Kliniken raus aus den roten Zahlen

Keine Entscheidung über Krankenhäuser mehr vor Weihnachten

klinikum mensch 03a81a9e32Konstanz/Friedrichshafen/Überlingen (wak) Die Finanzierung der Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken (HBH) ist ein Desaster. Dramatisch schlecht ist auch die finanzielle Situation des Konstanzer Klinikums. Schon Ende diesen Jahres werden einige Millionen Euro  fehlen. Im kommenden Jahr, wenn eine Übergangszeit endet und das Konstanzer Klinikum eine geringere Fallpauschale pro Patient bekommt, verliert das Klinikum weitere Millionen. Retten könnte die Kliniken in Not im Kreis Konstanz entweder eine Kooperation, eine Fusion oder eine Privatisierung. Längst liebäugeln die Konstanzer mit einem großen Kinikverbund am Bodensee, dem auch das Friedrichshafener Krankenhaus angehören könnte. Einen anderen Weg gegangen ist dagegen die Stadt Überlingen. Sie hat ihr Krankenhaus privatisiert und es an die Helios Kliniken GmbH verkauft.

17.000 Patienten jedes Jahr

Das Klinikum Konstanz behandelt jährlich rund 17.000 Patienten. Jährlich finden 7.000 Operationen statt, 20 Prozent davon sind Notfalleingriffe. Rund 1000 Mitarbeiter sind am Klinikum beschäftigt, darunter rund 400 Pflegekräfte und 150 Ärzte. Damit gehört das Klinikum zu den größten Arbeitgebern der Stadt Konstanz. Kooperationen bestehen bisher schon mit den Krankenhäusern in Singen und Friedrichshafen sowie mit dem Kantonsspital Münsterlingen in der Schweiz. Trägerin des Konstanzer Klinikums ist die Spitalstiftung Konstanz.

Ab 2010 sinkt die Fallpauschale

Im kommenden Jahr aber drohen dem Konstanzer Klinikum noch mehr rote Zahlen. Die Fallpauschale, mit der Leistungen im Gesundheitssystem pauschal vergütet werden, gibt es schon seit sieben Jahren. Statt Tagespflegesätze oder Geld für einzelne Leistungen bekommen die Krankenhäuser seit 2003 nur noch eine bestimmte Summe pro Behandlungsfall. Bisher erhielt das Konstanzer Klinikum immerhin noch mehr als 3000 Euro pro behandeltem Patient. Doch Ende des Jahres endet eine Übergangszeit, die so genannte Konvergenzphase, und auch für das Klinikum gilt dann der so genannte Landesbasisfallwert, der nur noch bei 2800 Euro liegen wird.

Neues Loch reißt auf

„Pro Patient fehlen etwa 250 Euro“, sagte ein Insider nach der Sitzung des Spitalausschusses am Dienstagabend. Hochgerechnet auf die 17.000 Patienten, die das Klinikum jährlich behandelt, kämen so mehr als vier Millionen Euro minus zusätzlich zusammen. Gleichzeitig benötigt das Klinikum aber hundert Millionen Euro zur Sanierung des Hauses in der Luisenstraße und für den Umzug des Vincentius-Krankenhauses. Das dringendste Problem, das Konstanz hat, ist also die Konsolidierung der Finanzen oder das Klinikum wird zu einem Fass ohne Boden. Nur auf die wichtigste Frage nach dem „Wie“ gibt es momentan noch keine Antwort. Fest steht bisher nur: Auf keinen Fall wird noch vor Weihnachten eine Entscheidung über die mögliche Umwandlung des Konstanzer Klinikums von einem spitälischen Eigenbetrieb in eine kommunale GmbH oder über eine rettende Allianz mit Krankenhäusern in Singen oder Friedrichshafen fallen.

Rettung in eine Klinik-Allianz

Der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle könnte sich längst einen Klinikverbund vorstellen, der vom Hochrhein über Konstanz und vielleicht sogar bis nach Friedrichshafen reicht. Durch einen Zusammenschluss der Krankenhäuser würden Doppelstrukturen überflüssig und Synergien könnten mithelfen, Verluste aus dem laufenden Betrieb der Kliniken in den Griff zu bekommen.

Plan B ist die Privatisierung

klinikum op 029985e8b1Einen anderen Weg gegangen ist bereits die Stadt Überlingen, die sich im Bodenseekreis gegen einen Zusammenschluss mit dem Friedrichshafener Krankenhaus entschieden hat und zum Missfallen von Landrat Lothar Wölfle zu keiner Kreislösung bereit war. Das Überlinger Krankenhaus wurde zu 94,1 Prozent der Gesellschafteranteile an die Helios Kliniken GmbH verkauft. Die Helios Kliniken GmbH ist mit 62 Kliniken eines der größten und medizinisch führenden Klinikunternehmen Deutschlands und beschäftigt 32.000 Mitarbeiter.

Investitionen zahlt die Helios GmbH

Den Beschluss zu verkaufen, hatte der Überlinger Gemeinderat, der gleichzeitig auch Stiftungsrat ist, einstimmig gefasst. Auch Ärzte und der Personalrat hatten sich für die Lösung ausgesprochen, aus der städtischen „Krankenhaus Überlingen GmbH“ ein Helios Spital zu machen. Helios versprach beim Kauf, die Klinik als Haus der Grund- und Regelversorgung weiter zu führen und zunächst einmal 20 Millionen Euro zu investieren. Diese Summe hätte die Stadt Überlingen selbst nicht mehr aufbringen können.

Auf der sicheren Seite

Die Stadt Überlingen ist – anders als zum Beispiel die Stadt Konstanz – seit dem Verkauf raus aus der wirtschaftlichen Verantwortung für das Krankenhaus. Sie muss nicht mehr für Verluste des Betriebs bezahlen. Der Grund und Boden, auf dem das Spital steht, blieben aber – genauso wie 5,9 Prozent der Gesellschafteranteile – in Besitz des Überlinger Spitalfonds. Der Aufsichtsrat behielt auch ein Vetorecht und könnte eine Standortschließung oder -verlagerung genauso blockieren wie eine mögliche Schließung von Abteilungen, so der damalige OB Volkmar Weber.

Lösung mit Helios auch im Kreis Konstanz denkbar

Angeblich soll es auch im Landkreis Konstanz private Interessenten für die finanziell angeschlagenen Krankenhäuser geben. Auch der Name der Helios Kliniken GmbH ist in diesem Zusammenhang genannt worden. Eine Bestätigung seitens der Akquiseabteilung des Unternehmens war bei der Helios Kliniken GmbH in Berlin heute aber nicht zu erhalten. Auch die Presseabteilung der Klinik in Überlingen war ganztägig wegen einer Konferenz nicht zu erreichen. (Fotos: Helios Kliniken GmbH)

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