Konstanzer Allgemeinmediziner Dr. Heinrich Everke überrascht mit „Bauchfrei“

Arzt schreibt ein außergwöhnliches Buch über Diäten – Er will Menschen glücklicher machen

Konstanz. Dr. Detlef Pape hat es mit „Schlank im Schlaf“ zum Bestellerautor gebracht. Dr. Eckart Hirschhausen schaffte dasselbe mit „Glück“. Höchste Zeit womöglich, dass auch der Konstanzer Allgemeinmediziner Dr. Heinrich Everke, der sich auch mit Akupunktur bestens auskennt, publizistisch nachgelegt hat. Er hat ein bemerkenswertes Buch über Diäten geschrieben. Es kann nicht allen beim Abnehmen helfen, aber einige, die es lesen, könnte es voraussichtlich ein bisschen glücklicher machen.

Everke mit lässigem Tonfall

Für eine Buchbesprechung ist es zu früh, denn das Buch ist knapp 200 Seiten dick – und wir sind in der Sonne heute Nachmittag gerade einmal bis Seite 50 gekommen. Was sich bis dahin sagen lässt: Everke hat kein schwer lesbares wissenschaftliches Fachbuch geschrieben, sondern eher eines, das sehr anschaulich erzählt. Everke schreibt im populärwissenschaftlichen Plauderton, den wir sonst eher aus Büchern amerikanischer Autoren kennen.

Everkes Problembeschreibung

„Bauchfrei“ erzählt die ganze Wahrheit über das Problem des Abnehmens. Everke schreibt: „Wir können auf den Mond fliegen, Laptops bauen, die so leicht sind, dass man sie mit Tesafilm an die Wand kleben kann, Gesichter transplantieren und vieles mehr. Doch bei unseren eigenen Körpern scheinen wir immer noch an unsere Grenzen zu stoßen. Das Abnehmen gelingt manchen spielend leicht, andere brauchen sich gar nicht darum zu sorgen, doch vielen Menschen bereitet es ein Leben lang Probleme. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?“

Langzeitstudie in Praxis

30 Prozent aller Menschen in Deutschland seien angeblich zu dick. Wir stolpern gleich einmal über das Wort „angeblich“. Everke fährt fort: „Doch 90 Prozent aller Versuche abzunehmen gehen schief, weil wir nicht wirklich verstanden haben, wie der Körper sein Gewicht reguliert.“ Der 62-jährige Allgemeinmediziner weiß wovon er redet: „In meiner Praxis versuche ich seit mehr als zwanzig Jahren, Menschen beim Abnehmen zu helfen. Dabei habe ich gelernt, dass es eine Reihe von weit verbreiteten Irrtümern gibt, die dazu führen, dass Diäten immer wieder scheitern und Menschen unglücklich machen.“

Körper funktionieren anders

Oft werde versucht, mit Diäten Energie zu sparen oder mit Bewegungsprogrammen mehr Energie zu verbrauchen. Beiden Strategien könne der Körper aber ausweichen, wenn er meint, sein Gewicht sei so, wie es ist, in Ordnung. „Unser Körper ist keine einfache Maschine, die nur Energie verbraucht, sondern ein sich selbst regulierendes biologisches System, das seine Form und Struktur halten will und nur zum Teil durch Willen und Psyche beeinflussbar ist“, schreibt Everke. Es gebe nicht nur eine sondern ein ganzes Puzzle von Ursachen, die einzeln oder in Kombination miteinander schuld am Übergewicht sein können. „Natürlich spielen psychische und soziale Faktoren eine Rolle, aber mindestens genauso wichtig sind die genetischen und hormonellen Unterschiede zwischen den Menschen. Und diese Unterschiede gilt es zu respektieren“, erklärt der Arzt.

Das Wachstumshormon (STH)

Everke behauptet: „Um überhaupt nachhaltig abnehmen zu können, müssen wir in die Steuerung des Wachstumshormons (STH) und des Insulins eingreifen. An welchen Stellen das möglich ist, stelle ich in diesem Buch vor.“ Everke stellt klar: „Mein Buch unterscheidet sich von anderen, weil es ein Hormon-Paar in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt, dessen Bedeutung in der bisherigen Diskussion noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Es handelt sich um den Antagonismus zwischen Insulin und STH. Das STH (Somatotropes Hormon) oder Wachstumshormon hat die Aufgabe, Muskulatur und andere Strukturen im Körper aufzubauen. Sein Gegenspieler ist das Insulin. Insulin hilft beim Aufbau der Fettdepots, STH hilft bei dem Aufbau des Bewegungsapparates und verbraucht dazu Fett.“ Die Kenntnisse über die Wichtigkeit dieses Hormonpaares seien noch nicht sehr weit verbreitet. STH werde seit einiger Zeit auch als Dopingmittel zum Muskelaufbau missbraucht, was sehr gefährlich sei. „Seine Produktion kann aber auch auf natürliche Weise gefördert werden. Wie das geht und wie man gleichzeitig die Produktion von Insulin drosselt, schildere ich in diesem Buch.“

Klare Ansage an medizinische Laien

Everke redet nicht drum herum: „Mein Buch unterscheidet sich auch deshalb von anderen, weil ich ehrlich genug bin, den Menschen zu sagen, dass es im Leben ungerecht zugeht. Es gibt Menschen, die natürlicherweise übergewichtig sind und große Schwierigkeiten mit dem Abnehmen haben. Diese brauchen aber auch gar nicht abzunehmen. Andere haben Glück mit ihrem Körper und er tut genau das, was sie wollen. Ich kann zeigen, worin die Schwierigkeiten beim Abnehmen liegen, wer es leichter und wer es schwerer hat und wer gar nicht abnehmen muss. Ich schildere das an Beispielen von eigenen Patienten und Experimenten aus der Adipositas-Forschung auf eine Art, die auch für medizinische Laien verständlich ist so wie ich es in meinen vielen Jahren als Hausarzt geübt habe.“

Everke unterscheidet vier Typen

Everke teilt die Menschen in vier verschiedene Typen ein: Natürliche Dünne oder Normalgewichtige. Sie haben einfach Glück, sagt Everke. Natürliche Dicke. Ihr Gewicht ist genetisch so hoch eingestellt. Sie müssen aus medizinischer Sicht nicht abnehmen. Sie können es eigentlich auch gar nicht. Unnatürliche Dünne. Zumeist Frauen. Sie hungern eigentlich ständig, um ihr Gewicht zu halten. Unnatürliche Dicke. Ihre Zahl wird seit einigen Jahren in den Industrieländern immer größer. An sie wendet sich das Buch hauptsächlich, denn sie haben eine gute Chance abzunehmen und sollten dies auch tun.

Helfen kann er nur „unnatürlichen Dicken“

Everke stellt klar: „Meine Zielgruppe sind die ,unnatürlichen Dicken‘, die von ihrer Natur her eigentlich schlank sind, sich aber durch jahrelanges falsches Essverhalten gemästet haben. Darüberhinaus spricht das Buch all diejenigen an, die insbesondere an der Gesundheitsförderung durch eine Balance zwischen körperlich-sportlicher Aktivität und nachhaltig gesunder Ernährung interessiert sind, wie Fitnesstrainer oder Ernährungsberater. „Das Buch wird Menschen ansprechen, die nicht nach einer magischen Zauberformel suchen, um abzunehmen, sondern ein besseres Verständnis des Phänomens Übergewicht suchen und darauf basierend die richtige Methode für ihre Gewichtskontrolle finden wollen“, schreibt Everke.

Vortag am Aschermittwoch im Suppengrün

Erschienen ist das Buch erst einmal mit einer Auflage von 2.000 Exemplaren. Am Aschermittwoch, 22. Februar, spricht er über sein Buch „Bauchfrei. Die besten Wege aus der Diätfalle – warum nicht jeder abnehmen muss“ im „Suppengrün“. Beginn ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bauchfrei. Die besten Wege aus der Diät-Falle – warum nicht jeder abnehmen muss. Autor: Heinrich Everke. Veröffentl: Februar 2012. Verlag: Nardelli Verlag, Sprache: Deutsch. ISBN-13: 9783981461633.

 

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