Occupy Konstanz findet am kommenden Samstag nicht statt. Nach der ersten Aktion vor zwei Wochen rächt sich, dass die Bewegung keine Struktur und keine Anführer hat.

Gespräch auf der Markstätte

Sie stellen sich außerhalb des politischen Systems und wollen sich von Parteien und politischen Organisationen nicht vereinnahmen lassen. Unter dem Motto „Empört Euch!“ hatten sich am Samstag vor zwei Wochen nach Aufrufen im Web und einer Notiz in der gedruckten Tageszeitung spontan etwa 150 bis 200 Teilnehmer zu einer Versammlung auf der Konstanzer Marktstätte versammelt. Die Initiatoren vom Occupy Konstanz  sind nicht unpolitisch, aber parteipolitisch nicht gebunden. Sie möchten eine neue Art von Gespräch, sagen sie.

Keine straffe Organisation

Am vergangenen Montag traf sich ein Häufchen Aktivisten zu einem Vorgespräch. Thema war der kommende Samstag. Im Web steht seither ein Pad.  Eingeladen zum Mitorganisieren waren alle Empörten in Konstanz. Die beiden Organisatoren der ersten Veranstaltung, die passenderweise zwischen den Banken auf der Konstanzer Marktstätte stattfand, hielten sich zurück. Anders als Organisationen wie Attac, Gewerkschaften oder auch politische Parteien hat die Occupy Bewegung keine Sprecher und auch keine feste Organisationsstruktur.

Neue Gesprächskultur

Auch Kundgebungsredner lehnt die Bewegung ab. Jeder Teilnehmer solle sich bei einer Versammlung zu Wort melden und sprechen können. Alle sollen gleichberechtigt sein. Statt ein Mikrofon zu benutzen, bedient dich die Occupy Bewegung eines „human microfone“. Bei einem „menschlichen Mikrofon“ spricht die Gruppe die Sätze eines Redners nach, wiederholt sie und verstärkt sie so. Die Teilnehmer können mit zuvor eingeübten Gesten signalisieren, ob sie mit dem Gesagten einverstanden sind.

Robin Hood Tax Day

Am Samstag ist zwar ein Protesttag, bei dem Demonstranten die Einführung einer „ Robin-Hood-Steuer“, einer Finanztransaktionssteuer, fordern. Er findet aber voraussichtlich nicht in Konstanz statt. Die Kampagne zur Einführung einer Robin-Hood-Steuer wird von einer Koalition aus über 50 karitativen Einrichtungen und Organisationen, darunter Comic Relief, Friends of the Earth, Greenpeace, Oxfam und UNICEF getragen.

Schwerfälligkeit statt Effizienz

Ohne straffe Organisation ist alles viel mühsamer. „Aber es hilft nichts, bei der Neugestaltung eines korrumpierten Systems muss von ganz unten angefangen werden – und deshalb ist das Kollektiv- und Konsens-Prinzip, das die Occupy-Aktivisten überall pflegen bei aller Schwerfälligkeit das einzig Richtige“, schreibt Mathias Bröckers. „Nur so kann die neue Bewegung ein starkes Fundament, ein stabiles Wurzelgeflecht bekommen, nur aus der Besinnung auf Konsens und gesunden Menschenverstand kann eine Kraft wachsen, die tatsächlich zu Veränderungen führt – und nicht nur zu ein paar Reförmchen durch die vom Finanzsystem korrumpierten Parteien und Parlamente“, heißt es weiter. Mathias Bröckers ist Journalist und schreibt vor allem für die taz und Telepolis.

Schwächen der Protestkultur

Zuletzt hatte sich aber genau die Graswurzelbewegung und Positionierung jenseits von Parteien als Problem heraus gestellt: Rechtsradikale und die Gruppe „Zeitgeist“ versuchten, wenn auch nicht in Konstanz, die Occupy Bewegung zu unterwandern.

Termin Occupy Konstanz

Am kommenden Montag um 20 Uhr findet möglicherweise wieder ein Treffen Konstanzer Aktivisten in der „Wendelgard“ statt. Nähere Infos gibt es voraussichtlich auf der Facebook-Seite von Occupy Konstanz.

Foto: wak/Occupy Konstanz am 15.Oktober

So funktioniert ein „menschliches Mikrofon“

httpv://www.youtube.com/watch?v=kL5LNKplLfg

2 Kommentare to “Keine Occupy Aktion am Samstag in Konstanz”

  1. Fafnir
    27. Oktober 2011 at 12:55 #

    Man muss nicht so tun, als sei die Occupy-Bewegung politisch neutral. Ganz klar wird hier von links gezündelt. Denn was die vielen empörten, aber sehr uninformierten Aktivisten „vergessen“ haben ist, daß wir es momentan nicht mit einer Bankenkrise zu tun haben, sondern mit einer Staatsschuldenkrise. Hemmungslose Verschuldung von Staaten, um die von Politikern versprochenen und vom Wähler gerne in Anspruch genommenen sozialen Wohltaten zu finanzieren sind die Urasache. Wenn jetzt Politiker auf die „bösen“ Banken zeigen, ist das schon seltsam. Und wenn linke Parteien jetzt zum Angriff auf das System blasen, ist es erschreckend, wie viele da mitmachen. Denn die Politik einer hemmungslosen Verschuldung ist Schuld an der Schuldenkrise. Nicht die Banken.

  2. dk
    27. Oktober 2011 at 17:24 #

    Es dürfte eher eine Mischung aus Banken- und Staatsschuldenkrise sein: Staaten haben sich auch verschuldet, um in der Finanzkrise Banken zu retten. Dazu soll der Finanzmarkt regelrecht mit „billigem Geld“ überflutet worden sein, um durch Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei soll auch viel Geld wieder an Banken geflossen sein, um für „moderne Geschäftsmodelle“ verwendet zu werden.

    Bei einer TV-Talkshow „Maischbergers“ wurde ein Sparkassen-Verbandspräsident live hinzugeschaltet. Es gab dabei ein ganz unpolemisches Zwiegespräch mit einer Vertreterin der „kommunistischen Plattform“ jenseits von Karl Marx. Der Präsident hatte der Frau allgemein Recht gegeben, aber um einige Korrekturen gebeten: die Situation in der Sparkassen-Branche sei mit privaten Banken nicht zu vergleichen.

    In der Runde sassen 1 ehem. CDU-Ministerpräsident, 1 aktuelle CDU-Bundesministerin und 1 ehem. Konzern- und Wirtschaftsverbandschef lautlos zuhörend daneben; kein Einwurf, kein Weiterführen des Themas.
    So sachlich angenehm kann eine Diskussion verlaufen, wenn eine Linke die angemahnte Geschichtsaufarbeitung ernst nimmt und sich in das Bankengeschehen tief einarbeitet. Vielleicht träumt sie (vergeblich) doch eines Tages von einem Ministeramt.

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