Konstanz verbietet endlich Böller in der Altstadt

Nach verheerendem Altstadtbrand Silversterfeuerwerke verboten – Wer schießt, zahlt Bußgeld

Konstanz. Nach dem Konstanzer Altstadtbrand über Weihnachten gilt in der Konstanzer Altstadt an Silvester ein Feuerwerksverbot. Nach dramatischen Tagen und Nächten, in denen teilweise bis zu 300 Einsatzkräfte gleichzeitig gegen den verheerenden Brand in der historischen Altstadt kämpften, hat offenbar der Konstanzer Stadtbrandmeister Dieter Quintus umgedacht. Noch im vergangenen Jahr hatte er Silvesterfeuerwerke verharmlost.

Feuerwerksverbote in Altstädten

Schätzungsweise 100 Millionen Euro schießen die Deutschen alljährlich an Silvester in den Himmel. In historischen Altstädten ist das Ballern aber immer öfter verboten. Seit dem 1. Oktober 2009 gilt in der Nähe von Fachwerkhäusern als Folge der Änderung des sogenannten Sprengstoffgesetzes ein grundsätzliches Verbot, Feuerwerkskörper abzubrennen. Auch Plätze vor Kirchen, Krankenheimen und Altenpflegeheimen sind tabu. Viele Städte mit historischer Bausubstanz in ihren Stadtkernen zogen und ziehen Konsequenzen: Von Goslar bis Konstanz sind in diesem Jahr Silvesterfeuerwerke in den Altstädten verboten.

Wer böllert, muss Bußgeld zahlen

In Konstanz gilt das Böllerverbot im Bereich zwischen der Bahnhofstraße, dem Augustinerplatz, der Laube, der Katzgasse und dem Münsterplatz und der Konziltstraße. Das heißt, dass es in allen Straßen und Gassen in dem ganzen Areal, von der Hussenstraße bis zur Zollernstraße oder der Wessenbergstraße bis zum Obermarkt und weiter bis zum Kaufhaus Karstadt verboten ist, Silvesterfeuerwerke abzuschießen. „Das Verbot wird von der Polizei und der Ortspolizeibehörde überwacht“, sagte Stadtsprecher Walter Rügert am Dienstagvormittag. Informieren wolle die Stadt über amtliche Bekanntmachungen, das Internet und möglicherweise auch die Wirte. Das Verbot sei zwischen Stadt und Feuerwehr abgesprochen. Hans-Rudi Fischer, Leiter des Bürgeramts, befand sich am Vormittag noch in einer Besprechung. Wer trotz des Verbots in der Konstanzer Altstadt Feuerwerkskörper abschießt, muss mit einem Bußgeld von bis 50.000 Euro rechnen. Schilder würden aber nicht aufgestellt, so Rügert.

Stadtverwaltung greift durch

Im vergangenen Jahr hatten die Konstanzer das seit der Änderung einer Verordnung des Sprengstoffgesetzes geltende Verbot, in der Nähe von Fachwerkhäusern pyrotechnische Gegenstände abzuschießen, noch weniger konsequent umgesetzt. Dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes die Einhaltung des Verbots überwachten, war im vergangenen Jahr noch nicht vorgesehen. Der Stadtbrandmeister hielt damals ein generelles Böllerverbot in der Altstadt noch nicht für nötig.

Vorbild Tübingen

Schon im vergangenen Jahr hatten aber andere Städte zum Beispiel auch die Universitätsstadt Tübingen gehandelt und das Böllern verboten. Weil nicht jedes Fachwerkhaus als solches zu erkennen ist, wiesen die Tübinger schon an Silvester 2009 eine größere Verbotszone aus. In der Altstadt war das Feuern verboten. Aufgestellt wurden auch Schilder, die eine durchgestrichene Silvesterrakete zeigten.

Foto: Rike PIXELIO www.pixelio.de

4 Kommentare to “Konstanz verbietet endlich Böller in der Altstadt”

  1. Wasserpumpe
    28. Dezember 2010 at 20:56 #

    „Endlich“, „Wer schießt, zahlt“ und dann noch die Moralkeule „100 Millionen Euro schießen die Deutschen alljährlich an Silvester in den Himmel“. Na dann. Das freut die Berufsverbieter und Volkserzieher jetzt ganz gewaltig, endlich das böse Feuerwerk zu verbieten. Wann wird demnächst Tanzen und Musik verboten? Fasnacht ist odch auch bäh, wann wird das verboten? Es enstspricht dem linksrotgrünen Spießer-Zeitgeist, alles und jedes zu reglementieren und die Menschen so zu erziehen und zu formen, wie es die eigene Ideologie für richtig und gut hält. Zum Kotzen!

  2. wak
    29. Dezember 2010 at 09:19 #

    So was kann nur ein Ignorant schreiben, bei dem noch nie Idioten eine Rakete ins Dach schossen, die einen Brand ausgelöst hat. Amüsiert Euch zu Tode, bitte, aber fackelt zum Spaß und aus mangelnder Rücksichtnahme nicht unsere Häuser ab. das Ereignis ist zehn Jahre her, vergessen kann ich den Horror nie.

  3. Opa
    31. Dezember 2010 at 19:58 #

    Also dann: Autofahren verbieten, Alkohol verbieten, schwimmen verbieten, Stürme verbieten, Straßen überqueren verbieten, Grillen verbieten, Kerzen verbieten. Alle bleiben zuhause und dürfen sich nicht mehr bewegen. Der Staat (am besten die SPD und die Grünen) sagen dann, was erlaubt ist und was nicht.
    Wieviel Böller waren in Konstanz in den letzten 50 Jahren für komplette Hausabbrände die Ursache? Keiner? Einer? Brennende Zigaretten sicherlich schon ein paar mehr, Kerzen noch mehr, Kabelbrände noch mehr …
    Also trotz Betroffenheit bitte einfach mal auf dem Teppich bleiben.

  4. Enkel
    1. Januar 2011 at 13:44 #

    @ Autofahren verbieten

    Die Strassen sehen teilweise wirklich aus, als würden in der Stadt öfters Panzer-Kolonnen durchfahren: ein echter Härtetest für die Auto-Federung oder das Ausweich-Reaktions-Vermögen.
    Ein Verbot dürfte durch die Auto-Lobby verhindert werden: man braucht geeignete Testpisten für den internationalen Markt. Von Stuttgart bis Singen wird die Geschwindigkeit getestet, danach der Fahrkomfort bis zu CH-Grenze.

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