Konstanz plant weiter Stundentenwohnungen in der Freistadt Chérisy

Gesamtverkehrsgutachten fürs Areal Chérisy vom Tisch – Alexander Fecker entsetzt über Parksituation

Konstanz. Die Stadt Konstanz verfolgt Planungen für zwei Studentenwohnprojekte mit bis zu 250 Plätzen auf dem Gelände der ehemaligen Chérisy-Kaserne weiter. Das hat der Technische und Umweltausschuss des Gemeinderats in dieser Woche beschlossen. Die studentische Wohnungsnot bereitet den Kommunalpolitikern Sorge – mehr Sorge als der Widerstand der Chérisy-Bewohner. Ein Gesamtverkehrsgutachten fürs Biotop Chérisy, das die FGL ursprünglich wollte, gibt es erst einmal nicht.

Sorgen der Chérisy-Bewohner

Die Bewohner des Areals, das eine Art Freistadt Chérisy ist, kämpfen gegen den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Die Initiative befürchtet eine „städtebauliche Kurzschlusshandlung“ mit massiver Verdichtung und Verbauung eines in mehr als 30 Jahren gewachsenen, beispielhaften sozialen Quartiers, ohne Berücksichtigung des ortsbildprägenden Wiesen- und Baumbestandes, und unter Verschärfung der bereits jetzt „mangelhaften Freiflächen- und Verkehrsgestaltung“ bei ständig steigenden Verkehrsimmissionen. Das steht so auf der Website der Freistadt Chérisy.

CDU-Stadtrat Fecker entsetzt

Einer der für die abwehrende Haltung kein Verständnis hat, ist CDU-Stadtrat Alexander Fecker. Wie er es gerne macht, bevor er über etwas entscheidet, verschaffte sich Fecker auch einen persönlichen Eindruck von der Chérisy. Erst einmal war er erstaunt, wie viele Autos dort parkten. Er sagt, es gibt einen rechtskräftigen Bebauungsplan. Stellplätze seien eingezeichnet. In der Realität gibt es sie aber nicht. Dafür gebe es zwischen den Kasernengebäuden viel Grün. Autos parkten eher chaotisch – und manche hätten noch nicht einmal ein Nummernschild. Die Straßenränder seien zugeparkt. Das hat Alexander Fecker gar nicht gefallen, wobei er natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob die Autos ohne Zulassung auf öffentlicher oder privater Fläche abgestellt waren.

Keine Wohnplätze ohne Parkplätze

Fecker sagte, die Planungen könnten nach dem Votum des Technischen und Umweltausschusses jetzt weiter gehen. Für alles andere hätte er auch gar kein Verständnis gehabt. Er ist einer derjenigen, die immer wieder nach Studentenwohnungen fragen und die Verwaltung drängen, behilflich zu sein. Zwei private Investoren wollen – darüber ist Fecker froh – auf dem Areal für die Studierenden bauen. Er sagte: „Die Planungen sind weit fortgeschritten.“ Das Studentenwerk Seezeit solle die Wohnplätze dann vergeben. Für Fecker ist klar, dass keine Studentenwohnungen mit bis zu 250 Plätzen ohne Autostellplätze gebaut werden sollten. Dass in den Gebäuden nur Studenten wohnen dürfen, ist im Bebauungsplan festgeschrieben. Um den Bebauungsplan in 20 Jahren vielleicht zu ändern, müsste der Gemeinderat zustimmen. Fecker hält es aber für unwahrscheinlich, dass es in zwei Jahrzehnten keine wohnungssuchenden Studenten mehr in Konstanz gibt.

Verkehrssituation im Areal

Weiter sagte Fecker, dass sich die Stadt die Verkehrssituation auf dem Chérisy-Gelände anschauen wolle. Nicht ausschließen will Fecker, dass dann vielleicht doch noch Stellplätze für die heutigen Bewohner entstehen müssten. Vielleicht könnten sie auch auf den noch zu bauenden Flächen nachgewiesen werden. Sollte die Stadt auf dem Gelände ein Spielstraßenschild aufstellen, wäre es auch mit dem wilden Parken am Straßenrand schnell vorbei.

SPD-Stadtrat verwundert

Auch Jürgen Puchta (SPD) ist für die Studentenwohnungen im Chérisy-Areal. Puchta kennt die Geschichte der Chérisy nicht aus dem Effeff. Er versteht deswegen auch nicht, warum die Bewohner der Chérisy etwas dagegen haben könnten, dass nach den Studenten womöglich irgendwann einmal junge Familien in die Häuser ziehen könnten. Und er hat auch kein Verständnis dafür, dass die Initiative „Schöne Chérisy!“ so vehement gegen die Studentenwohnprojekte kämpft.

Selbstverwaltetes Biotop

Den Bewohnern geht es wie in anderen Biotopen und Freistädten mutmaßlich auch um ihre Autonomie. Sie wollen sich selbst verwalten und empfinden Einmischung anscheinend als ungehörig. Die Initiative „Schöne Chérisy!“ hat aber so wie es aussieht keine große Lobby im Gemeinderat – und auch nicht in der Stadt.

Die SWR-Landesschau hat den Konflikt geschildert.

httpv://www.youtube.com/watch?v=2YXNgnUtLVs

 

4 Kommentare to “Konstanz plant weiter Stundentenwohnungen in der Freistadt Chérisy”

  1. Sympathisant
    10. Februar 2012 at 16:55 #

    Das sieht wieder mal nach einem Konflikt „Grün gegen Geld“ aus. Meine Sympathie liegt bei den Bewohnern der Cherisy, die nun seit vielen Jahren hier ein Modellprojekt gelebt haben. Wenn man das Gelände betritt, spürt man den anderen Geist. Das stört nun offenbar manche Saubermänner gewaltig.

  2. Katharina
    10. Februar 2012 at 18:12 #

    Grün gegen Geld oder besser grünes Geld gegen Studenten?
    Konstanz scheint zwar gerne eine „exellente Universitätsstadt“ zu sein, aber die Studenten erscheinen nur lästig… Das diese die hohen Mieten nicht zahlen können, aufgrund der Infrastruktur nur sehr schlecht in die umliegenden Ortschaften ausweichen können und so in reale Existenzängste geraten,
    scheint kein Gewicht zu haben, schließlich wollen die Kinder Spielfläche (siehe Video).
    Mir erscheint diese Gewichtung sozial ungerecht

  3. Sympathisant
    11. Februar 2012 at 00:31 #

    @Katharina: Also, jetzt Kinder gegen Studenten aufwiegen? Weiss nicht, ob man damit weiterkommt.
    Bin weder Student noch Kind. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich an der Cherisy vorbeigehe und mich da, wo im Moment die alten Bäume stehen, dann noch eine weitere urbane Fassade anschaut, dann finde ich das schon mehr als schade. Die „urbanen Kanten“, so wie auch nun in der Reichenaustrasse, sind sicherlich imposant. Aber wohl fühle ich mich da allenfalls, wenn ich mit dem Auto daran vorbeifahre. Als Fussgänger oder Fahrradfahrer erdrückt mich das.
    Klar, bezahlbarer Wohnraum ist wichtig. Aber für welchen Preis? Statt jeden grünen Fleck in der Stadt zuzubauen, gäbs vielleicht ja auch noch andere Lösungen?

  4. Hauser
    13. Februar 2012 at 09:46 #

    @Jerusalem: Studenten suchen nicht den Speckgürtel einer Stadt zum Wohnen, sondern die Uni Nähe oder / und den lebendigen Stadtbereich.
    @Fecker: Die Investoren vermieten direkt an die Studenten, dass Studentenwerk hat – auf Nachfrage – keine Information, dass sie neue Wohnheimplätze in der Cherisy anmieten werden.
    @all: Es existiert in der Cherisy ein Studentenwohnheim von der Seezeit mit 216 Zimmern – siehe seezeit.com – und einer Tiefgarage, die nur max. zu 20% vermietet ist. Auch diese Information erhält man auf Nachfrage. Die freuen sich bestimmt über mehr Mieter für die Tiefgarage.
    @all: Gern Wohnen für Studenten fördern, oder meinthalben politsch fordern, aber bitte mit Augenmaß. Das scheint mitunter zu fehlen.

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