Konstanz wählt im Juni 2012 den Oberbürgermeister oder die Oberbürgermeisterin

Subjektive Betrachtung 14 Monate vor der Wahl

Konstanz. Mehr als ein Jahr vor der OB-Wahl in Konstanz scheint für manche noch immer zumindest eines klar zu sein: Nach dem verlorenen Bürgerentscheid über das Konzert- und Kongresshaus vor gut einem Jahr gilt Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) als angezählt. Doch ist er das wirklich?

Das grüne Land Baden-Württemberg

Im Juni 2012 wird der Jurist 63 Jahre alt sein. Als er zum ersten Mal antrat, war er der erste grüne OB Deutschlands. Mittlerweile sind auch die Rathäuser in Freiburg und Tübingen grün. Der Kreis Konstanz hat einen direkt gewählten grünen Landtagsabgeordneten und in Stuttgart reagiert bald eine grün-rote Koalition. Noch hat sich Horst Frank nicht erklärt, ob er 2012 noch einmal antreten möchte. Bis er 68 Jahre alt wäre, könnte er im Falle einer Wiederwahl OB bleiben.

Vorbild Rolf Böhmes Verlängerung

In den ersten 15 Jahren hatte es der Konstanzer Oberbürgermeister stets mit einer schwarzen Regierung in Stuttgart zu tun. Die neue 2011 gewählte grün-rote Regierung möchte das Land umkremplen und sogar die Landräte vom Volk wählen lassen. So gesehen könnte möglicherweise auch der grüne Konstanzer OB noch einmal Lust an der Politik bekommen und weiter regieren wollen. So oder so ähnlich hatte es einst auch der Freiburger Alt-OB Rolf Böhme (SPD) gemacht, der zwar nach seiner letzten Wiederwahl aus Altersgründen keine ganze Amtszeit mehr anhängen aber immerhin in die Verlängerung gehen konnte. Sollte sich der Konstanzer OB ähnlich entscheiden, wäre es ein bisschen voreilig, dass zum Beispiel Stadtrat Jürgen Wiedemann (Neue Linie) jüngst von der „Restlaufzeit“ des OBs sprach.

Lange Liste angeblicher Kandidaten

Klar ist, dass sich ein Jahr vor einer OB-Wahl noch kein Kandidat und keine Kandidatin outen wird – außer er oder sie wäre schlecht beraten. Hartnäckig halten sich  in Konstanz aber Gerüchte, mögliche Kandidaten werden gehandelt und auch in Parteien ist die OB-Wahl durchaus schon ein Thema. Genannt werden in der Stadt hinter vorgehaltener Hand zum Beispiel die Namen eines Beigeordneten, eines Museumsdirektors, gelegentlich der eines Streuobstmosters, die zweier Stadträte, die sich angeblich selbst ins Gespräch gebracht haben sollen, und sogar Namen von Außenseitern, die nun wirklich keiner auf der Rechnung haben muss. Die vermeintlichen Kandidaten zum jetzigen Zeitpunkt zu fragen, ob an den Gerüchten etwas dran sein könnte, wäre unfair. Einen so langen Wahlkampf würde niemand durchhalten.

Bewerber von außen im Vorteil

Erfolgreiche Bewerber kommen niemals zu früh und oft von außen. Sie haben einen anderen Blick, und sie haben sich in der Stadt zumindest noch keine Feinde gemacht. Nicht ganz ins Bild scheint da der aktuelle Konstanzer Oberbürgermeister zu passen. Franks Wahl steht aber nur scheinbar im Widerspruch zu der These vom Blick von außen. Er ist zwar Konstanzer – auf der politischen Bühne aber war er bei seiner ersten Wahl noch ein unbeschriebenes Blatt. Für die These, dass es Kandidaten von außen leichter haben, spricht zum Beispiel auch die letzte OB-Wahl in Friedrichshafen. Dort scheiterte der beliebte SPD-Stadtrat und damalige Stimmenkönig bei der Kommunalwahl, Dieter Stauber (SPD). Er hatte gegen heutigen OB Andreas Brand und einen weiteren Bewerber, der auch von außen kam, keine Chance. Ähnlich erging es in Friedrichshafen auch der grünen Stadträtin und OB-Kandidatin Monika Blank.

OB-Wahlkampf kostet Geld

Auch wenn es viele nicht glauben oder wahr haben wollen, ein Wahlkampf kostet Geld. Ohne professionellen Auftritt und Coaching geht es nicht. Einen Euro pro Wähler oder besser sogar pro Einwohner müssen Kandidaten rechnen. Beim Wahlkampf der Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker, die zuvor in Meersburg Bürgermeisterin und aus Köln kommend eher ein frisches Gesicht am Bodensee war, haben die Wahlkampfkosten in etwa dem entsprochen, was die Faustregel besagt. Der Wahlkampf des SPD-Kandidaten Frank Nägele in Konstanz kostete vor acht Jahren bereits rund 75.000 Euro.

Persönlichkeit und Aussehen zählen

Klar ist auch, dass die Oberbürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl ist. Unklug wäre es, würde sich ein Kandidat als Kandidat der Partei XY outen. Auch Horst Frank hatte vor seiner ersten Wahl gesagt, er sei zuerst Konstanzer, dann Grüner. Die parteipolitische Zugehörigkeit spielt insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Theoretisch könnte sogar ein Bewerber gewinnen, der einer kleinen Parteien angehört – vielleicht könnte er sogar Mitglied in einer winzigen Partei sein. Er oder sie müsste dann aber mit der Qualifikation und Kompetenz überzeugen. Juristen oder Diplom-Verwaltungswissenschaftler möglichst mit Erfahrung in Führungspositionen kämen, um zwei Qualifikationen herauszugreifen, in Frage.

Der Grundschüler-Test

Fakt ist auch, dass politische Ansichten offenbar weniger stark die Wahl beeinflussen als Äußerlichkeiten. Das haben Psychologen herausgefunden. Sogar Grundschüler können, wenn ihnen Fotos vorgelegt werden, blitzschnell entscheiden, wer eine Wahl gewinnt. Das zeigte eine Studie der Universität Luzern. Darüber, ob eine Person vertrauenswürdig ist, entscheiden Millisekunden. Das fand eine US-amerikanische Forscherin, Kyle Mattes, heraus. Wie kompetent wirkt ein Kandidat wie glaubwürdig, wie aggressiv oder gar bedrohlich – all das zählt. Mit die wichtigste Fähigkeit dürfte aber sein, auf Menschen zuzugehen. Die Empathiefähigkeit, emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz können wahrscheinlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Jenseits von Parteien

Auch in Konstanz gibt es politisch gesehen eine Mehrheit jenseits von Gelb-Schwarz. Sonst hätte der Kandidat der Grünen dem CDU-Bewerber bei der Landtagswahl im März nicht das Mandat weggeschnappt. Ein Grüner hätte wohl  auch sehr gute eine Chance, eine OB-Wahl zu gewinnen. Wenn viele Wähler unabhängig vom Kandidaten doch nach Parteipräferenz entscheiden sollten, wäre ein gutes Ergebnis sicher. Die Konstanzer haben, das ist unstrittig, Sympathien für grün. Ein Wahlerfolg könnte aber auch einem SPD-Mann oder einer SPD-Frau gelingen. Die SPD, die in Konstanz gegenüber der Landtagswahl 2006 zuletzt noch einmal 1,2 Prozentpunkte verlor, bei der letzten Landtagswahl nur noch auf 20,4 Prozent der Stimmen kam und in keinem Bezirk vor den Grünen lag, ist zwar schwächer als Grüne oder CDU, aber insgesamt zählt die Persönlichkeit bei einer OB-Wahl noch immer mehr als das Parteibuch. Theoretisch könnte sogar ein parteiloser Bewerber gewinnen – wenn er die Menschen gewinnen und die Wahlkampfkosten bezahlen kann.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.