Konstanz: Sexuell missbrauchte Frauen helfen sich selbst

Frauen nach sexuellem Missbrauch gründen Gruppe – Erstes Treffen am 19. Januar in Konstanz

Tabuthemen Gewalt gegen Frauen und sexueller MissbrauchKonstanz. 10 bis 15 Prozent aller Frauen und 5 bis 10 Prozent aller Männer sind Schätzungen zu Folge in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden. Viele Fälle bleiben unbemerkt. Missbrauch wird verdrängt – auch auf Grund gesellschaftlicher Tabus, aus Scham oder Angst vor Konsequenzen. Jetzt gründen sexuell missbrauchte Frauen in Konstanz eine neue Selbsthilfegruppe. Sie trifft sich am Mittwoch kommender Woche, 19. Januar, um 19.30 Uhr. Miteinander können Frauen  ihren Schmerz und ihren Alltag besser bewältigen.

Frauen nach sexuellem Missbrauch

„Frauen, die sich erstmals in einer Gruppe mit der Aufarbeitung ihrer eigenen Erfahrungen zu sexueller Gewalt befassen wollen, sollen die Chance dazu auch in Konstanz wieder haben.“ Das schreibt eine Frau aus der Selbsthilfegruppe Innifer.  Erstmals treffen sich die Frauen am Mittwoch, 19. Januar, um 19.30 Uhr zu einem Einstiegsabend. Der Gründungsabend werde zwei Stunden, also bis 21.30 Uhr, dauern. Nach einer kurzen Einführung durch die Veranstalterinnen ist eine Vorstellungsrunde geplant. Daran anschließend berichtet eine Frau von innifer.de welche Regeln und welch möglicher Rahmen sich für eine Gruppe anbieten. Im weiteren Verlauf des Abends sei Zeit für Fragen der Teilnehmerinnen. Der Einstiegsabend endet mit einer Abschlussrunde.

Erste Selbsthilfegruppe 1992 gegründet

Seit fast 20 Jahren gibt es Selbsthilfegruppen. Die erste, seit 1992 bestehende Selbsthilfegruppe Frauen nach sexuellem Missbrauch Konstanz nimmt aber schon seit einigen Jahren keine neuen Frauen mehr auf. Bereits 2004 regte die Gruppe Frauen, die auch die Webseite innifer.de betreibt, die Gründung einer neuen Gruppe in Konstanz an. 2004 gegründeten Frauen dann wieder eine Gruppe – aber auch sie nimmt mittlerweile keine neuen Frauen mehr auf. Die Frauen arbeiten ihre Geschichte nach und nach auf. Neue Frauen, die gerade erst mit der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse und der Folgen beginnen, haben andere Bedürfnisse als Frauen, die schon länger dabei sind. Betroffene, die sich länger mit dem Thema auseinandersetzen und schon ein Stück des Weges gegangen sind, möchten neue Frauen aber ermutigen und sie beim Gründen einer neuen Selbsthilfegruppe Frauen nach sexuellem Missbrauch in Konstanz unterstützen.

Frauen von Innifer sind auf langem Marsch

Wie nötig die Hilfe zur Selbsthilfe ist, zeigt ein Besuch auf der Website von Innifer. Auf der Seite der Selbsthilfegruppe Innifer finden sich teilweise erschütternde Erfahrungsberichte von sexuell missbrauchten Frauen, die heute als Altenpflegerin oder Künstlerin arbeiten, Abitur machten oder sogar ein Studium abgeschlossen haben. Sie sind starke Frauen. Solche Erfahrungen alleine zu verarbeiten, dürfte nur schwerlich möglich sein – in einer Gruppe geht es leichter. Viele kämpfen jahrelang, um im Alltag bestehen und ein normales Leben führen zu können. Soziale Beziehungen einzugehen, fällt ihnen nicht leicht. Es gibt Frauen, die Angst vor körperlichen Berührungen haben oder sich in Alltagssituationen, sei es in einem Aufzug oder in einer Menschenmasse, unwohl fühlen. Menschen, auch Freunde, die solche Erfahrungen nicht teilen, können viel falsch machen. Vermutlich verstehen Opfer sexuellen Missbrauchs die Nöte anderer Betroffener besser und sie können sich gegenseitig stützen, weiterhelfen und erzählen. „Seit meinem 17. Lebensjahr befand ich mich, mit Abständen, wegen Depressionen und Magersucht in psychiatrischer Behandlung“, schreibt eine Frau von Innifer auf der Website. „Tief sind jedoch die Wunden, oft fast nicht zu ertragen“, schreibt eine andere über die Folgen sexuellen Missbrauchs. Manche Frauen verletzen sich selbst. „Nur ein bisschen Blut“, steht in einem Bericht zu lesen. Auch diese Frauen, die in ihren Kindheit vielleicht von nahe stehenden Menschen missbraucht worden sind, haben – so wie Missbrauchsopfer an berühmten Schulen und kirchlichen Einrichtungen – die Solidarität der Gesellschaft und vielleicht sogar finanzielle Unterstützung verdient.

Frauen bitte vorher melden

Treffpunkt für Frauen, die eine neue Selbsthilfegruppe gründen möchten, ist am Mittwoch, 19. Januar, ist um 19.30 Uhr das Büro für Bürgerschaftliches Engagement beim Landratsamt Konstanz, Benediktinerplatz 1 (eigener Eingang neben der BBB-Filiale). Frauen, die zu diesem Termin kommen wollen, sollten sich vorher, entweder per Mail unter: fragen@innifer.de oder telefonisch über die Selbsthilfekontaktstelle im Landratsamt Konstanz unter Telefon 07531/800-1787 melden.

Frauen nach sexuellem Missbrauch in Konstanz

Foto: RS und Thorben Wengert PIXELIO www.pixelio.de

Ein Kommentar to “Konstanz: Sexuell missbrauchte Frauen helfen sich selbst”

  1. Frau von innifer.de
    13. Januar 2011 at 16:12 #

    Dankeschön für den guten Beitrag. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich noch die ein oder andere traut sich anzumelden.

    Deshalb noch Hinweis:
    Wegen Umzug ist die Selbsthilfekontaktstelle im Landratsamt Konstanz unter Telefon 07531/800-1787 erst ab __Montag__ wieder erreichbar, Anmeldungen sind bis dahin nur in elektronischer Form möglich.

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