Konstanz ist den Papst noch nicht los

Aufsichtsrat der Tourist-Information stimmt für Entfernung der Lenk-Skulptur aus Bahnhof

Konstanz (wak) Vollkommen ungewiss ist auch weiterhin wie lange die Papst-Skulptur des Bildhauers Peter Lenk noch in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs auf ihrem Sockel sitzt. Der Aufsichtsrat der Tourist-Information stimmte zwar gestern mehrheitlich für die Entfernung der satirischen und kirchenkritischen Skulptur. Bildhauer Peter Lenk kündigte aber bereits an, den Rechtsweg beschreiten zu wollen.

Vier Wochen Frist vorbei

In seiner Sitzung am Mittwoch hat der Aufsichtsrat der Tourist-Information mehrheitlich für die Entfernung der Skulptur des Künstlers Peter Lenk aus den Räumen der Mobiltitäszentrale gestimmt. Nach heftigen Diskussionen um die Skulptur hatte der Künstler in seinem Brief vom 16. Mai und auch in seinem Gespräch mit Oberbürgermeister Frank angeboten, den Gaukler vier Wochen stehen zu lassen und ihn dann zu entfernen. Das teilte die Stadt am Mittwoch so mit.

Galerie im Bahnhof ohne Lenk

Auf diese temporäre Lösung habe sich auch der Aufsichtsrat der Tourist-Information eingestellt. Angedacht sei, die Räume der Mobilitätszentrale nach der Entfernung der Lenk-Skulptur künftig weiterhin für die Ausstellung von Kunstobjekten zu nutzen, so die Stadt. Die Exponate sollen wechseln.

Lenk will Namen hören

Lenk behauptet im Gegensatz zur Stadt seine Bedingung sei gewesen, dass die Aufsichtsräte namentlich abstimmen und nach der nichtöffentlichen Sitzung die Namen derer genannt werden, die gegen die Skulptur votierten. Lenk sagte, Brigitte Leipold habe sich vorab so geäußert, dass sie für den Verbleib der Skulptur sei. Anselm Venedey dagegen habe sich als Gegner geoutet. Denjenigen, die sich nicht öffentlich äußerten, wirft der Bildhauer jetzt vor, sie würden kneifen. Eine Mehrheit in der Bevölkerung wolle die Skulptur behalten, weshalb es aus Sicht der Gegner politisch nicht opportun sein könnte, in Zusammenhang mit der Papst-Figur als Hardliner in Erinnerung zu bleiben. „Sie sollen zu ihrer Meinung stehen“, forderte Peter Lenk nach der Aufsichtsratssitzung erneut. Falls die Namen genannt würden, würde er die Figur sofort abbauen.

Bildhauer schaltete Anwalt ein

Doch danach sieht es eher momentan eher nicht aus. Peter Lenk hat mittlerweile den Rechtsanwalt und Experten für Urheberrecht, Dr. Albrecht Götz von Olenhusen, mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt. Der Jurist habe die Konstanzer bereits darüber informiert wie sie mit dem Kunstwerk umgehen dürfen. Der Aufforderung, die Figur sofort abzubauen, brauche er nicht nachzukommen, so Lenk. Der Chef der Tourist-Information, Norbert Henneberger, habe ihn gebeten, die Skulptur aufzustellen. Ab sofort heißt es nun: Auge um Auge, Paragraf um Paragraf. „Das könnte jetzt über Jahre gehen“, sagte der Bildhauer. „Das zieht sich.“

2014 beginnt Konziljubiläum

So viel Zeit haben die Konstanzer aber nicht. Spätestens, wenn das Konziljubiläum 2014 mit einer großen Landesausstellung im Konstanzer Konzil beginnt, möchten sie die Papst-Figur, die eine Kopie der Originalfigur auf der Imperia ist, weg haben. Den Druck machen sich konservative Kreise in der Konzilstadt allerdings selbst. Ob Papst Benedikt XVI, dessen satirisch verzerrtes Ebenbild die Skulptur sicher nicht ist, nach 2014 Konstanz kommt ist – mit oder ohne Provokation – eher unwahrscheinlich. Persönlich beleidigt dürfte er sowieso nicht sein. Als Bildhauer Peter Lenk 1993 die Imperia mit Gauklern in ihren Händen im Konstanzer Hafen aufstellte, hieß der Papst noch Joseph Ratzinger. Und mit dem Zug dürfte der Papst aus Rom, sollte er doch kommen wollen, wohl kaum anreisen, so dass er die Figur nicht zwangsläufig zu Gesicht bekäme.

Was andere Medien heute zum Skandal übers Lenksche Päpstlein sagen.

2 Kommentare to “Konstanz ist den Papst noch nicht los”

  1. Fenedig
    30. Juni 2010 at 20:51 #

    Jetzt dreht Lenk völlig durch und fordert Namen, wälzt schon „Paragrafen“ und bringt damit gerichtliche Entscheide ins Spiel. Vielleicht ist ihm auch einfach die derzeitige Hitze in den Kopf gestiegen. Man sollte stets frühzeitig erkennen, wo persönliche Ambitionen mal „schief“ laufen können. Seine gegossenen Figuren geraten bekanntlich „für den grossen Rest der Gesellschaft“ halt auch öfter mal „schief“. Ist das so schwer zu verstehen?

  2. sparring
    1. Juli 2010 at 16:52 #

    Bin der gleichen Meinung. Eigentlich schade drum, denn Lenk
    hat vielen Menschen mit seinen Spottfiguren auch Spaß gemacht.
    Aber jetzt sieht er sich neben seinem „Mini-Kardinal“ scheinbar
    schon als Mitglied der göttlichen Familie.
    Zeit, der Farce ein Ende zu setzen und ihn wieder auf die Erde
    zurückzuholen. Mit einem Dankeschön für früher, ab jetzt aber mit Hinweis auf das Ende „seiner“ Fahnenstange.

    Freundlich, aber bestimmt „lenk mich am …..!“

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.