Klein Venedig in Konstanz keine Schlammteiche

Hydraulische Sicherung der Altlasten auf Klein Venedig laut Landratsamt ausreichend

Konstanz (wak) Keine Gefahr für Menschen, Tiere und den Bodensee. Das ist das Fazit eines Berichts über die Sanierung von Altlasten auf der ehemaligen Konstanzer Mülldeponie Klein Venedig. Seit 2003 wird die frühere Müllkippe nach Information des Landratsamtes hydraulisch saniert. Die Sanierung kostet 700.000 Euro in zehn Jahren. Eine Entsorgung der Ablagerung mit anschließender thermischer Behandlung off-site würde 40 bis 60 Millionen Euro kosten. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Konstanzer Landratsamts hervor.

Ehemalige Bürgerinitiative beunruhigt

Die ehemalige Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ hatte Anfang Juni auf eine mögliche Verschmutzung des Bodensees durch die ehemalige Deponie Klein-Venedig hingewiesen. Der Sprecher der Initiative sagte, in einer öffentlichen Versammlung, es gehe um Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe PAK, die krebserregend sein können. Deswegen hatte Günther Schäfer, Sprecher der Initiative, einen Brief an den Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner geschrieben. Werner hatte die Anfrage der Bürgerinitiative an das Landtratsamt weiter geleitet. In der vergangenen Woche antwortete das Landratsamt und berichtete dem Technischen und Umweltausschuss des Konstanzer Gemeinderats.

Sanierung nach Altlasten-Analyse

Die Altlasten auf dem Gelände sind in der Vergangenheit technische erkundet worden. Auf Klein Venedig gab es Bohrungen, Grund- und Sickerwassermessstellen wurden eingerichtet, Boden- und , Wasserproben analysiert und Deponiegase gemessen. Seit 2003 läuft die Sanierung, die fachtechnisch überwacht und dokumentiert werde.

Preisvergleich

Gewählt worden ist eine günstige Sanierung, die aber offenbar ausreichend ist. Der Ausbau der Ablagerung mit anschließender thermischer Behandlung off-site hätte Kosten von 40 bis 60 Millionen Euro verursacht. Selbst eine Oberflächenabdichtung mit Entgasung würde 3,5 bis 4,5 Millionen Euro kosten. Eine Oberflächenabdichtung mit Umschließung und Entgasung brächte Kosten von 4 bis 5,5 Millionen Euro mit sich. Günstiger ist dagegen die gewählte Hydraulische Sicherung, die in zehn Jahren – von 2003 bis 2013 – Kosten in Höhe von 700.000 Euro verursacht. .

Belastung durch Schadstoffe gemessen

Das Landratsamt hat aktuell auch darüber informiert, welche Stoffe auf der ehemaligen Deponie lagern. Zu finden sind 60 Prozent hausmüllartige Komponenten (grauschwarzer breiig zersetzter Müll), 25 Prozent bauschuttartige Auffüllungen (z.B. Ziegel, Glas, Holzreste, Schlacken) und 15 Prozent umgelagerter Erdaushub. Nachgewiesen sind offenbar Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Ammonium, Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Phenole, Schwermetalle sowie Deponiegase, Methan und Kohlendioxid.

Auf Schweizer Seite mehr Bauschutt

Als 2003 die Sanierung begann sind offenbar Besonderheiten des der Stadt Konstanz gehörenden Areals berücksichtigt worden: Das Gelände grenzt direkt an den Bodensee und ist teilweise bebaut. So steht zum Beispiel das Sea-Life-Center auf der ehemaligen Deponie, verschiedene Veranstaltungen wie der Hamburger Fischmarkt finden auf dem Gelände statt und Kinder spielen auf dem Spielplatz „Steine im Fluss“. Das ist alles offenbar gefahrlos. Das angrenzende Schweizer Hoheitsgebiet wurde später verfüllt. Auf ihm wurde anders als auf Konstanzer Seite weniger Hausmüll und mehr Bauschutt abgelagert. Im Bereich der Sportanlagen gibt es funktionierende Dränagen und eine teilweise Abdichtung zum See hin. In der Schweiz hatte laut Landratsamt die Kantonsverwaltung entschieden, dass es keinen Sanierungsbedarf gibt.

Landratsamt: Keine Gefahr

Das Konstanzer Landratsamt zieht nach sieben Jahren Sanierung aktuell folgendes Fazit: Wörtlich heißt in dem Bericht, die „Gefahrenabwehr“ war und sei erfolgreich. „ Keine Gefahr für Menschen, Tiere, Bodensee“, so der Schluss. Aktuelle Messungen erbringen laut Landratsamt den Nachweis. Der Konstanzer SPD-Stadtrat Dr. Jürgen Ruff sagte, vor allem, wenn man Kosten und Effekt verschiedener Maßnahmen in Beziehung setze, scheine ihm der eingeschlagene Weg durchaus der richtige zu sein. „Insbesondere da ja nun kein schweres Gebäude auf die alte Deponie kommt.“ Anderer Meinung und auch nach dem Vortrag des Landratsamts nicht überzeugt war dagegen Günter Beyer-Köhler von Freie Grüne Liste Konstanz (FGL). Die hydraulische Sanierung geht weiter. Die Belastung von Klein Venedig ist nicht mit den Bohlinger Schlammteichen vergleichbar, wo Industrieabfälle, Klärschlämme und Fäkalien entsorgt worden waren.

Foto: wak



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