Klar machen zum Ändern

Piraten gründen Kreisverband

(wak) Als die Piratenpartei in diesem Jahr erstmals bei einer Bundestagswahl antrat, holte sie aus dem Stand 1,8 Prozent der Stimmen. Einen eigenen Balken schaffte sie damit noch nicht – den gibt’s erst ab 5 Prozent bundesweit – die Freude bei den Piraten war aber riesig. Auch von den 12.376 Wählerinnen und Wählern in Überlingen machten 196 ein Kreuz bei den Piraten. Die Newcomer schafften es in Überlingen so auf immerhin 1,6 Prozent der Zweitstimmen. Am Sonntag, 22. November, wollen die Piraten aus den Landkreisen Bodensee und Ravensburg nun einen eigenen Kreisverbands gründen.

Meistens männlich und aus dem IT-Bereich

Pirat Richard Holderied, der Pressesprecher der Piraten in den beiden Kreisen, schätzt, dass insgesamt 65 Piraten in den Landkreisen Bodensee und Ravensburg aktiv sind. An den Stammtischen der Piraten treffen sich meistens männliche Piraten, die etwa zwischen 18 und 35 Jahre alt sind und im IT Bereich arbeiten. Das zumindest ist das die Beobachtung Holderieds.

Die „Generation C64“

Viele Piraten kommen aus der Generation Internet. Sie gehören der „Generation C64“ an, der ersten, die mit Computern – dem Commodore 64 – aufgewachsen ist. Diese Generation, die in der virtuellen Welt mindestens genauso zu Hause ist, wie in der realen, schaut Videos auf YouTube an, kauft im Netz ein, lädt Musik herunter, pflegt zu Freunden Kontakt übers Internet, ist in sozialen Netzwerken anzutreffen und findet Jobs im Netz Jobs.

Misstrauen gegen Datenspeicherung

Naiv sind die Sympathisanten der Piraten nicht. Die „Generation C64“ ist sich beispielsweise sehr bewusst darüber, wie viele Spuren sie im Internet hinterlässt. Einen Staat, der ihre Daten speichert, empfindet die „Generation Internet“ als Bedrohung. „Die meisten von uns waren vorher politisch überhaupt nicht engagiert“, erzählt zum Beispiel Benno Buchczyk, aktiver Pirat in Konstanz.

Piraten wollen keine Internetsperren

Das Zugangserschwernisgesetz, mit dem die Bundesregierung den Zugang zu kinderpronografischen Seiten erschweren wollte, war für viele der Weckruf. Denn von Internetsperren halten die Piraten nichts. „Das Gesetz haben Leute gemacht, die keine Ahnung von der Praxis haben“, kritisiert Benno Buchczyk. Die Sperren seien untauglich. Den Kindern helfe das kein bisschen.

Kein echtes Programm vor der Bundestagswahl

Die „digitale Intimsphäre“ will die Piratenpartei schützen. Vorratsdatenspeicherung lehnt sie ab. Ein echtes Programm und Gliederungen wie andere Parteien hatten die Piraten bisher noch nicht. Um festzulegen wie die Partei, die bundesweit etwa 8000 Mitglieder hat, zum Beispiel zu einem Tempolimit auf Autobahnen steht, sei vor der Bundestagswahl einfach einmal herum gefragt worden, erzählt Benno Buchczyk.

Rasant wachsende Partei

Jetzt wollen die Piraten aus den Landkreisen Bodensee und Ravensburg, die sich bisher nur an ihren Stammtischen getroffen haben, aber einen Kreisverband gründen. Zusammen kommen sie am Sonntag, 22. November, ab 14 Uhr im Gasthof Krone, Ettenkircher Straße 28, in Ettenkirch. „Wir ermöglichen einen Einblick in unsere offen-basisdemokratischen Arbeitsweisen“, lässt Holderied schon einmal wissen und erklärt: „Wir verfolgen unsere lokale, regionale Weiterentwicklung als die Partei mit dem rasantesten, prozentualen Wähler- und Mitgliederzuwachs des letzten Jahres.“ Auf der Tagesordnung stehen bei den Piraten Themen wie informationelle Selbstbestimmung, Transparenz des Staatswesens, Open Access, Urheberrechtsumgestaltung, Patentrechtsumgestaltung und freie Bildung.

Was ist Open Access?

Open Access beispielsweise meint, dass wissenschaftliche Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet verfügbar sein sollte. Nutzer könnten Volltexte legal lesen, herunterladen, kopieren, verteilen, drucken, in ihnen suchen, auf sie verweisen und sie auch sonst auf jede denkbare legale Weise benutzen. Finanzielle, gesetzliche oder technische Barrieren würden im Internet eingerissen. Wenn es um Wiederabdruck und Copyright geht, sollte die einzige Einschränkung darin bestehen, den jeweiligen Autorinnen und Autoren Kontrolle über ihre Arbeit zu belassen und deren Recht zu sichern, dass ihre Arbeit angemessen anerkannt und zitiert wird.

Konferenz an der Uni Konstanz

Open Access ist aber nicht etwa nur ein Thema der Piratenpartei: Anfang Oktober erst fanden an der Universität Konstanz die 3. Open-Access-Tage statt. Es war die zentrale Konferenz zu Open Access und sie wurde im deutschsprachigen Raum nach 2007 schon zum zweiten Mal von der Bibliothek der Universität Konstanz ausgerichtet. Thema war der Konferenz war die freie Online-Verfügbarkeit wissenschaftlicher Publikationen, von Volltextservern und Open-Access-Zeitschriften bis hin zu Google Book Search.

Link zu den Piratenstammtischen

Einen eigenen Piratenstammtisch in Überlingen gibt es nach Auskunft von Holderied bisher noch nicht. Derzeit treffen sich Interessierte noch alle miteinander am so genannten alternierenden Stammtisch Bodensee-Oberschwaben. Dieser findet jeden zweiten Montag im Monat in Friedrichshafen im „K42“ und jeden letzten Mittwoch im Monat in Ravensburg in der Pizzeria Lago City statt. Mehr Infos gibt’s unter http://wiki.piratenpartei.de/Stammtisch_Bodensee-Oberschwaben).

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