Konstanz vorm Advent: Der Stau is(s)t uns Wurscht

Stadt Konstanz investiert 58.000 Euro in Einmal-Verkehrskonzept an Einkaufssamstagen – Bratwurstgutscheine und Leihfahrräder auf P+R Plätzen

Jetzt grillt die Konstanzer SPD den OBKonstanz. Drei Tage vor dem ersten Adventssamstag stellen sich in Konstanz Stadt, Handel und Stadtmarketing auf, um an den umsatzstärksten Tagen im Jahr die Weihnachtseinkäufer in Empfang zu nehmen. Am besten wäre es für alle, wenn die Konstanz Besucher die ausgeschilderten P+R-Parkplätze nutzen würden. Deswegen hat sich das Stadtmarketing ein Lockangebot ausgedacht: Als Belohnung gibt es eine Gratisbratwurst.

Der Slogan mit der „Wurscht“

Viele werden mit dem Auto nach Konstanz fahren. Der Stau ist programmiert. Statt mit dem Slogan „Die Stadt zum See“ wirbt Konstanz an den kommenden Adventssamstagen denn auch passend mit „Der Stau is(s)t uns Wurscht“. Es klingt ein bisschen wie das Pfeifen im Walde. Das Copyright für den flotten Spruch hat Hilmar Wörnle. Die Würste kommen vom Metzger – der Chef des Stadtmarketings macht sie nicht selbst, er ist nur der Erfinder.

58.000 Euro für vier Samstage

Satte 58.000 Euro blättert die Stadt Konstanz hin, um den Verkehr an den vier Adventssamstagen zu lenken. Autofahrer sollen – das ist das Ziel – auf P+R-Parkplätze fahren und den ÖPNV nutzen. Eine Arbeitsgruppe aus Bürgeramt, Polizei, Stadtmarketing, Einzelhandel, Busbetrieben und auch noch ein paar Anderen hat sich der Mammutaufgabe angenommen.

Es weihnachtet sehr

„Wir haben ein Luxusproblem“, sagt Marc Diez vom Stadtmarketing. Hilmar Wörnle stürzt ins Büro und wieder hinaus. Eine Besprechung jagt die nächste. Weihnachtsmarkt, Weihnachtsbeleuchtung, Weihnachtszirkus und die Weihnachtseinkäufer sind die vier großen „W’s“, die ganz großen Themen vier Wochen vor dem Fest. 100 Schweizer Franken (CHF) kosten aktuell 80,97 Euro (EUR). Für Schweizer bleibt Konstanz die attraktive Einkaufsstadt direkt an der Grenze. Voraussichtlich bis zu 450.000 Besucher besuchen in den kommenden Wochen allein den Konstanzer Weihnachtsmarkt am See. Zum Vergleich: An Verkaufssonntagen bummeln schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Menschen durch die Innenstadt – „gefühlt“ sind es an jedem einzelnen Adventssamstag ebenso viele.

Menschliche Intelligenz und Verkehrsengel

Das Stadtmarketing hat eine neue Formel gefunden. Sie heißt: Das Verkehrsproblem mit menschlicher Intelligenz lösen. So sagt es Marc Diez. Wer auf kostenlosen P+R-Parkplätzen parkt, soll das Gefühl haben, vernünftig zu handeln. Ein Gutschein für eine Bratwurst verstärkt dieses Empfinden. In einer Sitzungsvorlage für die Konstanzer Gemeinderäte ist von „mehr Wert“ die Rede.

Ortspolizei im Einsatz

Vor der Innenstadt abfangen will Konstanz sowohl den Autoverkehr, der über die B 33 aus Richtung Singen anrollt, wie auch die Einkäufer aus der Schweiz. Weil Schilder und das Parkleitsystem alleine den Verkehr nicht lenken können, sind auch Verkehrsengel und die Ortspolizeibehörde im Einsatz. Allein zwei Ortspolizisten wollen zwischen 10 und 20 Uhr vor dem Lago den Überblick behalten. Ihre Kollegen sind im Stadtgebiet unterwegs. Statt um den ruhenden Verkehr kümmern sie sich ausnahmsweise um den fahrenden.

P+R-Parkplätze ausgeschildert

Folgende P+R Parkplätze sind an den kommenden Samstagen ausgeschildert: Byk-Gulden-Straße, am Brückenkopf Nord der Schänzlebrücke und die Plätze auf der linksrheinischen Seite der Schänzlebrücke. Als Ausweichparkplatz stünde noch das „Dance Palace“ zur Verfügung. Der Seehas und Shuttlebusse bringen die Kunden dann direkt in die Stadt. Autofahrer können bequem auf die S-Bahn oder die Buslinien 6 und 7 umsteigen. Die Busse haben zwar keine eigenen Spuren, fahren aber zum Beispiel über die neue Rheinbrücke und ins Paradies, durch die Gartenstraße und am Stau vorbei bis zur Niederburg. Parkplätze beim Landratsamt auf dem Benediktinerplatz und auf Klein-Venedig sind ebenfalls ausgeschildert. Die Altstadt ist nur wenige Gehminuten entfernt.

Keine direkte Zufahrt nach Klein-Venedig

Am liebsten wäre es den Konstanzern gewesen, die Schweizer hätten über den mittlerweile für den Verkehr geschlossenen Grenzübergang Klein-Venedig den „Überlaufparkplatz“ von Kreuzlingen aus direkt anfahren können. Das klappt nicht. Die Grenze bleibt dicht. Eine gedruckte Zeitung, der „Parkbote“, wird in der Stadt verteilt und informiert Autofahrer, die zum Beispiel in der Bodanstraße im Stau stehen, wo sie beim nächsten Mal besser parken können. Die Beteiligten und viele Helfer wollen es miteinander stemmen. Sobald die Parkhäuser voll sind, fließt der Verkehr nicht mehr in die überfüllte Innenstadt. „Es ist das erste Mal, dass die Stadt so viel Geld ausgibt“, sagt der Sprecher der Stadt, Walter Rügert.

Bratwürste und nette Gesten

Gratiswürste und Leihfahrräder – wenn auch nur fünf pro P+R Parkplatz – sollen Autofahrer besänftigen. Die Leihfahrräder sind im 58.000 Euro Paket enthalten und kosten 1.200 Euro. Hilmar Wörnle und Kollegen bescheren die Stadtbesucher außer mit Gratiswürsten auch noch mit Gutscheinen für einen Kaffee oder sogar mit zehn Euro Cash. Die Gaben sind nicht an jedem Ort dieselben – die Strategie dagegen schon. Und ÖPNV-Nutzer aufgepasst: Vielleicht liegen sogar Päckchen unter den Sitzen der Busse. Die Bescherung für Radfahrer (Motto „Der Weihnachtsmann ist Radfahrer“) ist allerdings aus Kostengründen gestrichen worden, sagt Walter Rügert. Die Ersparnis beträgt 1.200 Euro. Das Angebot – von Grillwürsten bis Leihfahrrädern – ist den Konstanzern einen Versuch wert. Hauptsache die Autofahrer sagen  am Ende: „Der Stau is(s)t uns Wurscht“.

Hier geht’s zum Parkboten parbote_241111

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