Komitee vergibt Konstanzer Maultaschenpreis an Konstanzer Verlag

Preisträger verweigern Annahme – Delegation mit Megaphon vor Verlagsgebäude

Konstanz. Das Komitee „Die Konstanzer Maultasche“ hat bei einer Pressekonferenz im Gewerkschaftshaus in der Beyerlestraße die Preisträger des Konstanzer Maultaschenpreises 2011 bekannt gegeben. Erster Preisträger ist ein Konstanzer Verlag. Der Preisträger verweigerte nach der Pressekonferenz die Annahme des Preises. Die Übergabe sollte im Anschluss stattfinden. Benannt ist der Preis nach einem Fall in Konstanz, bei dem die Konstanzer Spitalstiftung einer Altenpflegerin fristlos gekündigt hatte, nachdem die Frau mehrere Maultaschen zum Verzehr eingepackt hatte. Hätte die Altenpflegerin die Maultaschen damals nicht mitgenommen, wären sie entsorgt worden.

Maultasche für beschäftigtenfeindliches Verhalten

Pit Wuhrer, Journalist und Sprecher der Fachgruppe Journalismus (dju) im Verdi-Bezirk Schwarzwald-Bodensee, sagte, die Jury habe es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr eines oder mehrere Unternehmen für „besonders beschäftigtenfeindliches Verhalten“ auszuzeichnen. Firmen, die ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz menschenunwürdig behandeln oder Löhne bezahlen, von denen die Mitarbeiter nicht leben können, zählen laut Wuhrer zum Kreis der Kandidaten und kämen als Preisträger in Frage. Ausführlich begründete Markus Klemt von der Gewerkschaft Verdi, weshalb die Wahl in diesem Jahr auf einen Konstanzer Verlag fiel.

Praktiken detailliert geschildert

Klemt warf dem kleinen Verlag Mobbing gegen Mitglieder des Betriebsrates vor. Anwesend waren bei der Pressekonferenz auch zwei ehemalige Betriebsratsmitglieder, die die Darstellung des Gewerkschafters bestätigt haben. Mehrere Personen, die in dem Verlag gearbeitet hatten und mit Abfindungen in beträchtlicher Höhe aus dem Verlag ausgeschieden sind, seien körperlich und seelisch am Ende gewesen, hieß es bei der Pressekonferenz. Bei der Pressekonferenz sind sehr detailliert Praktiken, Szenen und Situationen geschildert worden, die sich so im Verlag zugetragen haben sollen. Wuhrer sagte, das Komitee habe sämtliche Vorwürfe gründlich geprüft und es lägen beglaubigte Aussagen von Zeugen vor.

Verlag ließ Komitee vor Türe stehen

Der Verlag hat die Annahme des Maultaschenpreises verweigert. Nach der Pressekonferenz fuhr eine Delegation zum Sitz des Verlages. Die Delegation mit dem Journalisten Pit Wuhrer sowie Markus Klemt und Raoul Ulbrich von den Gewerkschaften Verdi und IG Metall wollten den Preis, eine in Cellophanpapier verpackte Maultasche, dem Geschäftsführer des Verlags persönlich überreichen und die Gründe für die Verleihung aufzählen. Gegen 11.30 Uhr klingelte die Abordnung mit der überdimensional großen Maultasche, die eine Maultaschenmanufactur und eine Metzgerei in Singen eigens hergestellt hatten, am Eingang. Nachdem die Tür kurz geöffnet wurde, erschien niemand mehr. Darauf hin begründete Markus Klemt über ein Megaphon die Entscheidung der Jury, der neben anderen auch der grüne Bundestagsabgeordnete Till Seiler angehörte, und erläuterte mit welcher Begründung der Maultaschenpreis 2011 an den Verlag verliehen worden ist. Dies fand aber weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil sich der Verlag in einem ruhigen Wohngebiet befindet.

Weitere Preise nach Singen und an Insolvenzverwalter

Der zweite Preis ging in diesem Jahr an eine Singener Firma, die Kühlsysteme produziert. Das Unternehmen sei aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall ausgeschieden – so wie zum Beispiel auch der Südkurier aus einem Tarifverbund ausgeschieden ist. Raoul Ulbrich sagte, Beschäftigte in Singen hätten seither erhebliche Reallohnverluste erlitten. Auch Raoul Ulbrich schilderte im Detail, was das Maultaschenpreis-Komitee den drei Geschäftsführern vorwirft. Den dritten Preis erkannte das Komitee in diesem Jahr keiner Firma, sondern einem Insolvenzverwalter zu. Um ein Unternehmen mit Sitz in der Gemeinde Reichenau zu retten, hätten 60 Beschäftigte ausscheiden sollen. Raoul Ulbrich sprach von „Psychospielchen“. Der Insolvenzverwalter habe eine Namensliste präsentiert, auf der sich auch die Namen von Betriebsräten und solcher Mitarbeiter gefunden hätten, die bei einer Sozialauswahl nicht kündbar gewesen wären, sagte Raoul Ulbrich.

Anmerkung der Redaktion

See-Online hat auf die Wiedergabe naturalistischer Schilderungen von Vorkommnissen sowie die exakte Auflistung der benannten Vorwürfe und Missstände sowie auf die Nennung der Namen der Preisträger verzichtet. Im vergangenen Jahr hatte sich einer der Preisträger mit juristischen Mitteln gewehrt und unter anderem von See-Online verlangt, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, wodurch See-Online nicht unerhebliche Kosten entstanden sind. Die Unterlassungserklärung hat See-Online nicht unterzeichnet. Das Maultaschenpreis-Komitee hatte 2010 schlecht recherchiert und bei einer Pressekonferenz teilweise falsche Tatsachen behauptet, weshalb vom Komitee später nicht alle bei einer Pressekonferenz erhobenen Vorwürfe aufrecht erhalten konnten.

Mehr Informationen über den Konstanzer Maultaschenpreis 2011 gibt es auf der Website Die Konstanzer Maultasche.

2 Kommentare to “Komitee vergibt Konstanzer Maultaschenpreis an Konstanzer Verlag”

  1. Daniel
    2. September 2011 at 13:42 #

    Aha, die Frau wäre also entsorgt worden, wenn sie die Maultaschen nicht eingepackt hätte ? ;-)

  2. Mohrrübenkiller
    2. September 2011 at 17:57 #

    Sehr zweifelhafte Aktion. Wenn aber so etwas schon gemacht wird,
    dann bitte auch mal einen Preis für den kriminellsten Angestellten.
    Die wo Fahrtenbücher manipulieren. Unzulängliche Arbeitsleistung
    erbringen. Nach Feierabend auf Kosten des Arbeitgebers mit dem
    Ausland telefonieren. Und so fort.
    Mit öffentlicher Nennung und Aufmarsch des Arbeitgebers vor dem
    Haus des Sünders.
    Das wäre dann die ausgleichende Gerechtigkeit.

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