Kinderkrippe in der Chérisy-Kaserne in Konstanz: Anmeldung bei Geburt

Vor 20 Jahren halfen in der Krippe noch die in WGs wohnenden Eltern mit

Konstanz. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass bis 2013 mindestens 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Krippenplatz haben sollen. Kinderkrippen aber sind nicht etwa eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Kinderläden, selbstverwaltete Kindergärten, zumeist von freien Trägervereinen, oft Elterninitiativen getragen, für Vorschulkinder gab es schon in den 60er Jahren. Seit 20 Jahren besteht die Kinderkrippe in der ehemaligen Chérisy-Kaserne in Konstanz. Sie nimmt unter Dreijährige auf. Vieles hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert. Die Eltern zum Beispiel helfen heute nicht mehr selbst mit. Am 18. September feiert die Krippe ein Fest und lädt zu einem Tag der offenen Tür in die Chérisy-Kaserne ein.

Regenwürmer angucken

Dieter Bellmann, Geschäftsführer der Neuen Arbeit, und Erzieherin Birgit Baldauf sitzen auf kleinen Kinderstühlen an für Erwachsene viel zu niedrigen Kindertischen. Die Räume im ehemaligen Kasernengebäude sind hoch. Durch die großen Fenster fällt viel Licht ins ehemalige Unteroffizierscasino. Kinder unter drei, die hier entweder einen Vor- oder Nachmittag verbringen, haben viel Platz. Das ist hier immer so gewesen. „Ja“, sagt Birgit Baldauf, „wir haben natürlich auch ein pädagogisches Konzept“. Es heißt „situationsorientiert“. Das bedeutet: Nicht jeder Tag ist voll durchgeplant. „Manchmal gehen wir raus und gucken uns einen Regenwurm an“, sagt die Erzieherin.

Eltern wollten Kinderbetreuung

Die jüngsten Kinder, die einen Platz in der Krippe haben, sind ein Jahr alt. Jüngere Kinder ab drei Monate nimmt die Krippe nicht auf, und es gibt auch nur Halbtagesplätze. Das ist so, weil Dieter Bellmann und Birgit Baldauf, die von Anfang an in der Krippe mit gearbeitet hat, glauben, dass die Kleinen ansonsten überfordert wären. Bellmann redet von den kleinen „Gackele“. Er lacht: 1982 zogen die Studenten in die Blöcke in der Bücklestraße ein. 1984 öffnete der Kindergarten. 1989 oder 1990 hatten dann immer mehr berufstätige Bewohner plötzlich kleine Kinder, die sie gern in einer Krippe lassen wollten. „Die Eltern haben hier gewohnt“, so Bellmann. Unter ihnen waren viele Alleinerziehende.

Keine Ganztagsbetreuung aus Überzeugung

Als die Kinderkrippe in der Chérisy öffnete, waren die Eltern, die im Biotop wohnten, ihrer Zeit noch voraus. „Es war pionierhaft“, sagt Bellmann. Auch wenn es vor 20 Jahren am Konstanzer Klinikum schon die Rappelkiste für Kinder von Krankenhausmitarbeitern gab, Kinderkrippen gab es in Konstanz noch nicht so selbstverständlich wie heute. Andere Träger boten Kindergartenplätze an. Das war’s. Heute sei die Neue Arbeit eher „reaktionär“, sagt Bellmann. Es habe in der Vergangenheit mehrere Anfragen von in Konstanz ansässigen Unternehmen gegeben. Sie wollten eine Ganztagsbetreuung. Das war in der Chérisy nicht zu machen. „Mit ostdeutschen Verhältnissen wären die Kleinen überfordert“, sagt Birgit Baldauf, die in der ehemaligen DDR ihre Kindheit erlebte. Sie findet Tagesmütter besser, wenn Eltern die Betreuungszeit der Krippe nicht reicht. Die katholische Kirche habe dagegen eine Kehrtwende vollzogen, so Bellmann.

Anmelden sofort nach der Geburt

Eltern, die die Krippe in der Chérisy sympathisch finden, müssen sich aber beeilen. „Anmeldung am besten bei Geburt“, sagt Erzieherin Baldauf. Die Zahl der Plätze ist geringer als die Nachfrage. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Birgit Baldauf. Von Anfang an sind zehn Kleinkinder von einem bis drei Jahren in der Vormittagsgruppe betreut worden. Heute sind es zwei mehr. Der Grund: Manche Krippenkinder, die nicht fünf Tage in der Woche kommen, teilen sich einen Platz. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch noch eine Nachmittagsgruppe mit anderen Kindern. Der Platz in der Vormittagsgruppe kostet 150 Euro, der in der Nachmittagsgruppe 140 Euro. Keines der Kleinen wohnt noch in der Chérisy-Kaserne. Die Altbewohner, die 1982 einzogen haben heute schon Enkel, sagt Bellmann.

Arbeitslose betreuten die Kleinen mit

Im ersten Jahr gab es in der Krippe im Block sechs noch Elterndienst. Betreut worden sind die Kleinen damals außer von den Erzieherinnen auch von Arbeitslosen, die oft aus verwandten Berufen kamen und noch einmal eine Ausbildung machen oder umschulen wollten. „Hilfe zur Arbeit“, sagt Bellmann. So funktionierte das Modell Chérisy von Anfang an, bei dem es auch immer darum ging, Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Nebenher ist günstiger Wohnraum entstanden. „Wir wollten zeigen, dass das Doppelkonzept Wohnungsbau und Qualifizierung von Arbeitslosen funktioniert“, sagt Bellmann. Seit es Hartz IV gibt, ist alles anders.

Fest und Tag der offenen Tür

Am Samstag, 18. September, feiert die Krippe, die eine der ältesten in Konstanz, ist ihren 20. Geburtstag. Von 14 bis 17 Uhr sind die Türen im Schürmann-Horster-Weg für Besucher geöffnet. Die Gäste erwartet ein Zauberkünstler, Dosenwerfen, Riesenseifenblasen und Kinderschminken. Mit dabei sind auch der Pianist Paul Amrod und seine Tochter.

Hier geht es zur Webseite der Kinderkrippe.

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