Klinikum zahlt Ex-Direktor Bonus nicht

Rechtsstreit zwischen Klinikum Konstanz und früherem Verwaltungschef geht weiter

Konstanz (wak) Der Spitalausschuss des Konstanzer Gemeinderats hat sich gestern in nicht-öffentlicher Sitzung dafür ausgesprochen, einem früheren führenden Verwaltungsmitarbeiter des Konstanzer Klinikums keinen Bonus von mehreren Hunderttausend Euro zu zahlen. Das Klinikum wollte dem Ex-Direktor den Bonus für Einsparungen bei Heizkosten nach der Liberalisierung des Gasmarktes überweisen.

Kein satter Bonus für Wechsel des Gaslieferanten

Als das Konstanzer Klinikum – wie viele andere Unternehmen und auch Privathaushalte – nach der Liberalisierung des Gasmarktes den Gaslieferanten wechselte und damit die Energiekosten senkte, wollte der frühere Verwaltungsdirektor des Klinikums mit verdienen. Offenbar sollte der Mitarbeiter wegen der Einsparung eine satte Bonuszahlung bekommen. Ein Nachfolger wurde aber stutzig und der Bonus wurde noch nicht ausgezahlt.

Spitalausschuss lehnt Schlichtungsvorschlag ab

Derzeit streiten der Ex-Klinikdirektor und das Klinikum deswegen vor dem Arbeitsgericht. Der Ex-Manager will sich 226.000 Euro erstreiten. Wie häufig bei Arbeitsgerichtsprozessen machte das Gericht ein Schlichtungsangebot. Der Spitalausschuss – das Konstanzer Klinikum befindet sich in spitälischer Trägerschaft – ist aber mit einer Zahlung nicht einverstanden. In einer Sitzung lehnte der Ausschuss am Donnerstag Nachmittag den Vorschlag des Gerichts ab. Jetzt muss das Arbeitsgericht ein Urteil sprechen.

Die Hälfte der Einsparung wollte Ex-Direktor kassieren

Das Krankenhaus hatte nach einer europaweiten Ausschreibung den Energieversorger gewechselt und sparte dadurch etwa eine halbe Million Euro ein. Zuvor hatte das Klinikum sein Gas bei den Konstanzer Stadtwerken bezogen. Die Hälfte des gesparten Geldes wäre als Sonderzahlung an den Ex-Verwaltungsdirektor geflossen.

Hohe Kosten für Energieberatungsfirma

Den günstigeren Gasanbieter hatte das Klinikum bei einer europaweiten Ausschreibung gefunden. Die Klinikverwaltung brachte die Ausschreibung aber nicht etwa alleine auf den Weg, sondern beauftragte auch noch eine Energieberatungsfirma, die ihre Dienstleistung teuer in Rechnung stellte. „Zu teuer“, so ein Mitglied des Spitalausschusses. Die Energieberater erhielten nach Informationen von See.Online.info eine Prämie von 100.000 Euro. Das war offenbar viel zu viel Geld. Angemessen gewesen wären sogar weniger als 10.000 Euro. Das war zumindest das Ergebnis einer Rechnungsprüfung.

Belobigung viel zu großzügig ausgefallen

Verdient hätte der Direktor trotzdem. Der frühere Verwaltungsleiter des Klinikums sollte mit einem Jahresgehalt belohnt werden und hätte damit ein Jahr bezahlten Urlaub nehmen und sich zur Ruhe setzen können. Das war vertraglich so vereinbart worden. Der Spitalausschuss ist offenbar nun aber der Meinung, dass die Belobigung des Mitarbeiters doch etwas großzügig ausgefallen ist. In diesem Jahr erwartet das Konstanzer Klinikum zudem ein sattes Defizit. In Schätzungen von Gemeinderatsmitgliedern ist die Rede davon, dass die Stadt in den kommenden Jahren voraussichtlich bis zu 30 Millionen Euro ins Klinikum investieren muss. Geld zu verschenken oder für teure Boni hat das Klinikum nicht.

Foto: Klinikum Konstanz

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